Pressestimmen
»Faszinierend!« (Kirkus Reviews )
"Durch die überzeugende, plastische Darstellung der Ereignisse im Sommer 1983 wird die Geschichte noch einmal so lebendig, dass beim Leser die Frage aufkommt: Was, wenn es geklappt hätte, wenn uns der Krieg, die Massenmorde, die Spaltung Europas, der kalte Krieg erspart geblieben wäre?" (Deutschlandradio )
Kurzbeschreibung
»Wann war eigentlich die letzte Gelegenheit, Hitlers Krieg zu verhindern?« Über diese Frage einer Studentin musste der Historiker Terry Parssinen lange nachdenken. Schließlich fand er die Antwort in dem kaum bekannten Umsturzversuch um den General Hans Oster, als eine Gruppe hoher Militärs der Wehrmacht im September 1938 einen Putsch gegen Hitler verüben wollte. Herausgekommen ist bei seiner Spurensuche ein atemberaubendes Buch, das aus der Perspektive der Verschwörer von einem vergessenen Kapitel des militärischen Widerstands erzählt.
September 1938. Die Nationalsozialisten sind auf dem Höhepunkt ihrer Macht, Hitler kündigt offen die Versailler Verträge auf und fordert damit Frankreich und England heraus. In dieser angespannten Lage planen einige Männer aus der militärischen Führung einen waghalsigen Umsturz: Eine Gruppe um General Hans Oster versucht, Hitlers Herrschaft gewaltsam zu beenden. In letzter Minute wird das Vorhaben durch die überraschend einberufene Münchner Viermächtekonferenz vereitelt – der Friede in Europa ist vorerst noch einmal gerettet, der Staatsstreich muss abgesagt werden. Ein Jahr später beginnt Hitler den Zweiten Weltkrieg.
Der amerikanische Historiker Terry Parssinen hat anhand zahlreicher Dokumente die faszinierende Geschichte dieses weitgehend unbekannten Putschversuchs rekonstruiert und schildert packend wie in einem Thriller den dramatischen Verlauf der Ereignisse.
• Ein atemberaubendes Kapitel deutscher Zeitgeschichte
• Parssinen verarbeitet neue, bisher unveröffentlichte Dokumente und Fotos
Klappentext
Deutschlandradio
»Dieses Buch ist ein Pageturner - es knistert vor Spannung und lässt uns die Geschehnisse hautnah miterleben.«
Washington Post
»Faszinierend!«
Kirkus Reviews
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Fabian von Schlabrendorff,
Jurist, Offizier und Widerstandskämpfer,
in: Offiziere gegen Hitler, Berlin 1994
»Diese Widerstandsbewegung ist nicht nur nicht ermutigt worden, sondern die Feinde Deutschlands haben sie sogar mittelbar bekämpft. Wer es nicht über sich brachte, Emigrant zu werden, dem blieb, wenn er als deutscher Patriot leben und sterben wollte, nichts anderes übrig, als sich dieser zähen Opposition anzuschließen. Es verketten sich hier Schicksal und Verschulden auf beiden Seiten auf das engste miteinander. Erst eine weniger von der Leidenschaft des Tages zerrissene Zeit wird darüber urteilen können, ob der Widerstand wirklich nutzlos war oder ob er den Grundstein gelegt hat für eine Erneuerung des deutschen Volkes von innen heraus.«
Theo Kordt,
Diplomat und Widerstandskämpfer, in seinen persönlichen Aufzeichnungen
Zur deutschsprachigen Ausgabe
Im Frühsommer 2007 erhielt ich eine E-Mail von Hubertus Brandts, einem Münchner Geschäftsmann im Ruhestand, dessen Vater während des Zweiten Weltkriegs ein Freund Hans Osters und wie dieser ein Gegner des NS-Regimes gewesen war. Die beiden Familien hatten sich damals angefreundet. Hubertus Brandts hatte mein Buch auf Englisch gelesen und wollte wissen, ob es ins Deutsche übersetzt worden sei. Als ich das verneinte, fragte er, ob ich ihn besuchen wolle, um Angehörige der Familie Oster kennen zu lernen und einen deutschen Verlag für das Buch zu interessieren.
Hubertus' Einladung führte mich im August nach Deutschland, wo ich Hans Osters Enkel - Victoria Oster-Folba, Hubertus von Krauss und Daniela Borst - mit ihren Kindern traf. Sie alle sowie die erst kurz zuvor verstorbene Tochter Hans Osters, Barbara von Krauss, kannten mein Buch. Daniela Borst erlaubte mir, private Dokumente zu sichten, die ihre Mutter hinterlassen hatte. Sie und ihr Mann Matthias halfen mir bei deren Auswertung und erläuterten mir jene Aspekte in Hans Osters Leben, die nur der Familie bekannt sein konnten. Diese gestattete mir, aus Barbara von Krauss' »Erinnerungen« zu zitieren, die sie 1996 niedergeschrieben hatte, sowie aus den Briefen Osters an seine Frau und seine Tochter während des Krieges. Ich glaube, dass diese Dokumente dazu beitragen, Hans Oster besser zu verstehen und seine gefährlichen und heroischen Umsturzversuche zu würdigen.
Ich danke Hubertus Brandts, der Familie Oster, dem Übersetzer Martin Richter und Tobias Winstel, meinem Lektor beim Siedler Verlag, für die Hilfe, die sie mir zuteilwerden ließen bei der Bearbeitung dieses Buches für das deutsche Publikum.
Vorwort
Dieses Buch geht auf Fragen zurück, die mir vor mehreren Jahren nach einer Vorlesung über die Geschichte des Zweiten Weltkriegs an der University of Tampa gestellt wurden.
»Das wär's für heute. Hat jemand Fragen? Stephanie?«
»Wann bestand die letzte Chance, den Zweiten Weltkrieg zu verhindern?«
»Wohl kurz bevor Hitler am 1. September 1939 Polen angriff, aber vielleicht sogar noch am 3. September, wenn er auf die britische Forderung eingegangen wäre...«
»Verzeihung, das meinte ich nicht. Ich meine, wann hatten andere zum letzten Mal die Chance, Hitler vom Krieg abzuhalten?«
Ich dachte eine Weile nach. Während der ganzen Zwischenkriegszeit hatte es Fehler und Fehleinschätzungen von Politikern aller Länder gegeben, die den Ausbruch eines neuen Krieges immer wahrscheinlicher machten. Dennoch bestand allgemeine Übereinstimmung, dass nur ein einziger europäischer Staatsführer einen neuen Weltkrieg anstrebte, und das war Adolf Hitler.
»Das ist eine schwierige Frage«, sagte ich zu der Studentin, »und meine Antwort ist sehr spekulativ. Vielleicht bestand die letzte Chance im September 1938, kurz vor der Münchner Konferenz, als deutsche Generale sich zu einer Verschwörung zusammenschlossen, um Hitler zu stürzen.«
»Ich dachte, die Offiziersverschwörung fand 1944 statt, kurz nach der Landung in der Normandie«, sagte eine andere Studentin.
»Ja, das war die Militärverschwörung vom 20. Juli 1944 unter Führung von Oberst Stauffenberg. Aber es gab schon früher eine Verschwörung, die weniger bekannt ist, nämlich im September 1938, ein Jahr vor Kriegsbeginn«, antwortete ich zögernd und versuchte, mich an die Einzelheiten zu erinnern. »Hätte sie gelingen können?«
Hätte sie das? Und wenn ja, warum gelang sie nicht?
»Wissen Sie, Stephanie, das ist eine gute Frage, aber darauf muss ich später noch einmal zurückkommen, wenn Sie einverstanden sind.«
Die Fragen meiner Studentin führten dazu, dass ich das Wochenende in der Bibliothek verbrachte auf der Suche nach Informationen über die Verschwörung von 1938. Ich stellte fest, dass die meisten Historiker sie rasch beiseitegeschoben hatten. Diejenigen, die die Ereignisse, über die sie schrieben, noch miterlebt hatten, etwa der Engländer J.W. Wheeler-Bennett oder der Amerikaner William L. Shirer, charakterisierten die Verschwörer als unentschlossen, ineffektiv oder ganz einfach als feige. Diesem abträglichen Urteil lag wohl tiefe Enttäuschung oder gar das Gefühl zugrunde, verraten worden zu sein, das Wheeler-Bennett und Shirer empfanden, weil ihre deutschen Bekannten und Freunde aus der Zwischenkriegszeit nichts gegen Hitler unternahmen, als dieser sein wahres Gesicht zeigte. Zwar zeichneten deutsche Historiker derselben Zeit, etwa Gerhard Ritter und Hans Rothfels, ein sehr viel sympathischeres Bild der Verschwörer, aber die Charakterisierungen Shirers und Wheeler-Bennetts setzten sich - zumindest unter angloamerikanischen Historikern - durch.
Deutsche Historiker der zweiten Generation - vor allem Joachim Fest und Peter Hoffmann - haben kluge Verteidigungsschriften des Widerstands vorgelegt. Fest vertritt darin sogar die Auffassung, die Verschwörung von 1938 sei »die vermutlich aussichtsreichste Widerstandsaktion« gewesen, räumt aber ein: »Was die sogenannte Septemberverschwörung . . . angeht, besteht noch eine Anzahl von Forschungslücken.« Aber auch hier gab es einige, die den Widerständlern vorwarfen, während des Krieges Verrat geübt zu haben.
Der Vorwurf richtete sich vor allem gegen Hans Oster, eine Schlüsselfigur des Widerstands von 1938 bis 1943, der 1940, ein Jahr nach Kriegsbeginn, deutsche Kriegspläne an den holländischen Militärattache in Berlin weitergegeben hatte. Sollte man ihn für diese mutige und nur allzu gerechtfertigte Opposition gegen die Nazis ehren oder für die Weitergabe von Geheimnissen, die möglicherweise den Tod deutscher Soldaten bedeuteten, verurteilen? Dieses Dilemma hat man »Oster-Frage« getauft; dass es noch immer eine Rolle spielt, zeigt, wie gemischt die Gefühle der Deutschen in Bezug auf den Widerstand heute noch sind.
Ein neueres Buch über den deutschen Widerstand, Die Attentäter - Der 20. Juli von der Kollaboration zum Widerstand, hat der bedeutende deutsch-amerikanische Historiker Theodore S. Hamerow 1999 vorgelegt. Sein Urteil über die Verschwörer von 1938 fällt vernichtend aus: »Sie hatten keinen klaren Plan, keine wirksame Organisation, wenig militärische Unterstützung und fast keinen politischen Einfluß.« Hamerow behauptet, der Umsturzplan sei wegen der Münchner Konferenz gescheitert, und zwar »zur großen Erleichterung der meisten Verschwörer«. In dieser Aussage klingt wieder der alte Vorwurf der Feigheit an. Hamerows Zeuge dafür, dass die Verschwörung unbedeutend gewesen sei, ist kein anderer als Sir Nevile Henderson, der britische Botschafter in Berlin, ein strikter Verfechter jener außenpolitischen Strategie, die als »Appeasement« bekannt geworden ist. Zu der Verschwörung von 1938 lässt sich ein weniger glaubhafter Zeuge als Henderson kaum finden, schließlich hat sich der Botschafter extrem verbogen in dem Bemühen, die britischen Interessen und Hitlers Ziele als nahezu identisch darzustellen....
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Fabian von Schlabrendorff,
Jurist, Offizier und Widerstandskämpfer,
in: Offiziere gegen Hitler, Berlin 1994
»Diese Widerstandsbewegung ist nicht nur nicht ermutigt worden, sondern die Feinde Deutschlands haben sie sogar mittelbar bekämpft. Wer es nicht über sich brachte, Emigrant zu werden, dem blieb, wenn er als deutscher Patriot leben und sterben wollte, nichts anderes übrig, als sich dieser zähen Opposition anzuschließen. Es verketten sich hier Schicksal und Verschulden auf beiden Seiten auf das engste miteinander. Erst eine weniger von der Leidenschaft des Tages zerrissene Zeit wird darüber urteilen können, ob der Widerstand wirklich nutzlos war oder ob er den Grundstein gelegt hat für eine Erneuerung des deutschen Volkes von innen heraus.«
Theo Kordt,
Diplomat und Widerstandskämpfer, in seinen persönlichen Aufzeichnungen
Zur deutschsprachigen Ausgabe
Im Frühsommer 2007 erhielt ich eine E-Mail von Hubertus Brandts, einem Münchner Geschäftsmann im Ruhestand, dessen Vater während des Zweiten Weltkriegs ein Freund Hans Osters und wie dieser ein Gegner des NS-Regimes gewesen war. Die beiden Familien hatten sich damals angefreundet. Hubertus Brandts hatte mein Buch auf Englisch gelesen und wollte wissen, ob es ins Deutsche übersetzt worden sei. Als ich das verneinte, fragte er, ob ich ihn besuchen wolle, um Angehörige der Familie Oster kennen zu lernen und einen deutschen Verlag für das Buch zu interessieren.
Hubertus' Einladung führte mich im August nach Deutschland, wo ich Hans Osters Enkel - Victoria Oster-Folba, Hubertus von Krauss und Daniela Borst - mit ihren Kindern traf. Sie alle sowie die erst kurz zuvor verstorbene Tochter Hans Osters, Barbara von Krauss, kannten mein Buch. Daniela Borst erlaubte mir, private Dokumente zu sichten, die ihre Mutter hinterlassen hatte. Sie und ihr Mann Matthias halfen mir bei deren Auswertung und erläuterten mir jene Aspekte in Hans Osters Leben, die nur der Familie bekannt sein konnten. Diese gestattete mir, aus Barbara von Krauss' »Erinnerungen« zu zitieren, die sie 1996 niedergeschrieben hatte, sowie aus den Briefen Osters an seine Frau und seine Tochter während des Krieges. Ich glaube, dass diese Dokumente dazu beitragen, Hans Oster besser zu verstehen und seine gefährlichen und heroischen Umsturzversuche zu würdigen.
Ich danke Hubertus Brandts, der Familie Oster, dem Übersetzer Martin Richter und Tobias Winstel, meinem Lektor beim Siedler Verlag, für die Hilfe, die sie mir zuteilwerden ließen bei der Bearbeitung dieses Buches für das deutsche Publikum.
Vorwort
Dieses Buch geht auf Fragen zurück, die mir vor mehreren Jahren nach einer Vorlesung über die Geschichte des Zweiten Weltkriegs an der University of Tampa gestellt wurden.
»Das wär's für heute. Hat jemand Fragen? Stephanie?«
»Wann bestand die letzte Chance, den Zweiten Weltkrieg zu verhindern?«
»Wohl kurz bevor Hitler am 1. September 1939 Polen angriff, aber vielleicht sogar noch am 3. September, wenn er auf die britische Forderung eingegangen wäre...«
»Verzeihung, das meinte ich nicht. Ich meine, wann hatten andere zum letzten Mal die Chance, Hitler vom Krieg abzuhalten?«
Ich dachte eine Weile nach. Während der ganzen Zwischenkriegszeit hatte es Fehler und Fehleinschätzungen von Politikern aller Länder gegeben, die den Ausbruch eines neuen Krieges immer wahrscheinlicher machten. Dennoch bestand allgemeine Übereinstimmung, dass nur ein einziger europäischer Staatsführer einen neuen Weltkrieg anstrebte, und das war Adolf Hitler.
»Das ist eine schwierige Frage«, sagte ich zu der Studentin, »und meine Antwort ist sehr spekulativ. Vielleicht bestand die letzte Chance im September 1938, kurz vor der Münchner Konferenz, als deutsche Generale sich zu einer Verschwörung zusammenschlossen, um Hitler zu stürzen.«
»Ich dachte, die Offiziersverschwörung fand 1944 statt, kurz nach der Landung in der Normandie«, sagte eine andere Studentin.
»Ja, das war die Militärverschwörung vom 20. Juli 1944 unter Führung von Oberst Stauffenberg. Aber es gab schon früher eine Verschwörung, die weniger bekannt ist, nämlich im September 1938, ein Jahr vor Kriegsbeginn«, antwortete ich zögernd und versuchte, mich an die Einzelheiten zu erinnern. »Hätte sie gelingen können?«
Hätte sie das? Und wenn ja, warum gelang sie nicht?
»Wissen Sie, Stephanie, das ist eine gute Frage, aber darauf muss ich später noch einmal zurückkommen, wenn Sie einverstanden sind.«
Die Fragen meiner Studentin führten dazu, dass ich das Wochenende in der Bibliothek verbrachte auf der Suche nach Informationen über die Verschwörung von 1938. Ich stellte fest, dass die meisten Historiker sie rasch beiseitegeschoben hatten. Diejenigen, die die Ereignisse, über die sie schrieben, noch miterlebt hatten, etwa der Engländer J.W. Wheeler-Bennett oder der Amerikaner William L. Shirer, charakterisierten die Verschwörer als unentschlossen, ineffektiv oder ganz einfach als feige. Diesem abträglichen Urteil lag wohl tiefe Enttäuschung oder gar das Gefühl zugrunde, verraten worden zu sein, das Wheeler-Bennett und Shirer empfanden, weil ihre deutschen Bekannten und Freunde aus der Zwischenkriegszeit nichts gegen Hitler unternahmen, als dieser sein wahres Gesicht zeigte. Zwar zeichneten deutsche Historiker derselben Zeit, etwa Gerhard Ritter und Hans Rothfels, ein sehr viel sympathischeres Bild der Verschwörer, aber die Charakterisierungen Shirers und Wheeler-Bennetts setzten sich - zumindest unter angloamerikanischen Historikern - durch.
Deutsche Historiker der zweiten Generation - vor allem Joachim Fest und Peter Hoffmann - haben kluge Verteidigungsschriften des Widerstands vorgelegt. Fest vertritt darin sogar die Auffassung, die Verschwörung von 1938 sei »die vermutlich aussichtsreichste Widerstandsaktion« gewesen, räumt aber ein: »Was die sogenannte Septemberverschwörung . . . angeht, besteht noch eine Anzahl von Forschungslücken.« Aber auch hier gab es einige, die den Widerständlern vorwarfen, während des Krieges Verrat geübt zu haben.
Der Vorwurf richtete sich vor allem gegen Hans Oster, eine Schlüsselfigur des Widerstands von 1938 bis 1943, der 1940, ein Jahr nach Kriegsbeginn, deutsche Kriegspläne an den holländischen Militärattache in Berlin weitergegeben hatte. Sollte man ihn für diese mutige und nur allzu gerechtfertigte Opposition gegen die Nazis ehren oder für die Weitergabe von Geheimnissen, die möglicherweise den Tod deutscher Soldaten bedeuteten, verurteilen? Dieses Dilemma hat man »Oster-Frage« getauft; dass es noch immer eine Rolle spielt, zeigt, wie gemischt die Gefühle der Deutschen in Bezug auf den Widerstand heute noch sind.
Ein neueres Buch über den deutschen Widerstand, Die Attentäter - Der 20. Juli von der Kollaboration zum Widerstand, hat der bedeutende deutsch-amerikanische Historiker Theodore S. Hamerow 1999 vorgelegt. Sein Urteil über die Verschwörer von 1938 fällt vernichtend aus: »Sie hatten keinen klaren Plan, keine wirksame Organisation, wenig militärische Unterstützung und fast keinen politischen Einfluß.« Hamerow behauptet, der Umsturzplan sei wegen der Münchner Konferenz gescheitert, und zwar »zur großen Erleichterung der meisten Verschwörer«. In dieser Aussage klingt wieder der alte Vorwurf der Feigheit an. Hamerows Zeuge dafür, dass die Verschwörung unbedeutend gewesen sei, ist kein anderer als Sir Nevile Henderson, der britische Botschafter in Berlin, ein strikter Verfechter jener außenpolitischen Strategie, die als »Appeasement« bekannt geworden ist. Zu der Verschwörung von 1938 lässt sich ein weniger glaubhafter Zeuge als Henderson kaum finden, schließlich hat sich der Botschafter extrem verbogen in dem Bemühen, die britischen Interessen und Hitlers Ziele als nahezu identisch darzustellen.