Wollen wir doch mal versuchen dieses Buch abseits aller Diskussion die es in den 1970er Jahren dazu gab zu bewerten:
Eine junge Frau, 27 Jahre, hübsch, Haushälterin, führt ein geregeltes Leben. Sie ist nicht wohlhabend kann sich aber eine Eigentumswohnung und ein Auto leisten. Diese unbescholtene Bürgerin verliebt sich dann in einen gesuchten Verbrecher und verhilft ihm zur Flucht. Ab dann beginnt die Hetzjagd auf diese Frau. Indizien und vage Annahmen werden von der Presse schamlos aufgeblasen, Aussagen von Freunden und Nachbarn werden verfälscht oder so ausgelegt, dass Katharina Blum auf jeden Fall schlecht dabei wegkommt. Die Situation eskaliert völlig als dann auch noch ihre schwerkranke Mutter wegen eines Interviews, das vom Journalisten Werner Tötges geführt wurde, stirbt. Die Hauptfigut lädt dann eine Schuld auf sich, die die vorige, die Hilfe zur Flucht, bei weitem übersteigt.
Heinrich Böll zeigt hier deutlich die schmierigen, menschenverachtenden Vorgehensweisen der Presse. Die Maschinerie, die einen, einmal gefangen, nicht mehr loslässt. Dem Leser wird deutlich was für eine gefährliche Mischung Vorurteile, unbedachte Äußerungen und die Sensationsgier der Medienlandschaft darstellt.
Der Autor hat hier einen auktorialen Erzähler erwählt uns die Geschichte der K. Blum zu berichten. Dies vollbringt er in 58 kurzen Kapiteln, manchmal etwas trocken, dafür desöfteren aber auch mit trockenem Humor, welcher einem schon ganz vorsichtig mitteilt, auf wessen Seite Heinrich Böll in diesem Buch wohl gestanden haben mag und auch der Leser stehen wird ;-)
Definitv ein wichtiges, weil immernoch aktuelles, Buch. Vor allem hinsichtlich der momentanen Terrorsimusdebatten. Auch wenn man heutzutage der Presse etwas lockerer gegenübersteht, da man ja an deren Machenschaften schon fast (leider) gewöhnt zu sein scheint. Ganz interessant auch das Nachwort vom Autoren selbst in dem er "Zehn Jahre später" nochmals über das Buch und seine damalige Wirkung spricht und auch seine eigenen Ansichten preisgibt. Grossartig. Lesen!