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Die verlorenen Söhne: Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes
 
 

Die verlorenen Söhne: Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes [Kindle Edition]

Necla Kelek
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (25 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Hätte eine Deutsche dieses Buch verfasst, von "archaischer Stammeskultur" und dem mangelnden Selbstbewusstein der Deutschen gesprochen, die den Zugewanderten keine klaren Regeln vorgeben, dann hätte es sicherlich einen Aufschrei gegeben -- fremdenfeindlich und rassistisch wäre die Autorin genannt worden.

Nun ist die Verfasserin des Buches türkischstämmig, kennt die Welt jenseits des Bosporus genauso gut wie die Migrantenmilieus in bundesdeutschen Großstädten und verfügt auch noch über das Handwerkszeug empirischer Sozialforschung. Nachdem ihr Buch Die fremde Braut das System der Zwangsehe anprangerte, nimmt Sie jetzt die Väter, Söhne und Brüder ins Visier. Sie geht einzelnen Biografien nach, die im Osten Anatoliens beginnen und mitunter in einem deutschen Gefängnis enden. Sie erzählt die Geschichte von PKK-Aktivisten, Zuhältern und ganz normalen Familienvätern, von starren Gesetzen und einer vorgegebenen Männerrolle, aus der die meisten türkisch-muslimischen Männer nicht herausfinden. In dieser Welt zählen Respekt, Ehre und Schande; und Kelek hat die Mehmets und Yilmaz' interviewt, die für diese Werte töteten, schlugen und zerstörten.

Dabei macht Kelek von Anfang an klar, dass die porträtierten Männer nicht nur Täter, sondern ebenso Opfer eines Systems sind, das die Integration in einem Land wie Deutschland verhindert und nach aufgeklärtem Verständnis normale Familienbeziehungen unmöglich macht. Nicht zuletzt hat sie dieses Buch aus der realistischen Einsicht heraus geschrieben, dass die Emanzipation der türkisch-muslimischen Frauen nicht ohne ein Umdenken der Männer möglich ist.

Man kann Keleks Eindruck nur bestätigen, dass die deutsche Gesellschaft dem unbekannten Wesen "türkischstämmiger Mann" hilflos gegenübersteht. Sie gibt hier einen biografischen Einblick, der vieles verständlicher macht, aber nichts entschuldigt. Ihr Ziel, die Unmündigkeit innerhalb einer von Männern definierten, traditionellen Welt zu überwinden, ehrt sie. Man möchte nur hoffen, dass das Buch nicht von denjenigen instrumentalisiert wird, die schon immer "wussten", wie "rückständig" die Türken im Grunde sind. --Henrik Flor

Pressestimmen

"Ayan Hirsi, Necla Kelek, Seyran Ates - Ihrem Mut verdanken wir alles. Sie haben das Gesetz des Schweigens gebrochen und riskieren damit ihr Leben." (Alice Schwarzer in der FAZ )

"Eine Streitschrift, wie sie lange überfällig war ... Es lohnt, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Auch, weil die, die sie als Verlorene beschreibt, diese Chance verdient haben." (Regina Mönch in der FAZ )

"Der Islam wird benutzt, um patriarchale Strukturen zu festigen ... um verloren geglaubte Söhne und Töchter zu disziplinieren." (Rahel Volz in der Frankfurter Rundschau )

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
53 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Necla Kelek polarisiert und provoziert wieder und das ist gut so.

Ich arbeite seit Jahren mit türkischen Kindern und Jugendlichen und kann ihre Beobachtungen nur unterschreiben. Und damit meine ich so wie sie, nicht daß sie auf ALLE türkischen Jungen/Männer zutreffen, aber eben auf die, von denen dieses Buch handelt. Das sollten diejenigen, die das Buch so in der Luft zerreissen, sich vor Augen führen.

Es ist schon interressant: sie beklagt zu Recht den autoritären Führungsstil und die Unterdrückung durch die Väter in der türkischen Community, auf deutscher Seite wird ebenfalls zur Recht die vaterlose Gesellschaft und das Fehlen von Leitbildern beklagt.

Eine Mitte zwischen diesen Extremen zu finden wird eine große Aufgabe für die folgenden Generationen.

Ein Stern fehlt zur Maximalanzahl, weil die Autorin keine positiven Beispiele nennt und anscheinend doch bei der Recherche nicht ganz genau war (siehe vorige Kritiken).
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31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Verständnis und Wut 22. November 2008
Von Dimitri Banick VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Anhand ausgewählter Beispiele von türkischstämmigen Migranten, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, wird dem Leser ein wichtiger Einblick in Denkmuster türkisch-muslimischer Männer und ihr Leben gewährt. Biografien, die in der Quersumme immer um Wörter kreisen wie: Umma als immanentester Schritt hin zur Sozialisierung, überdehntes Wir-Gefühl, Respekt vor dem/n Ältesten. Diese lassen deutlich erkennen WIE viele dieser Männer ticken.

Den in einigen negativen Rezensionen angeklungenen Vorwurf fehlender tiefpsychologischer Deutungen kann ich nicht nachvollziehen. Sicher kann man der Autorin vorwerfen, dass ihre verallgemeinernden "Aufleitungen" in Bezug auf türkische Männer hinken, da sie von Strafgefangenen berichtet (freilich nicht nur) und das Bild des türkischen Mannes darauf projiziert. In erwähnten Fällen mag sie durchaus Recht haben; dass ihre Interview-Ergebnisse jedoch keine allgemein gültigen Prämissen bilden, sollte jedem Leser klar sein. Dennoch gelingt es der Autorin meines Erachtens vortrefflich, den Geist der Erziehung wiederzugeben.

Erst wenn man die Situationen der hiesigen Migranten, ihre Lebensumstände vor und nach der Einreise und Einflüsse (aus Tradition, Religion etc.) genauer kennt, kann man sich disputierend der Lösungen annehmen. Und genau da bietet dieses Buch eine gute Hilfe, eventuell auch einen ersten Schritt, türkisch-muslimische Männer zu verstehen.

Ich fand es interessant zu erfahren (was ich längst vermutete), dass Integration für viele Türken gar kein erstrebenswertes Ziel ist! Dass für viele Türken Deutschland ein fremdes Land ist/bleibt und sie erst gar nicht verstehen wollen wie die Deutschen eigentlich sind. Vielen Männern ging und geht es nur darum in Deutschland Geld zu verdienen. Die Kinder bleiben in solchen Fällen auf der Strecke. Bleiben sie in der Heimat, ist der Besuch einer Schule oft nicht möglich (und das nicht nur bei Vätern, die im Ausland Geld verdienen), weil sie auf den Feldern mithelfen müssen. Gute Leistungen der Kinder, die mit nach Deutschland genommen werden, scheinen nicht erstrebenswert zu sein, weil viele Familien Deutschland nur als Zwischenstation sehen oder eigene Pläne bezüglich ihrer Kinder haben. Wie aber sollen die Kinder gut in der Schule sein, wenn ihre Eltern sie nicht dazu ermutigen, zu Hause nur Türkisch gesprochen wird und Freundschaften sowie außerschulische Aktivitäten vor allem mit deutschen Kindern (Freundinnen - o großer Gott - schon gar nicht) absolut verpönt sind?!

Dass die Kinder den Entscheidungen des Vaters sich nicht widersetzen (können) oder erst gar nicht in der Lage sind, eigene Ideen zu entwickeln, verdeutlichen die im Buch auftauchenden Beispiele immer wieder. Die herrische Position des türkisch-muslimischen Mannes ist ein ganz entscheidender Aspekt nicht nur der Erziehung, sondern auch des Erwachsenwerdens und der Sozialisation des türkischen Mannes, wo Respekt groß geschrieben wird, der Älteste geachtet, der Kontakt zu Frauen aufs Nötigste beschränkt wird.

Äußerst schlimm, ja beklagenswert ist die Situation der türkischen Frauen. Klar weiß man das. Und trotzdem macht es einen wütend, wenn man hinter die Fassaden blickt. Zwangsverheiratung - als Spitze des Eisbergs - sowohl in der Türkei als auch in der BRD. Das Unvermögen des Mannes in der Frau eine Gehilfin, eine (ebenbürtige - nie und nimmer) Partnerin zu sehen. Wie denn auch, wenn Eltern entscheiden, wen man heiraten darf?!

Zwar ist es nicht ausgeschlossen, dass man in solch einer "Zweckgemeinschaft" glücklich wird. Fataler ist die machistische Denkart des türkischen Mannes, der es für legitim erachtet seine Frau zu schlagen, für den Bordellbesuche kein Tabu sind und der seine Gemahlin deshalb auch mal "gerne" als Hure beschimpft, wenn sie nicht nach seiner Pfeife tanzt.

Der Koran gibt ihm ja in diesem Fall Recht. "In seiner letzten Stunde soll der Prophet gesagt haben: `Was die Frauen betrifft, sie sind Gefangene in eurer Hand.` Und im Koran steht, wenn sich eine Frau weigert, ihren "Pflichten" nachzukommen, hat der Ehemann das Recht, diesen Widerstand zu brechen. Sure 4, Vers 34, lautet: `Diejenigen aber, deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet, ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!`"

Da wähnen sich nominal gläubige männlich Jugendliche, die x-mal sich auf Allah berufen und ihre Gebetsketten schwingen, im Recht, wenn sie vor der Heirat so richtig Spaß haben können und auch mal das eine oder andere Mädel durchpoppen können. Schließlich ist der Mann nach türkischer Auffassung gar nicht in der Lage, sich zu beherrschen oder zu kontrollieren; vor allem im Übergangsalter macht ihm sein "verrücktes Blut" zu schaffen, so dass es ihm gestattet ist, sich auszutoben! Diese heißblütigen Coolen sind es auch, die im gleichen Atemzug die Frau als Hure abstempeln, wenn diese Sex vor der Heirat hatte. Aber nach der Heirat ist dann natürlich Schluss mit den exzessiven Sexerlebnissen, dann wird nach dem Koran gelebt ... (Wie oft hab ich solche Protzereien schon im TV und im realen Leben gehört. Reaktion: Wut.)

Das Traurige ist ferner die geistige Unterwerfung des Mannes von Kindheit an. Eine Abnabelung von der Umma (Gemeinschaft) findet nicht statt, Individualisierung ist so nur beschränkt möglich. Viele Jugendliche - und das scheint in fast jedem Interview durch - lernen MACHT als Dumpfe Gewalt kennen (Vater darf sie z. B. schlagen und nicht nur). Sie entwickeln einfache Formeln, die sie auch auf den Alltag und den Umgang mit anderen übertragen. Schläge bedeuten dann Macht. Respekt = Angst des anderen. Schande, wenn man selbst Angst hat. Sie werden geschlagen; dafür dürfen sie schlagen. Eine Bindung zu ihrer/ihren Schwestern ist quasi nicht vorhanden. Die strenge Trennung von Mann und Frau trägt ein Übriges dazu bei.

Glücklicherweise gibt es auch Familien, die Integration zulassen, ohne ihre religiösen Ansichten gefährdet zu sehen. Und auch davon ist im Buch die Rede. Hier kann Frau Kelek sozusagen auf unmittelbare Erlebnisse zugreifen. Sie selbst ist Kind einer türkischen Familie, die nach Deutschland auswanderte. In Deutschland studierte sie, erlebte mit wie ihre große Schwester einen Mann heiraten musste, den ihre Eltern - ob seines Doktorgrades - für eine gute Partie hielten und die trotzdem nicht glücklich geworden ist. Freilich war der Freiheitsdrang der Tochter dem Vater zuviel; er überwarf sich mit seiner widerspenstigen Tochter und fuhr zurück in seine Heimat.

Necla Kelek hat sich im Laufe ihrer Karriere und ihrer Forschungen intensiv mit dem Thema "Parallelgesellschaften" befasst. Im Unterabschnitt "Last Exit Veddel" erzählt sie die Geschichte dreier Jugendlicher aus einem Problemviertel (mit hohem Migrantenanteil) in Hamburg. Ich werde nun einige Passagen aus dem Buch zitieren, die mir wichtig scheinen (wobei einige nicht nur auf türkischstämmige Bürger zutreffen):

* Jugendliche (...) benutzen Handys, als seien sie damit auf die Welt gekommen, bewegen sich eckig wie die Helden ihrer Computerspiele, gucken sich aus Actionfilmen Gesten und Sprüche ab und reden abgehackt in unvollständigen Sätzen, als würde ein Störsender ihre Sprache dekonstruieren.
* Mehr als den verbalen Appell des Vaters, lernt, lernt, lernt, haben sie nicht für die Bildungskarriere ihrer Söhne getan.
* In ihrer abgeschlossenen Welt, in der es auf Gehorsam, auf Dienen und Nachahmung ankommt, sind Neugier, Eigenständigkeit, "Welteroberung", Bildung keine Werte, sondern Gefährdungen ihrer alten Traditionen.

Ferner zeigt Frau Kelek auf wie schwer es ist mit den archaischen Mustern zu brechen; sie geht auf die Entwicklung Europas ein und stellt dieser die "Entwicklung" des Islams gegenüber, wobei sie deutlich macht, dass "ohne die Ächtung der Scharia und des Prinzips der Vergeltung alle Bemühungen um Integration der Muslime zum Scheitern verurteilt sind". Im Anschluss nennt sie dann einige Vorschläge, die Integration erleichtern oder besser ermöglichen.

Ich halte dieses Buch für wichtig, weil es:
* durch die vielen Einzel-Beispiele einen Teil der türkischen Kultur begreifbar macht
* auf Probleme türkischstämmiger Migranten und ihrer Eltern in und außerhalb Deutschlands aufmerksam macht
* die religiösen Praktiken und Traditionen beleuchtet
* Vorschläge für Integrationshilfe liefert
* Ansatzweise archaische Traditionen fortschrittlicher Angepasstheit an die Moderne gegenüberstellt
* Stoff zum Nachdenken bereitstellt

Trotz eines grobschlächtigen Denk- oder Druckfehlers, der Frau Kelek unterläuft, wenn sie schreibt: "Apostel Paulus (...) lehnte die "Beschneidung des Herzens", wie er die Amputation der Vorhaut nannte (DAS tat er NICHT; er machte lediglich deutlich, dass Beschneidung an sich - als ritueller Vorgang - ohne adäquates Handeln absolut keinen Wert hat), als Demütigung ab." Und trotz ihres innigen Wunschs, die Beschneidung per se zu verbieten, weil sie mit dem Grundgesetz unvereinbar sei, ist dieses Buch eine Horizont erweiternde, spannende Lektüre!
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44 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Necla Kelek hat ein wichtiges Buch geschrieben, daß die analytischen Werke von Orientalisten und Historikern ergänzt. Es ist leicht zu lesen und erklärt aus der Praxis, was nun notwendig ist: Achtung der Einwanderer vor der Kultur der Europäer zu fordern, Trennung von Religion und Staat, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Rechtskunde für muslimische Schüler, damit sie ihr Leben selbst gestalten können, Anerkennung des Gewaltmonopols des Staates und Aufgabe jener Teile der Shari'a, die sich nicht mit der Demokratie vereinbaren lassen. Dazu gehört auch der Austritt aus dem Islam, die Entscheidung für oder gegen eine Religion. Wenn in der Türkei, wie Focus meldete, wegen der Konversion von 368 Muslimen zum Christentum in 70.000 Moscheen Haßpredigten gegen Christen gehalten werden, wenn in Afghanistan ein Konvertit zum Christentum zum Tode verurteilt werden soll, obwohl dort u.a. Deutsche für die Demokratisierung kämpfen, dann wird hoffentlich jedem klar, daß man den Islam nicht ohne Sanktionen verlassen kann, obwohl uns Muslime immer zusammenhanglos aus dem Koran zitieren, daß es keinen Zwang im Glauben gäbe.

Das Buch ist uneingeschränkt zu empfehlen, auch wenn ein Register und die Kenntlichmachung von Zitaten fehlen. Hier hätte das Lektorat seine Aufgabe erfüllen müssen.

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Veröffentlicht am 3. November 2009 von Decletian
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