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Die verschwundene Arbeit: in Fotografien aus Berliner Sammlungen und Archiven Broschiert – Oktober 2008

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Dieser wunderbare Bildband mit einzigartigen, meist bisher unveröffentlichten privaten und professionellen Fotografien aus Berliner Sammlungen und Archiven spürt einer Welt nach, an die ich als 55 Jähriger noch teilweise, von den Eltern und Großeltern vermittelte Erinnerungen habe. Als ich dieses Buch in den letzten Tagen zusammen mit meiner dreizehn Jahre jüngeren Frau und meinem 5 Jahre alten Sohn angeschaut habe, da meinten wir zeitweise, uns in eine andere Welt verzaubert zu sehen.

Wir kennen aus eigener Anschauung und aus den Medien die Arbeitswelt von heute, die für die meisten aus Bildschirm und Tastatur besteht, mein Sohn kennt die verschiedensten Handwerker, Bauern und
Händler, die er mit seinen Eltern oder mit seiner Kindergartengruppe immer wieder besucht, aber wie unsere Eltern und Großeltern und deren Eltern gearbeitet haben, wie es aussah in den Fabriken und Manufakturen , in den Handwerksbetrieben und auf den Märkten, das wissen wir nicht mehr.

Die Lebenswelt und die Gesellschaft haben sich verändert und damit auch die Arbeit der Menschen. Oder ist es nicht umgekehrt so, dass sich die Lebenswelt durch die Veränderung der Arbeit gewandelt hat ? Wie es auch sei, das vorliegende Buch führt den heutigen Leser ein in eine verschwundene Welt mit ausgestorbenen Berufen und Lebens- und Arbeitsbedingungen, wie wir sie uns heute nicht mehr vorstellen können.

Auffällig ist die große Zahl von Menschen an den Arbeitsplätzen, Hinweis darauf, was die meiner Meinung nach größte Veränderung darstellt: dass immer mehr mit immer weniger Menschen produziert wird.
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Die vier am häufigsten in Deutschland anzutreffenden Nachnamen lauten Müller, Schmidt, Schneider und Fischer. Der Rückschluss auf die Berufe, denen die fraglichen Familien ihre Namen verdanken, sollte in allen genannten Beispielen nicht allzu schwer fallen. Etwas anders verhält es sich bei den Nadlers, Böttchers oder Stellmachers der Republik: Dass ihre Vorfahren sich ihren Lebensunterhalt mit dem Anfertigen von Sieben, Fässern und Holzrädern verdienten, wird erst auf den zweiten Blick deutlich.

In Zeiten, in denen Begriffe wie "Finanzkrise" und "Rezession" die Schlagzeilen beherrschen, liegt die Versuchung nahe, sich mit nostalgisch verklärendem Blick der Vergangenheit zuzuwenden: War die Arbeitswelt von Gestern, die unglobalisierte, nicht viel heimeliger, überschaubarer und sicherer als die heutige? War "früher" nicht überhaupt vieles besser ... ? Das im Parthas Verlag erschienene Buch "Die verschwundene Arbeit" tritt auf gut 300 Seiten den Gegenbeweis an, und zwar mit Fotografien aus Berliner Sammlungen und Archiven, von denen viele in diesem Band zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Neun Abschnitte präsentieren Fotos aus den Bereichen Heimarbeit, Handwerk, Kleinhandel, Nahrungsmittelproduktion, Fabrikarbeit, Dienstleistung, Transport und Verkehr, Bauarbeit und Unterhaltung. Trotz der Mannigfaltigkeit der gesammelten Motive seien, so heißt es im Vorwort, "eine ganze Reihe tatsächlich verschwundener Berufe in diesem Buch nicht zu finden, entweder, weil wir keine Abbildung finden konnten oder weil das Foto nicht aussagekräftig genug war.
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Verifizierter Kauf
Erstaunlich, wie Menschen vor wenigen Jahrzehnten ihr Geld verdienten - in Berufen, die heute kaum noch jemand kennt. Das "Fräulein vom Amt" kennt sicher noch jeder, aber den "Gasriecher"? Schiffe wurden einst von Hafenarbeitern durch körperliche Arbeit beladen und gelöscht, bevor der Container erfunden war. Ob dem Postboten dasselbe Schicksal droht? E-Mail & Co. lassen grüßen.

Wunderschöne Schwarzweißfotos geleiten einen auf eine Zeitreise in eine längst vergangene Berufswelt. Doch halt - bevor es pauschal mit einem Stoßseufzer heißt: "Ach, früher war alles besser. Die Gute Alte Zeit..." - es war häufig eine elende Plackerei. Wer es nicht glaubt, der möge doch mal seine Bekleidung mit Bottich und Waschbrett reinigen. Viel Spaß!
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