Einige der Rezensionen hier auf Amazon vermitteln einem das Gefühl, dass der Autor mitten in's Schwarze getroffen hat - getroffene Hunde bellen nunmal am lautesten. Was mich allseits irritiert, ist die Kritik, dass keine Lösungsvorschläge oder ähnliches gemacht werden. Doch wer erwartet sowas von einem derartigen Buch? Mit derartigem Titel und derartigem Cover? Ist es hierzulande nicht mehr erlaubt, einmal verbal sich die Wut über einen Staat von der Seele zu schreiben, der (nachgewiesenermaßen) immer mehr von Lobbyisten gesteuert wird, welche ganze Gesetze beschlussfertig für Ministerien schreiben, in welchem anscheinend Dinge, welche alle anderen großen Industriestaaten vorexerzieren, seltsamerweise nicht möglich sein sollen aus vermeintlichen "Sachzwängen"; einem Staat, in welchem ständig und zu jedwedem Thema die Uhren anders zu ticken scheinen, als anderswo auf der Welt?
Nein, den 1-Sterne-Kritikern hier nach zu urteilen, darf man das nicht, wenn man nicht ein entsprechendes Ratgeber-Kompendium mit Gegenvorschlägen gleich mitliefert - wenn nicht sowieso alles reine Verschwörungstheorie ist - so schlimm _kann_ - nein - darf (!) es ja nicht sein!
Wieczoreks Vergangenheit als Satiriker lässt sich in diesem Buch vortrefflich an der Schreibe erkennen und seine Nonchalance und fehlender Respekt gegenüber Politikern ist erfrischend und längst überfällig - die Art und Weise, wie sich die gewählten "Volksvertreter" inzwischen bar jeder externen Kritik sehen, gehört verbal bestraft und wird in diesem Buch auch zur genüge getan. Dabei ist Wieczorek nicht der große "Aufdecker" und investigative Autor, als den ihn manche verorten wollen. Das sehr ausführlich geratene Quellenverzeichnis zeigt nur, dass hier die vereinzelt veröffentlichten Artikel und Nachrichtenschnipsel gegen den allgemeinen Gesellschaftskonsens schlichtweg gesammelt und mit eigener Würze versehen wiedergegeben wurden.
So formuliert ein Prof. Dr. Rudolf Hickel (im Buch mehrfach zitiert) schon seit Jahren auf einsamen Posten gegen den Irrsinn eines Hans-Werner Sinn und Co. im ARD Presseclub und anderswo, doch als einsame Stimme gegen die Markt-Deregulierer wollte keiner auf ihn hören. Nun nach dem Investment-Kollaps meinen es alle von Anfang an besser gewusst zu haben, gesagt hatte es publik jedoch nur einer.
Man möge das Buch daher als das nehmen, als was es konzipiert ist: Eine Glosse, eine Polemik, ein mit persönlicher Note von der Seele geschriebenes Buch, angefacht durch die eigene Frustration über diverse Entwicklungen in unserem Lande. Dass er nicht Unrecht hat, zeigt allen voran, dass es eben keinen Aufstand des "Volkes" gibt, weder jetzt, noch in den vergangenen Jahren. Die Deutschen sind ein obrigkeitshöriges Volk, und jedes Mal, wenn einem Mitbürger der Satz "ach die Politiker wissen schon, was sie tun" über die Lippen kommt, wird es einem Angst und Bange um dieses Land. Wir haben nunmal leider keine demokratische Tradition, auf die wir uns berufen können - im Gegensatz zu Amerika oder Frankreich, wo sich die Bürger nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen lassen.
Es ist, um es kurz zu fassen, so als ob Gerhard Dombrowski ein Buch geschrieben hätte - respektlos, tendentiös, links und mit Argumenten, die nicht von der Hand zu weisen sind. Eine investigative Aufklärerschrift ist es jedoch nicht - wer dies erwartet, möge sich in der Deutschen Wohlfühlliteratur umschauen.