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Auf dem Weg ins große Paradies, 10. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Die verheissene Stadt. Roman aus der Sahara (Gebundene Ausgabe)
Wo finden Wüstenbewohner Ruhe und Heimat? In der neuen, blühenden Stadt, wo sie als sesshafte Bauern die Wüste in fruchtbares Land verwandeln werden? Oder auf ihren entbehrungs- und doch erlebnisreichen Wanderungen durch die Sahara?
Die Lebensgeschichte eines Stammesführers durchsetzt sich mit realen, dennoch sagenhaft verklärten Erlebnissen und mit Mythologien des Lebensalltags, wird zu Traumwelten, zu einem Weisheitsbuch, das zwar für alle Fragen Antworten bereithält, doch nicht vorschnell offenbart, welche Antworten zu welchen Fragen passen. Auch der Seher des Nomadenstammes oder die mythische Dichterin locken die Leser mit ihren allegorischen Worten in einen philosophischen, oft auch verwirrenden Roman vom Wechselspiel zwischen der Verheißung paradiesischer Sesshaftigkeit und der tief sitzenden Überzeugung, dass nur das Wanderleben der Väter einen Abglanz an ein Goldenes Zeitalter der Tuareg erlaubt.
Auch Ibrahim al-Konis Lebensweg führte vom Nomadentum in die Städte. 1948 geboren, wuchs der Tuareg in der libyschen Wüste auf und lernte erst in der Schule Arabisch. Nach dem Studium der Literatur in Moskau arbeitete er als Journalist in Polen und Russland. Seit 1993 lebt Ibrahim al-Koni in der Schweiz. Er hat zahlreiche Romane und Erzählungssammlungen veröffentlicht; bisher acht Bücher übersetzte Hartmut Fähndrich ins Deutsche und veröffentlichte sie in der von ihm selbst betreuten, umfangreichen arabischen Reihe des schweizerischen Verlags Lenos.
Auf der Suche nach der Verheißung führt Ibrahim al-Koni seine Leser über das Leben des Stammesführers hinaus in den ortlosen Ort und in die zeitlose Zeit: „Es war ein Ort, der noch keiner geworden war, und eine Zeit, die sich noch nicht in Zeit verwandelt hatte.“ (Seite 39) Dort, am fernen Horizont der irdischen Gewissheit, bei den mythischen Verwandten der Tuareg, den Menschen des Himmels, den Zugvögeln, ist – vielleicht, aber letztmöglich nicht für alle – ein Paradies.
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