Unter der Geburt bilden wir unseren ersten Teilleichnam, um am Ende des Lebens unseren zweiten Teilleichnam ebenfalls dem Tode zu überlassen. So ist Geburt schon mit dem Tod verschlungen. Wolfgang Schad beschreibt in anthroposophischer Sichtweise wie Leben und Tod schon bei der Geburt miteinander verschlungen sind und dass der Mensch nur ein Fragment seiner selbst ist, das der Ergänzung bedarf. Verursacht ist dieser Zustand durch den Verlust der Plazenta bei der Geburt, wie bereits der Titel die verlorene Hälfte des Menschen deutlich ausdrückt. In der Einführung beschreibt er u.a. biologische und anatomische Details über die Entwicklung der Plazenta im Mutterleib und ihre Bedeutung, der in der heutigen Zeit mehr Beachtung geschenkt werden sollte.
Die weiteren Kapitel von zwei anderen Autoren behandeln das Thema der Mutter-Kind-Einheit, die Plazenta bildet die Verbindung wie auch die Trennung zur Mutter, die durch Symbiose für das Wohl von Mutter und Kind sorgt. Kommt die Plazenta aus dem Gleichgewicht, entgleist der Organismus, woraus sich z.B. eine Gestose mit all ihren Konsequenzen entwickeln könnte, was dann zur sofortigen Trennung von Mutter und Kind führt (Geburt). Um solchen schwangerschaftsbedingten Komplikationen vorzubeugen, sollten schwangere Frauen eine Verinnerlichung der Schwangerschaft gezielter pflegen, z.B. mit Gebeten oder Meditation, wird empfohlen, statt mit oftmals unnötigen Ultraschall-Untersuchungen, die in diesem Zusammenhang als aufdringlich zu bewerten sind. Dadurch könnte innere Zuversicht entstehen, die der Zeit der guten Hoffnung wieder mehr Raum lässt. Nach erneuter, detaillierter, biologischer Betrachtung der menschlichen Keimentwicklung schreibt Wolfgang Schad über die Bedeutung der Nachgeburt in anthroposophischer Sicht, welcher in mehreren Seiten der kulturhistorische Hintergrund der Plazenta folgt.
Das Buch wird seinem Untertitel gerecht und beschreibt die Plazenta aus medizinischer, anthroposophischer und ethnischer Sicht, wirkt aber in sich nicht abgerundet. Dem aufmerksamen Leser fällt auf, dass sich die verschiedenen Autoren in Bezug auf die biologischen Vorgänge über den Eintritt einer Schwangerschaft thematisch wiederholen, was z.T. auf den Leser etwas ermüdend wirken kann. Das Buch ist lesenswert für Hebammen, Ärzte und anthroposophisch Interessierte, die einen weiteren Blick für die Plazenta und deren tiefere Bedeutung auch in anderen Ländern, deren Brauchtum und Legenden bekommen wollen. Es regt zum Nachdenken im Umgang mit der Plazenta an und beschreibt anschaulich, was sich leiblich und geistig abspielt, wenn das Kind lebt, aber dessen eigene Hüllenorgane bei der Geburt sterben.