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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
29 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann",
Von
Rezension bezieht sich auf: Die verlorene Ehre der Katharina Blum: oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann Erzählung (Taschenbuch)
Wollen wir doch mal versuchen dieses Buch abseits aller Diskussion die es in den 1970er Jahren dazu gab zu bewerten:Eine junge Frau, 27 Jahre, hübsch, Haushälterin, führt ein geregeltes Leben. Sie ist nicht wohlhabend kann sich aber eine Eigentumswohnung und ein Auto leisten. Diese unbescholtene Bürgerin verliebt sich dann in einen gesuchten Verbrecher und verhilft ihm zur Flucht. Ab dann beginnt die Hetzjagd auf diese Frau. Indizien und vage Annahmen werden von der Presse schamlos aufgeblasen, Aussagen von Freunden und Nachbarn werden verfälscht oder so ausgelegt, dass Katharina Blum auf jeden Fall schlecht dabei wegkommt. Die Situation eskaliert völlig als dann auch noch ihre schwerkranke Mutter wegen eines Interviews, das vom Journalisten Werner Tötges geführt wurde, stirbt. Die Hauptfigut lädt dann eine Schuld auf sich, die die vorige, die Hilfe zur Flucht, bei weitem übersteigt. Heinrich Böll zeigt hier deutlich die schmierigen, menschenverachtenden Vorgehensweisen der Presse. Die Maschinerie, die einen, einmal gefangen, nicht mehr loslässt. Dem Leser wird deutlich was für eine gefährliche Mischung Vorurteile, unbedachte Äußerungen und die Sensationsgier der Medienlandschaft darstellt. Der Autor hat hier einen auktorialen Erzähler erwählt uns die Geschichte der K. Blum zu berichten. Dies vollbringt er in 58 kurzen Kapiteln, manchmal etwas trocken, dafür desöfteren aber auch mit trockenem Humor, welcher einem schon ganz vorsichtig mitteilt, auf wessen Seite Heinrich Böll in diesem Buch wohl gestanden haben mag und auch der Leser stehen wird ;-) Definitv ein wichtiges, weil immernoch aktuelles, Buch. Vor allem hinsichtlich der momentanen Terrorsimusdebatten. Auch wenn man heutzutage der Presse etwas lockerer gegenübersteht, da man ja an deren Machenschaften schon fast (leider) gewöhnt zu sein scheint. Ganz interessant auch das Nachwort vom Autoren selbst in dem er "Zehn Jahre später" nochmals über das Buch und seine damalige Wirkung spricht und auch seine eigenen Ansichten preisgibt. Grossartig. Lesen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Aufruf zur Selbstjustiz?,
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Die verlorene Ehre der Katharina Blum: oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann Erzählung (Taschenbuch)
Zog Böll in "Ansichten eines Clowns" noch vor allem gegen die katholische Kirche zu Felde, so polemisiert er nun gegen die Methoden einer großen Boulevardzeitung. Diese wird im Verlauf der Novelle nur als ZEITUNG bezeichnet, doch um ganz deutlich zu machen, gegen wen sich sein Panphlet richtet, schreibt Böll in einer Vorbemerkung, dass "Ähnlichkeiten mit den Praktiken der 'Bild'-Zeitung [...] weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich [sind]".Katharina Blum, als anständige, ambitionierte, konfessionslose junge Frau beschrieben, hat den ZEITUNGsjournalisten Tötges erschossen. Dies erfahren wir bereits auf Seite drei. Die Novelle rekonstruirt nun die Tage vor der Tat. Wieso wird eine unbescholtene Bürgerin zu einer kaltblütigen Mörderin? Böll erzählt wie Blum zum Spielball der Medien wird, da sie einem Desserteur, aus naiver Liebe, zur Flucht verholfen hat und daher zur einem Flittchen und einer gewissenlosen Kommunistin stilisiert wird, bis es zum tragischen Ende kommt. Rechtfertigt die Novell den Mord an Tötges? Ich denke ja. Die Rollen von Gut und Böse sind eindeutig verteilt. Katharina ("die Reine") gegen die skrupellosen Zyniker von der ZEITUNG. Lässt man sich auf diesen Erzählstil ein, so erfindet man am Ende Genugtuung über den Tod Tötges und hofft auf ein mildes Urteil für Blum. Aus heutiger Sicht erscheint die Novelle daher zu drastisch. Um ihr gerecht zu werden, muss sie aber unbedingt als Dokument ihrer Zeit verstanden werden. In den siebzigern zog die Springerpressen gegen tatsächliche und vermeindliche Unterstützer der RAF zu Felde. Des öfteren kam es damals zu "Kollateralschäden", wie Katharina Blum einer ist. Böll hat deshalb mit den Methoden der Boulevardpresse zurückgeschlagen: er polemisiert, emotionalisiert und macht eindeutig klar, was gut und was böse ist. Fazit: "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" ist ein wertvolles Zeitdokument der Bundesrepublik in den siebzigern. Seine impliziete Rechtfertigung des Mordes ist jedoch unter keinen Umständen zu akzeptieren. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Böll, der Sympathisant,
Rezension bezieht sich auf: Die verlorene Ehre der Katharina Blum: oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann Erzählung (Taschenbuch)
'Bölls neue Erzählung ist wieder skandalös. Darum drucken wir sie.' Mit diesen Worten kündigte Herausgeber Rudolf Augstein in der Ausgabe des Spiegel vom 29. Juli 1974 den Vorabdruck von 'Die verlorene Ehre der Katharina Blum' an.Liest man dieses Buch heute, wird man wahrscheinlich als skandalös ansehen, was eine Boulevardzeitung einer Frau antut. Doch zur Entstehungszeit wurde Heinrich Böll unterstellt, er würde (auch) mit seiner Erzählung den RAF-Terrorismus gutheißen. Um diesen Vorwurf zu verstehen, muss man wissen, dass Böll im Jänner 1972 ' nachdem durch die Baader-Meinhof-Gruppe drei Menschen getötet worden waren ' ebenfalls im Spiegel den Artikel 'Will sie (Ulrike Meinhof; Anm.) Gnade oder freies Geleit?' veröffentlichte, aufgrund dessen er in konservativen Kreisen ab sofort als 'geistiger Sympathisant' des Terrorismus galt. Zwei Jahre später erschien eben die 'Katharina Blum', in der sich die Titelfigur in einen Ludwig Götten verliebt. Der ist zwar ein gesuchter Bundeswehrdeserteur, einen Terroristen wird man in dieser Erzählung allerdings vergeblich suchen. Das tut der Wirkung der Erzählung keinen Abbruch, die man als immer noch gültige Warnung vor den Auswirkungen des Sensationsjournalismus verstehen kann, auch wenn die Medien generell marktschreierischer geworden sind und uns mit Sensationen überschwemmen. (Relativ) unschuldig in die Fänge von solchen Medien und anderen Institutionen zu geraten, für die man bloß ein Objekt ist, mit dessen Hilfe sich die Auflage (oder die Klicks steigern) lassen, das kann uns heute noch genauso passieren wie Heinrich Böll und seiner Katharina Blum. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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