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Die verlorenen Freunde: Erinnerungen an Ulrich, Werner, Kurt und Adolf, die starben bevor ihr Leben begann [Taschenbuch]

Rolf Brodbeck
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

28. August 2008
Unser Leben besteht nicht nur aus Tagen, Monaten, Jahren, aus faßbaren Ereignissen und Geschehnissen, aus erfühlten Höhepunkten und Tiefen. Unser Leben ist auch ein Mythos, also etwas Unbegreifliches, Geheimnisvolles. So hab ich's gelesen in einem Buch, dessen Autor und Titel mir nicht mehr gegenwärtig sind. Die Idee vom Lebensmythos blieb mir im Gedächtnis und ich möchte sie übertragen auf einen Teil meines Lebens, auf jenen Teil, den ich im Dritten Reich durchlebte von meinem achten bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr. Alle Realität aus dieser Zeit ist verschwunden, alle Gefühle und Empfindungen haben sich verflüchtigt. Auf alten, kleinen, vergilbten und rand­gezackten Fotografien sehe ich einen blondgelockten Pimpf, in seitlicher Pose stützt er sich gegen einen jungen Zwetschgenbaum, von vorn zeigt er sich mit entschlossen verkniffenem Mund, die Hände am Koppel. Was geht vor hinter der durch die Mütze verschatteten Stirn? Fünfzehn Jahre alt ist er und gerade Jungzugführer geworden. Auf anderen Bildern, wenig später nur, sehe ich den Fähnleinführer, wie er vor seinem Jungvolk steht. Er trägt zum letzten mal das braune Hemd mit dem schwarzen, vom Lederknoten zusammengehaltenen Tuch um den Hals, an der linken Brustseite schaukelt die weiß-grüne Führerkordel. Links im Bild der Fanfarenzug, ich zähle sechs Fanfaren und sechs Trommeln, der Führer schwingt seine Fanfare zum Takt: Der Fähnleinführer verabschiedet sich von seinen Pimpfen und übergibt das Fähnlein seinem neben ihm stehenden Nachfolger. Ich schaue und staune. Wie locker und selbstverständlich dieser Fähnleinführer vor seinen im Karree versammelten Jungen steht, als sei er dafür seit eh bestimmt gewesen. Ich nehme ein anderes Bild zur Hand. Ich sehe den jungen Rekruten in feldgrauer Uniform, sein Gesicht spiegelt gläubigen Idealismus kurz vor seiner Abstellung an die Front. Lange schaue ich auf das letzte Soldatenbild, es zeigt den Fähnrich, mit schwarzer Panzeruniform, am Revers und an der Brusttasche seine Kriegsauszeichnungen. Immer noch ein unglaublich junges Gesicht, aber die Züge haben sich verändert. Indem sich meine Gedanken mit diesen Bildern beschäftigen, entfernt sich die dargestellte Person immer mehr von mir. Laut muß ich zu mir sagen: das bist du, aber ich werde mein Gefühl unüberbrückbarer Distanz nicht los. Es ist schwer zu begreifen, daß ich in die Gesichter meines ersten Lebens schaue. Ich weiß, ich bin es, aber ich kann keine Kontinuität zwischen damals und danach erkennen. Ein Mythos also. Deshalb ist das Schreiben über diese Zeit so schwierig, so unvollständig, so ungenau, letztlich so willkürlich. Wie und was soll man über einen Mythos berichten, ein Mythos, der sich wie jeder in ein geheimnisvolles Dunkel hüllt? Ich habe es trotzdem versucht, ein Trieb, ein starkes Verlangen verführte mich dazu – nicht um des Schreibens willen, nein: um diesem ersten Leben auf die Spur zu kommen, um tiefer in mein Herz zu blicken. Daraus ergibt sich von selbst: es ist meine Geschichte, die ich hier in Form zu bringen versuche, sie zu verallgemeinern, in einen generationstypischen Bezug zu bringen, ist nicht meine Absicht. Und immer bitte ich zu berücksichtigen: es handelt sich um die Schilderungen eines über Siebzigjährigen, da ist nicht auszuschließen, daß in die erinnerte Zeit viel eingeflossen ist von der Lebensschau und vom Erfahrungsschatz des Erzählers.

Produktinformation

  • Taschenbuch: 475 Seiten
  • Verlag: trafo Literaturverlag; Auflage: 1., Aufl. (28. August 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3896268082
  • ISBN-13: 978-3896268082
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.317.619 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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5.0 von 5 Sternen Packend und ergreifend 11. November 2008
Von Island07
Format:Taschenbuch
Mit dem Buch " Die verlorenen Freunde" holt der Autor seine total verdrängte Jugendzeit zurück. Er legt sich selbst Rechenschaft und Auskunft über seine Zeit im Dritten Reich nieder.
Und wenn du das Buch gelesen hast, fährt der Autor fort, wollen wir versuchen, über die Zeit zu sprechen. Die Zeit die seine Jugend war.
Brodbeck hält sein Wort! Mit seinem Buch legt er nicht nur für sich selbst die Grundlage für das Verstehen jener Zeit, sondern auch dem Leser eröffnet er Einblicke und liefert Erkenntnisse für das so schwer
zu deutende Phänomen Drittes Reich...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
"Die verlorenen Freunde" von Rolf Brodbeck habe ich mit großer Interesse gelesen! Nachdem der Unterricht in Zeitgeschichte zu kurz kam, hat mir das Buch geholfen, die Zeitepoche 'Drittes Reich' besser zu verstehen. Das Buch ist nicht von Oben herunter, sondern von der Basis aus geschrieben. Wo findet man sonst noch einen ausführlichen Bericht über eine Pimpfen-Pfingstfahrt! Die Offenheit, mit der der Autor seine Zeit als Pimpfenführer beschreibt, hat mich beeindruckt, am meisten beeindruckt hat mich aber seine Erkenntnis und sein Eingeständnis, einem verbrecherischen Regime gedient zu haben. Ebenso wie er die Legitimation seines begonnenen Studiums 'der Rechte' nach dem KZ-Film anzweifelte.
Ich kann diesem Buch nur viele Leser wünschen!

Felix Schindler
Abiturient in einem Lehrverhältnis
München
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Detailgetreue Schilderung der damaligen Zeit 14. Februar 2009
Format:Taschenbuch
Rolf Brodbeck, Jahrgang 1925, schildert in seinem Buch "Die verlorenen Freunde" anschaulich den Weg und die Entwicklung eines damals sehr jungen Menschen: seine Zeit in der Hitlerjugend, seine Kriegszeit, den Zusammenbruch und den Versuch, nach 1945 wieder Fuß zu fassen in einem zerstörten Land, das keine Perspektive bot. Die Sprache des Autors erreicht seine Leser direkt und unmittelbar, sein Bericht ist exemplarisch für eine Generation, die die schicksalsbeladene Zeit mitempfinden möchte.
Ich kann dem reichbebilderten Buch nur ganz viele Leser wünschen!

Claudia Willibald
Lenggries
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