Den im Jungpaläolithikum, d.h. der jüngeren Altsteinzeit vor 20000 Jahren, handelnden Roman "Die vergessene Höhle" von Jean Courtin habe ich mit großem Vergnügen gelesen. Der Autor, im Hauptberuf Archäologe läßt kenntnisreich und mit viel fundiertem Detaireichtum die längst vergangene, von der Eiszeit geprägte, Welt der Jäger und Sammler wiederauferstehen. Er schildert die Abenteuer des jungen Jägers Ruud und seiner über alles geliebten Freundin Leti, beide Angehörige des Clans der Leoparden, der im Tal der Ardeche im Süden Frankreichs seine Heimat hat. Ruud zeigt seiner Leti auf ihr neugieriges Drängen hin heimlich die mit Höhlenmalereien geschmückte heilige Höhle des Klans (die berühmte Grotte Chauvet), was für Frauen aufgrund der Clangesetze strengstens verboten ist, um die dort hausenden Tiergeister nicht zu verärgern. Als sie auffliegen, werden beide vom Clan verbannt. Auf eigene Faust machen sie sich inmitten einer von Gefahren strotzenden Umwelt nach Süden auf, wo nach Legenden ein großes Gewässer sein soll (Mittelmeer). Auf dem Weg dorthin erleben sie viele Abenteuer. Man merkt, daß der Autor vom Fach ist. Beispielsweise seine Schilderung, als Ruud und Leti die Höhlenmalereien in der Höhle ihres Clans erkunden, läßt nachvollziehen, warum diese ersten Kunstwerke der Menschheit entstanden und was sie den damaligen Menschen wohl bedeuteten. Auch die Sympathie, mit der Jean Courtin seine beiden Haptdarsteller sowie die anderen auftretenden Figuren des Romans schildert, kommt voll rüber und man identifiziert sich schon nach den ersten Seiten immer mehr mit dem jungen Paar. Überhaupt ist der Roman von einer großen Erzählfreude geprägt. Man merkt, daß der Autor beim Schreiben des Buches mit Spaß bei der Sache war. So kann man der renommierten französischen Tageszeitung L'Express nur zustimmen, die in ihrer Rezension zu diesem Buch schrieb:".In den USA würden sich die Filmproduzenten um die Rechte prügeln." Wirklich ein rundum gelungenes Lesevergnügen.