Donna Cross' "Historischer Roman" ist weniger "historisch" ist als die Asterix-Abenteuer ; doch das unkritische Romanpublikum taumelt von einer Ekstase in die andere ! Dann gibt es das Buch von Elisabeth Gössmann "Die Päpstin Johanna" , welches eine hervorragende akademische Arbeitsleistung darstellt , sich aber leider um definitive Schlussfolgerungen drückt , weil die stock-katholische Verfasserin sich ganz einfach nicht traut , zuzugeben , dass an der Päpstin-Geschichte doch etwas dran sein könnte . Man nimmts gelassen und hofft , dass wenigstens der - auch katholische ! - Journalist Peter Stanford wenigstens den Mut findet , endlich einmal "Ja" ODER "Nein" zu sagen . Gössmann geht mit einer bewundernswerten akademischen Akribie an das Problem heran , wagt aber nicht den Schluss , dass es die Päpstin gegeben haben KÖNNTE . Stanford geht von vornherein davon aus , dass es die Päpstin gegeben hat , man könnte schon sagen gegeben haben MUSS . Beide Ansätze sind vom Wissenschaftlichen her zu verwerfen . Gössmann hat sich viel Mühe gemacht , Stanford ist viel in Europa herumgereist . Vielleicht sollte sich Stanford einmal das Gössmann-Werk unter wissenschaftlichen Aspekten zu Gemüte führen , sich mit (bitte nicht katholischen !) Wissenschaftlern zusammentun und dann die ganze Sache noch einmal aufrollen . Er wird erheblich mehr Arbeit in Literaturstudien verwenden müssen als er dies - zumindest dem Augenschein nach - bislang getan hat ; er wird alte Bücher einmal naturwissenschaftlich untersuchen bzw. untersuchen lassen müssen ; aber er wird dann mit Sicherheit zu einem fundierteren Ergebnis kommen als bisher . Alle seine Fragmente sind für sich allein betrachtet nur winzige Steinchen zu einem Riesenpuzzle , seine Schlussfolgerungen kommen - und das ist negativ gemeint - journalistisch schnell . Wer sich wirklich die Arbeit machen will , das Thema "Päpstin Johanna" ein für alle Mal zu klären , braucht die Arbeitswut und systematische Arbeitstechnik der Gössmann , darf auf keinen Fall katholisch sein , sollte trotzdem guten Zugang zum Vatikan haben und schliesslich so flüssig schreiben können wie Stanford . Für jemanden wie mich , den das Thema ganz einfach "nur so" interessiert , liest sich Stanford ein bisschen zu sehr wie die BILD-Zeitung , es fehlt die wissenschaftliche Tiefe und Ernsthaftigkeit , zumal er - so liest es sich zumindest für mich - von der Existenz der Päpstin überzeugt zu sein scheint ; aber die Beweise scheinen mir dürftig . Das Thema ist zweifellos für eine einfache journalistische Hau-Ruck-Untersuchung , wie sie Stanford vorgelegt hat , viel zu komplex . Die Thematik ist aber auch nicht dazu geeignet , einfach "schwebend" zu bleiben wie dies Gössmann dadurch tut , dass sie eben keine definitiven Schlüsse zieht . Schwierig ist das Gebiet allemal . Der Vatikan respektive die katholische Kirche darf nach einem Gerichts-Urteil als "kriminelle Vereinigung" bezeichnet werden . Der Ausdruck ist vielleicht etwas zu hart , kennzeichnet aber doch , dass es sich dabei um eine nach aussen ziemlich abgeschottete Institution handelt , die ihre Macht schützt , notfalls auch rücksichtslos gebraucht , nachweislich über Leichen geht , sich auch nicht scheute - trotz interner Kenntnisse - mit Hitler und Franco zu paktieren , worunter wir in Deutschland übrigens heute noch zu leiden haben ; denn eine Trennung von Staat und Kirche wird in Deutschland durch die zwischen dem Vatikan und Hitler ausgehandelten Lateran-Verträge de facto noch immer verhindert ! "Der Zweck heiligt die Mittel" steht angeblich auf Latein in der Kuppel des Petersdoms . Wie soll man solch eine Institution , die das Vertrauen des "christlichen Abendlands" seit zwei Jahrtausenden manipulativ für ihre eignen Zwecke missbraucht , noch heute keinerlei Steuern zahlt (!!!) , für eine ECHTE wissenschaftliche Untersuchung gewinnen ? Ob sich die historische Frage MIT Hilfe des Vatikans und seiner für Otto Normalverbraucher nahezu unendlich grossen und geheimnisvollen Bibliotheken wird lösen lassen , kann vorläufig dahingestellt bleiben ; GEGEN den Willen des Vatikans wird aber niemand dieses Problem lösen können ! Sicherlich bezweifle nicht nur ich , dass auch einem engagierten Verfasser wie Stanford keine Hilfe vom Vatikan zugestanden wird ; auch Stanford selbst , obwohl er sich ja noch ganz zurückhaltend an den Vatikan "herangemacht" hat , musste schon die Mauern dieses erzkonservativen Alte-Männer-Klubs zu spüren bekommen . Warum sieht es eigentlich der Vatikan bzw. die katholische Kirche als Ganzes als "Schande" an , falls es wirklich eine Päpstin gegeben haben sollte ? Dem Atheisten wie mir erscheint dieses Verhalten um so paradoxer - um nicht zu sagen widernatürlicher - als doch gerade die katholische Kirche seit eh und je den heutzutage schon kriminell zu nennenden Unsinn "Seid fruchtbar und mehret Euch" predigt . Wieso ist eine Frau dann eine "Schande" ? Wieso ist das Gebären unanständig ? Wieso masst sich diese antiquierte Institution eigentlich heute überhaupt noch an , ALLEN Menschen Verhaltensmassregeln geben zu können , wo doch gerade die Geschichte der katholischen Kirche - und diese ist ja fast identisch mit der Geschichte des Christentums als Ganzes ; das bisschen Protestantismus kann man getrost beiseite lassen - seit Jahrtausenden mit Blut befleckt ist ?! Ich wünsche mir eine neue Auflage der "Wahren Geschichte der Päpstin Johanna" von Peter Stanford , bei der er dann seine guten und auch gutgemeinten Ansätze mit der akribischen Arbeitsweise von Elisabeth Gössmann kombiniert . Dann käme vielleicht auch einmal ein Schlusspunkt unter dieses Thema , das viele Menschen innerlich bewegt , was mir als Ketzer allerdings unverständlich bleibt ; aber das steht auf einem anderen Blatt . Stanford ist jedenfalls zehnmal mehr lesenswert als die hochgejubelte Seifenoper von Donna Cross . Ich gebe deswegen nur drei Sternchen , weil mir Stanfords Buch über weite Passagen zu oberflächlich erscheint . Immerhin hat Stanford - für einen Journalisten - im Ganzen doch eine recht gute Arbeit geliefert !