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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Differenzierter provokativer Blick auf die Verlierer der Weltwirtschaft, 27. April 2008
Die globale Armut sinkt für rund 80 % der Weltbevölkerung, wenn auch mit großen Unterschieden. Zugleich sind die ärmsten 50 Staaten von dieser Entwicklung abgekoppelt, ihre Lebenserwartung liegt bei 50 Jahren, jedes siebte Kind stirbt vor dem 5. Lebensjahr. Diese Länder stecken, so legt Collier dar, in Fallen fest, aus denen sie sich selbst nicht befreien können: Die Konfliktfalle, die Ressourcenfalle, die Binnenlandfalle und die Falle schlechter Regierungsführung in einem kleinen Land. Mit seinen Mitarbeitern hat Collier unzählige Daten ausgewertet und untersucht die Entwicklung eines Landes nach einem Bürgerkrieg. Collier beschreibt die Faktoren, die einen neuen Konflikt wahrscheinlicher bzw. unwahrscheinlicher machen und kommt zum Schluss: "Im Durchschnitt gesehen sinkt mit steigendem Einkommen auch das Konfliktrisiko" (52). Wenn wir den ärmsten Staaten nicht mit Entwicklungshilfe, Sicherheitsgarantien, internationalen Standards und dem Abbau von Handelsschranken helfen, wird ein Weltproletariat zur Bedrohung der reichen Länder werden durch Terroristen, Drogen und der Übertragung fast ausgerotteter Krankheiten.
Das Buch ist eine brillante Einführung in die Irrtümer und Hoffnungen moderner Entwicklungspolitik sowie in die Weltökonomie. Zwei Dinge bleibt uns Collier schuldig: Die Motivation, weshalb die Reichen den Ärmsten helfen sollen, ist nicht stichhaltig, und am Ende bleibt der Leser ratlos auf der Frage sitzen, was er jetzt eigentlich tun kann. Mehr finden Sie auf: www.rolfmaier.com
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unbequem sowohl für radikale Globalisierungsgegner als auch für neoliberale Freihandelsoptimisten, 27. November 2008
Man kann, so Paul Collier, der Autor dieses Buches, die Welt in sechs Teile aufteilen. Das erste Sechstel von Ländern, darunter natürlich Deutschland, lebt im Wohlstand und ganz überwiegend im Westen. Das zweite bis fünfte Sechstel besteht aus jenen Entwicklungsländern, angefangen bei den BRIC-Staaten, bis hin zu anderen, die, bei allen Unterschieden, langsam, aber stetig ihren Wohlstand vermehren, mit deren ökonomischer und sozialer Lage es aufwärts geht. Das letzte Sechstel besteht nach Collier, einem ehemaligen leitenden Mitarbeiter der Weltbank, aus jenen ungefähr 50 Ländern, die sozusagen in der Falle sitzen. In diesen Ländern leben die ärmsten Menschen der Erde - die unterste Milliarde.
Collier, der als einer der führenden Experten für afrikanische Wirtschaft und die Ökonomie der Entwicklungsländer gilt, erklärt in seinem Buch die immer wieder kontrovers diskutierte Frage, wie es überhaupt zu diesem Zustand gekommen ist. Er benennt die Fallen, in denen diese ärmsten Länder sitzen und erklärt die verschiedenen politischen Instrumente, die in der Diskussion gehandelt werden und bewertet sie und formuliert schließlich unter der Überschrift Der Kampf um die unterste Milliarde" eine Agenda zum Handeln.
Er hofft seine Leser von drei Positionen zu überzeugen, die neu sind und zeigen, wie das Denken sich wandeln muss. Die erste ist die Einsicht, dass das Problem der untersten Milliarde angepackt werden muss. Zweitens ist es die Einsicht, dass Politik in den ärmsten Ländern nicht "der nüchterne und geregelte Prozess der reichen Demokratien, sondern ein gefährliches Ringen zwischen moralischen Extremen" ist.
"Der Kampf um die Zukunft der untersten Milliarde findet nicht zwischen einer bösen reichen und einer edlen armen Welt statt", sondern "innerhalb der Gesellschaften der untersten Milliarde."
Drittens postuliert Collier, dass wir im Westen den Zuschauerstatus aufgeben müssen. "Unsere Unterstützung für den Wandel kann entscheidend sein." Er fordert neue Instrumente der Handelspolitik, Sicherheitsstrategien, Änderungen unserer Gesetze und neue internationale Charts.
Ziele einschränken und Instrumente erweitern ist das Credo eines Buches, das für radikale Globalisierungsgegner wie für neoliberale Freihandelsoptimisten gleichermaßen unbequem ist.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Warum sagt uns das niemand vorher?, 29. April 2008
Wer viele Länder Afrikas besucht hat (wie ich), und immer wieder ratlos ist, warum die Dinge nicht besser werden (wie ich), wer immer hartnäckiger fragt, was all die Projekte und NGO-Kampagnen eigentlich bringen, womit jährlich 50 Milliarden Dollar ausgegeben werden, ohne dass sich wirklich etwas ändert, wer unter bohrenden Gefühlen leidet, dass es irgendwie besser laufen könnte, wenn, ja wenn...
... der sollte Paul Collier's Buch lesen. Sein Ansatz ist radikal, weil er empirisch, und nicht postkolonial-historisch ist. Manches mag manchen zu marktwirtschaftlich-ordoliberal daherkommen. Aber die Fülle der gelieferten Evidenz macht schon extrem neugierig, und seine Empfehlungen sind in einem Maße stringent, dass man sich wünscht, dass sie weitergetragen und weiterentwickelt werden. Gerade auch von unseren NGOs die von Attac bis Worldwatch noch tief in den Denkschablonen des 20. Jahrhundert, geprägt vom kalten Krieg und der Sehnsucht nach der heilen 3. Welt, verstrickt sind.
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