Die grenzenlose Weite Südafrikas liegt im grotesken Gegensatz zu der Engstirnigkeit der Menschen, die dort leben. Es ist 1952 und Zeit der Apartheid. Viele indische Einwanderer haben sich mit dem Wunsch nach Neuanfang und besserer Existenz in Kapstadt eine Subkultur aufgebaut. Zwischen den rassistischen Übergriffen der weißen Regierung und den drangsalierten schwarzen Bevölkerung ringen sie verzweifelt nach einem Platz in der Gesellschaft und strukturieren ihre eigenen Familien nach strengen Regeln.
Amina (Sheetal Sheth), eine junge unabhängige Inderin in Männerkleidung, betreibt mit ihrem schwarzen Geschäftspartner Jacob ein kleines Café in Kapstadt. Sie ist wild, ungebändigt und unverheiratet. In den Augen ihrer Landsleuten ein katastrophales Vergehen. So wird sie zwar geduldet, aber dennoch sind die Drohungen und üblen Nachreden keine Seltenheit.
Auf der anderen Seite ist dort Miriam (Lisa Ray), eine stille, zurückgezogene Hausfrau und Mutter dreier Kinder, die mit ihrem Mann kürzlich aufs Land gezogen ist. Ihr fehlt das Treiben der Großstadt und die Gesellschaft von fürsorglichen Menschen. So lange, bis Amina vor Miriams Nase ein paar Teller ihres Cafés ins Jenseits befördert.
Shamim Sarifs Verfilmung des 2001 erschienenen Romans "Die verborgene Welt" schildert in sanften, ausdrucksstarken Bildern eine Geschichte zweier Frauen, die sich gegenseitig die Geheimnisse ihrer Welten zeigen. Still und verborgen wird ihre zarte Verbindung sein, im Nacken die gesellschaftlichen Konventionen, die Familie und die eigene Feigheit vor dem Ungewissen.
In meinen Augen ist "die verborgene Welt" eine äußerst gelungene Adaption eines wunderschönen Romans. Die Darstellerinnen blühen vor der Kulisse Südafrikas auf wie die Wüste in der Regenzeit. Die Konflikte sind glaubwürdig und intelligent gelöst, die Geschichte ist plausibel aufgebaut und fern von jeglichem Kitsch, den man vielleicht vermuten mag oder gar fürchtet.
Miriam: "I wish I could be more like you."
Amina: "Be careful what you wish for."