Als großer John-Irving-Fan konnte ich mir auch den neuen Roman nicht entgehen lassen. Zwar inszeniert der Autor auch diesmal wieder vor den Augen des Lesers ein Panoptikum an originellen Figuren, doch was mir leider fehlt, ist die Sympathie für diese Originale und Außenseiter. Vielmehr entsteht der Eindruck, Irving sei selbst zu seiner Hauptfigur auf Distanz gegangen, könne sie nicht leiden. Es fällt so schwer, Verständnis und Empathie für den "Löwenmann" aufzubringen, doch diese beiden Eigenschaften sind gerade das, was ich an John Irvings Büchern so schätze: Sie wecken Verständnis und Empathie für Ausgestoßene und Außenseiter, Leute, die nicht ganz der gesellschaftlichen Norm entsprechen. Was dem Autor auch nicht zu liegen scheint, ist die "Kurzform" dieses Romans, denn im Gegensatz zu anderen Werken hat sich hier die Geschichte nach 400 Seiten erledigt. Das tut dem Buch nicht gut, da kommen wirklich manche Entwicklungen zu kurz im wahrsten Sinne des Wortes zu kurz (z. B. löst sich die Liebesgeschichte zwischen dem frustrierten Chrirugen und seiner Haushälterin doch recht schnell in Wohlgefallen auf).