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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sprechen Sie Potokisch? Oder gar Mantakisch?, 30. September 2005
Karl-Markus Gauß ist ein Reisender in Sachen Minderheiten. Dieses Mal hat er 3 Gebiete besucht, in denen es noch Reste deutschsprachiger Bevölkerung gibt: Litauen; die Zips in der Slowakei und Gebiete rund um Odessa in der Ukraine. Die aberwitzigsten und berührendsten Geschichten schreibt wirklich das Leben, wenn Gauß etwa über das Schicksal der "Wolfskinder" in Litauen berichtet. Damit sind Kinder gemeint, die 1944/45 bei der Flucht bzw. Evakuierung aus Ostpreußen "verlorengingen" und die erst jetzt wieder, im Alter, zu ihrer früheren Identität finden (wenn überhaupt). Potokisch und Mantakisch werden - evetuell noch - in der Ober- und Unterzips gesprochen. Und die meisten Schwarzmeerdeutschen wollen lieber nach Deutschland auswandern und hier Sozialhilfe beziehen als ein trostloses Leben in der Südukraine leben... Viele Gespräche hat Karl-Markus Gauß geführt; er kann außerdem offensichtlich sehr gut zuhören - und er kann phänomenal schreiben. In einer glasklaren, geschliffenen Sprache wird einem das Schicksal von Menschen nähergebracht, die - letztlich - alle (späte) Opfer der Wahnsinnspolitik der Nazis sind....
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wer ist ein Deutscher?, 21. September 2005
Wieder einmal schafft es K.M. Gauß, in seiner ihm eigenen, sehr umsichtigen Art ein Thema zu behandeln, dass sonst häufig den Ewiggestrigen überlassen wird: die deutschen Minderheiten im Osten und ihre Leidensgeschichte. Aus sehr persönlichen Porträts, z.B. von verirrten ostpreußischen Flüchtlingskindern, die in Litauen adoptiert wurden, von steinalten Frauen am Schwarzen Meer, die sich von Gauß ein deutsche Lied vorsingen lassen, und nur noch kaum des Deutschen mächtigen deutschen Vereinsmeiern in der östlichen Slowakei, entsteht eine Momentaufnahme der bedrohten ethnischen Vielfalt im östlichen Europa. Nahezu jedes, der beschriebenen Schicksale lädt zum Bedauern ein; aber Mitleid zu erzeugen, ist nicht das Ziel des viel und intensiv reisenden Salzburger Essayisten. Er möchte zeigen, wie sich in den Geschichten der Menschen und Völker immer wieder dieselben Leiden wiederholen, sobald der Nationalismus Nachbarn in Mehr- und Minderheiten, in Fremde und Hiesige unterteilt. Eine der Grundfragendes Buchs ist außerdem "Wer ist ein Deutscher?" Wie gut oder wie oft muss man deutsch sprechen, um als deutsch zu gelten? Wie viele nicht-deutsche Vorfahren darf man als Deutscher haben? Ist die politische Einstellung der Vorfahren ein Argument für oder gegen das eigene Deutschtum? Auf all diese Fragen gibt K.M. Gauß keine Antworten. Aber er stellt an Hand der geschilderten Schicksale fest, dass jede Antwort, die die Menschen in Rassen und Völker einteilen will und so das Trennende über das Gemeinsame stellt, falsch sein muss.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Was von jenen blieb die geblieben sind, 18. November 2009
Von Litauen über die slowakische Zips bis an das Schwarzmeergebiet der Ukraine hat Karl-Markus Gauß die letzten Reste einer deutschen Diaspora aufgesucht, die sofern nicht rechtzeitig zur Flucht aufgebrochen zu den letzten Opfern des Zweiten Weltkrieges wurden. Gauß der selbst von Donauschwaben abstammt verfällt dabei jedoch nicht in Melancholoie oder Kulturpessimismus, sondern beweist eine gewisse Vorliebe für das Skurrile. Es ist die Mikorperspektive, das einzelne Schicksal dem er sich dabei zuwendet. Etwa wenn er seinen Bericht über die slowakische Zips mit einer Reise in das Dorf Hopgarten beginnt, dass derart abgelegen liegt, welches sich durch die den Bewohnern eigene Hartnäckigkeit dem 1945 ausgesprochenen Vertreibungsbefehl wiedersetzen konnte. Anekdoten, die jedoch auch einen Blick auf ein größeres Ganzes erlauben, die unwiderbringliche Tilgung eines Aspekts der kulturellen Vielfalt Osteuropas. Wenn die Freude an Gaußens sprachlicher Eloquenz durch Fehler des Lektors getrübt wird, so zeichnet sich das Werk doch durch einen ausgeprägten und faszinierenden Stil aus.
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