Carolina De Robertis Debüt wartet mit Emotionen, Emotionen und Emotionen auf. Ihre Sprache ist eine verspielte - zumal blumig und kitschig, zumal sehr bildlich - die einen bestechenden Uruguay-Sog entwickelt, Gerüche, Temperaturen und Alltagsgeräusche wahrnehmen lässt und mir meine eigenen Anwesenheit in Montevideo vorgaukelt.
Doch Vorsicht: In ihrem Generationenroman beschreibt sie das Leben von Großmutter, Mutter und Enkelin - dreier sehr unterschiedlicher, doch unheimlich starker Persönlichkeiten - und ihre Kämpfe: Mit Männern - den eigenen und anderen - mit der Gesellschaft und dem Ansehen, mit der Politik, den Machthabern, schließlich den Militärs. Männer stehen in ihrem Roman generell unter einem matten Licht. Sie lieben, bis die Liebe zu Ende ist und befreien sich, in die Enge getrieben, durch häusliche Gewalt, oder werden selbst zu Frauen (damit bin ich nicht ganz einverstanden).
Sehr übersichtlich ist die Gliederung der drei Lebenswege, öfter vorhersehbar die Handlung - wenn Liebe im Spiel ist - doch hin und wieder unerwartet überraschend. Auch die politische Entwicklung Uruguays kommt zu Wort, zuerst nur schleppend und oberflächlich (Perón in Argentinien findet einen Platz im Roman, Ernesto Guevara tritt als junger Arzt bei einer Entbindung in Erscheinung, ...), übernimmt sie im dritten Teil das Ruder, wird sehr deutlich und erschreckend brutal.
Resümee: Eine kitschiger, aber unheimlich fesselnder Generationenroman in einem mir unbekannten Land. Mitreißender Erzählfluss ohne Unstetigkeitsstellen; das eine oder andere Manöver lässt mich die Stirn runzeln; Wohl nicht für Männer geschrieben; Trotz alle Kritik, klebt der Roman in der Hand, bis die letzte Seite gelesen ist, entwickelt eine sehr starke Beziehung zu allen Protagonisten und ist einfach unheimlich schön zu lesen.
Ob Kitsch, oder nicht: einfach klasse!