"Die vergessenen Götter" geht davon aus, dass Götter von der religiösen Überzeugung gläubiger Menschen leben und vergehen, wenn dieser Glaube ausstirbt. So beginnt die Handlung des Buches mit Odin, der Trübsal bläst, weil kaum noch jemand an ihn glaubt. Er beschließt, sich unter Menschen zu mischen, um sich Abwechslung zu verschaffen.
Science-Fiction-Fans werden sich an eine klassische Folge aus Star Trek erinnert fühlen (Der Tempel des Apoll/Who Mourns for Adonais), die eine ähnliche Ausgangssituation konstruiert. Dort erreicht die Enterprise einen Planeten, auf dem ein Wesen lebt, welches nach eigener Aussage im antiken Griechenland als Gott Apoll verehrt wurde. Es zog sich mit den anderen Bewohnern des Olymp auf diesen Planeten zurück, als die Menschen aufhörten, sie anzubeten.
Freilich enden die Ähnlichkeiten mit der Ausgangssituation. Wo in Star Trek ein Konflikt aufbricht, den Kirk und Kollegen mittels einiger wohlgezielter Phaserschüsse sehr endgültig beenden (war Kirk eigentlich Texaner?), beginnt in "Die vergessenen Götter" eine verwickelte Handlung.
Odin trifft auf Ariane, eine Kölnerin von heute, und eine Liebesgeschichte entspinnt sich. Kompliziert wird die Situation, als ein alter Widersacher von Odin namens Loki auftaucht. Dieser hatte in einem Akt vorbildlicher professioneller Flexibilität rechtzeitig den Absprung aus der untergehenden nordischen Götterwelt zur christlichen Religion geschafft und füllt dort heute die Rolle des Höllenfürsten mit viel Freude an der Arbeit aus. Loki wittert die Gelegenheit, Odin aus alter Abneigung eins auszuwischen und dabei gleichzeitig an einen wertvollen Gegenstand aus Odin Besitz zu kommen.
Das folgende Intrigenspiel entwickelt sich bestens: Es bietet exotischere Schauplätze als jeder James Bond, Sex & Crime, Magie, achtbeinige Pferde und mittendrin Ariane in einem Auto mit kaputter Heizung. Ganz nebenbei liefert das Buch noch einen Streifzug durch die nordische Götterwelt, in der es scheinbar wüster zuging als in jeder Daily Soap.
Mir hat "Die vergessenen Götter" ein sehr kurzweiliges Wochenende beschert. Die Autorin hat das Potential, die deutschsprachige Fantasyszene zu bereichern und wird hoffentlich weitere Bücher schreiben!