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Die verlorene Ehre der Katharina Blum: oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann Erzählung
 
 
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Die verlorene Ehre der Katharina Blum: oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann Erzählung [Taschenbuch]

Heinrich Böll
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (55 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 160 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag; Auflage: Ungekürzte Ausgabe (1. Januar 1976)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423011505
  • ISBN-13: 978-3423011501
  • Größe und/oder Gewicht: 17,4 x 10,6 x 0,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (55 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die verlorene Ehre der Katharina Blum
OA 1974 Form Erzählung Epoche Moderne
Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann, lautet der Untertitel von Heinrich Bölls Erzählung. Bevor Die verlorene Ehre der Katharina Blum mit einer Startauflage von 100 000 Exemplaren auf den Markt kam, druckte Der Spiegel Bölls erfolgreichstes Werk in mehreren Folgen ab. Das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt, für die Bühne dramatisiert und 1975 von Volker Schlöndorff verfilmt.
Entstehung: Anfang 1972 plädierte Böll in dem Spiegel-Artikel »Will Ulrike Gnade oder freies Geleit?« für eine sachliche Berichterstattung und gegen die Kampagnen der BILD-Zeitung über die Baader-Meinhof-Gruppe. Von diversen Medien wurde Böll als Sympathisant der Terroristen diffamiert, im Zuge einer Fahndung wurde sein Landhaus in der Eifel durchsucht. Vor diesem Hintergrund beauftragte Böll einen Mitarbeiter, sensationslüsterne Artikel von Boulevardblättern zu sammeln, die Menschen in Wort und Bild verleumden. Die kleinen skandalösen Geschichten von bekannten und unbekannten Personen bildeten das Material für Bölls Erzählung von einer unpolitischen Frau, die durch die Berichterstattung der Presse zur politischen Verbrecherin gemacht und dann zur Mörderin an einem Journalisten wird.
Inhalt: Die junge anständige Haushälterin Katharina Blum lernt beim Tanzen den Betrüger und Bundeswehrdeserteur Ludwig Götten kennen, verliebt sich, verbringt die Nacht mit ihm und verhilft ihm am nächsten Tag zur Flucht. In der Annahme, sie sei eine Komplizin des vermeintlichen Terroristen Götten, wird die unbescholtene, von Bekannten als prüde angesehene Blum am Morgen verhaftet und gerät sofort ins erbarmungslose Visier einer auflagenstarken Boulevardzeitung.
Nach der verleumderischen, verlogenen Berichterstattung und dem Tod von Katharinas Mutter, nach beruflicher und sozialer Degradierung durch ihren einstigen Arbeitgeber und unter wachsendem psychischem Druck entlädt sich Katharinas Verzweiflung in der Ermordung des skrupellosen Reporters Tötges.
Aufbau: Ein Erzähler berichtet in 58 Abschnitten Hintergründe des Mordes an dem Journalisten. Er stützt sich auf fiktive Quellen, insbesondere auf Vernehmungsprotokolle. Sein Bericht ist angereichert mit persönlichen, oft ironischen Kommentaren, die seine Sympathie mit Katharina und den anderen Opfern der Hetzkampagne widerspiegeln.
Bölls Kritik richtet sich nicht allein gegen die Bedrohung der persönlichen Freiheit durch die Gewalt des Sensationsjournalismus, sondern auch gegen Menschen, die Boulevardzeitungen mit ihren kriminellen Praktiken zur Meinungsmache lesen und deren Existenz finanzieren.
Wirkung: Der Springer-Verlag, den Böll u. a. im Visier hatte, ließ in seinen Zeitungen so lange keine Bestsellerlisten mehr veröffentlichen, wie Die verlorene Ehre der Katharina Blum an deren Spitze stand. In den 1970er Jahren wurde die Erzählung oft als Rechtfertigung von Gewalt gelesen und der Autor verurteilt. Mit zeitlichem Abstand zur damaligen restriktiven politischen Situation versachlichte sich die Rezeption. Die Forschung entdeckte literarische Vorbilder wie Verbrecher aus verlorener Ehre (1787, Friedrich RSchiller) und Michael Kohlhaas (1810, Heinrich von R Kleist), beschäftigte sich mit Form und Sprache der Erzählung und entkräftete teilweise den Vorwurf des stilistischen Mangels. M. Si.

Pressestimmen

»Zunächst war ich wirklich skeptisch, doch jetzt muss ich zugeben, dass ich absolut begeistert bin von Bölls Klageschrift gegen die Methoden einer skrupellosen Boulevardpresse – eine Klageschrift, die leider bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat.«
Annika Witzel, Kölner Stadt-Anzeiger 15.01.2008

»Ein Meisterwerk, das in Zeiten von Bild-Leserreportern und youtube nichts von seiner Aktualität verloren hat.«
Kölner Stadt-Anzeiger 03.04.2008

»Ein kluges, oftmals überraschend ironisches Buch, das heute vielleicht aktueller ist denn je. Weil es daran erinnert, wie schnell öffentlicher Druck ein Leben zerstören kann.«
Maxi April 2007

»Das Netz von Beziehungen, in welches Böll diese Menschen verstrickt, das labile Gebäude von Abhängigkeiten, das er mit stillem Humor und sprühendem Witz nach und nach sichtbar werden lässt, erscheinen keinen Augenblick als ›Konstruktion‹. In der abgerundeten, ausgeglichenen Form dieser auf knappstem Raum entwickelten brillanten Komposition bewährt sich ein großer Erzähler.«
Neue Zürcher Zeitung

»Eine Gestalt wie Katharina, die ›zwei lebensgefährliche Eigenschaften hat: Treue und Stolz‹, spricht eine Hoffnung auch in der Zeit der Gewalt aus.«
Dorothee Sölle

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29 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen "Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann", 9. Oktober 2006
Von 
deathdealer92618 (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die verlorene Ehre der Katharina Blum: oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann Erzählung (Taschenbuch)
Wollen wir doch mal versuchen dieses Buch abseits aller Diskussion die es in den 1970er Jahren dazu gab zu bewerten:

Eine junge Frau, 27 Jahre, hübsch, Haushälterin, führt ein geregeltes Leben. Sie ist nicht wohlhabend kann sich aber eine Eigentumswohnung und ein Auto leisten. Diese unbescholtene Bürgerin verliebt sich dann in einen gesuchten Verbrecher und verhilft ihm zur Flucht. Ab dann beginnt die Hetzjagd auf diese Frau. Indizien und vage Annahmen werden von der Presse schamlos aufgeblasen, Aussagen von Freunden und Nachbarn werden verfälscht oder so ausgelegt, dass Katharina Blum auf jeden Fall schlecht dabei wegkommt. Die Situation eskaliert völlig als dann auch noch ihre schwerkranke Mutter wegen eines Interviews, das vom Journalisten Werner Tötges geführt wurde, stirbt. Die Hauptfigut lädt dann eine Schuld auf sich, die die vorige, die Hilfe zur Flucht, bei weitem übersteigt.

Heinrich Böll zeigt hier deutlich die schmierigen, menschenverachtenden Vorgehensweisen der Presse. Die Maschinerie, die einen, einmal gefangen, nicht mehr loslässt. Dem Leser wird deutlich was für eine gefährliche Mischung Vorurteile, unbedachte Äußerungen und die Sensationsgier der Medienlandschaft darstellt.

Der Autor hat hier einen auktorialen Erzähler erwählt uns die Geschichte der K. Blum zu berichten. Dies vollbringt er in 58 kurzen Kapiteln, manchmal etwas trocken, dafür desöfteren aber auch mit trockenem Humor, welcher einem schon ganz vorsichtig mitteilt, auf wessen Seite Heinrich Böll in diesem Buch wohl gestanden haben mag und auch der Leser stehen wird ;-)

Definitv ein wichtiges, weil immernoch aktuelles, Buch. Vor allem hinsichtlich der momentanen Terrorsimusdebatten. Auch wenn man heutzutage der Presse etwas lockerer gegenübersteht, da man ja an deren Machenschaften schon fast (leider) gewöhnt zu sein scheint. Ganz interessant auch das Nachwort vom Autoren selbst in dem er "Zehn Jahre später" nochmals über das Buch und seine damalige Wirkung spricht und auch seine eigenen Ansichten preisgibt. Grossartig. Lesen!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Aufruf zur Selbstjustiz?, 1. Juni 2005
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die verlorene Ehre der Katharina Blum: oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann Erzählung (Taschenbuch)
Zog Böll in "Ansichten eines Clowns" noch vor allem gegen die katholische Kirche zu Felde, so polemisiert er nun gegen die Methoden einer großen Boulevardzeitung. Diese wird im Verlauf der Novelle nur als ZEITUNG bezeichnet, doch um ganz deutlich zu machen, gegen wen sich sein Panphlet richtet, schreibt Böll in einer Vorbemerkung, dass "Ähnlichkeiten mit den Praktiken der 'Bild'-Zeitung [...] weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich [sind]".

Katharina Blum, als anständige, ambitionierte, konfessionslose junge Frau beschrieben, hat den ZEITUNGsjournalisten Tötges erschossen. Dies erfahren wir bereits auf Seite drei. Die Novelle rekonstruirt nun die Tage vor der Tat. Wieso wird eine unbescholtene Bürgerin zu einer kaltblütigen Mörderin? Böll erzählt wie Blum zum Spielball der Medien wird, da sie einem Desserteur, aus naiver Liebe, zur Flucht verholfen hat und daher zur einem Flittchen und einer gewissenlosen Kommunistin stilisiert wird, bis es zum tragischen Ende kommt.

Rechtfertigt die Novell den Mord an Tötges? Ich denke ja. Die Rollen von Gut und Böse sind eindeutig verteilt. Katharina ("die Reine") gegen die skrupellosen Zyniker von der ZEITUNG. Lässt man sich auf diesen Erzählstil ein, so erfindet man am Ende Genugtuung über den Tod Tötges und hofft auf ein mildes Urteil für Blum. Aus heutiger Sicht erscheint die Novelle daher zu drastisch.

Um ihr gerecht zu werden, muss sie aber unbedingt als Dokument ihrer Zeit verstanden werden. In den siebzigern zog die Springerpressen gegen tatsächliche und vermeindliche Unterstützer der RAF zu Felde. Des öfteren kam es damals zu "Kollateralschäden", wie Katharina Blum einer ist. Böll hat deshalb mit den Methoden der Boulevardpresse zurückgeschlagen: er polemisiert, emotionalisiert und macht eindeutig klar, was gut und was böse ist.

Fazit: "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" ist ein wertvolles Zeitdokument der Bundesrepublik in den siebzigern. Seine impliziete Rechtfertigung des Mordes ist jedoch unter keinen Umständen zu akzeptieren.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Böll, der Sympathisant, 13. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Die verlorene Ehre der Katharina Blum: oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann Erzählung (Taschenbuch)
'Bölls neue Erzählung ist wieder skandalös. Darum drucken wir sie.' Mit diesen Worten kündigte Herausgeber Rudolf Augstein in der Ausgabe des Spiegel vom 29. Juli 1974 den Vorabdruck von 'Die verlorene Ehre der Katharina Blum' an.

Liest man dieses Buch heute, wird man wahrscheinlich als skandalös ansehen, was eine Boulevardzeitung einer Frau antut. Doch zur Entstehungszeit wurde Heinrich Böll unterstellt, er würde (auch) mit seiner Erzählung den RAF-Terrorismus gutheißen.

Um diesen Vorwurf zu verstehen, muss man wissen, dass Böll im Jänner 1972 ' nachdem durch die Baader-Meinhof-Gruppe drei Menschen getötet worden waren ' ebenfalls im Spiegel den Artikel 'Will sie (Ulrike Meinhof; Anm.) Gnade oder freies Geleit?' veröffentlichte, aufgrund dessen er in konservativen Kreisen ab sofort als 'geistiger Sympathisant' des Terrorismus galt. Zwei Jahre später erschien eben die 'Katharina Blum', in der sich die Titelfigur in einen Ludwig Götten verliebt. Der ist zwar ein gesuchter Bundeswehrdeserteur, einen Terroristen wird man in dieser Erzählung allerdings vergeblich suchen.

Das tut der Wirkung der Erzählung keinen Abbruch, die man als immer noch gültige Warnung vor den Auswirkungen des Sensationsjournalismus verstehen kann, auch wenn die Medien generell marktschreierischer geworden sind und uns mit Sensationen überschwemmen.

(Relativ) unschuldig in die Fänge von solchen Medien und anderen Institutionen zu geraten, für die man bloß ein Objekt ist, mit dessen Hilfe sich die Auflage (oder die Klicks steigern) lassen, das kann uns heute noch genauso passieren wie Heinrich Böll und seiner Katharina Blum.
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