Die Familie Hülle ist eine normale, gutbürgerliche Familie, die in den frühen sechziger Jahren ihre Stellung in der westdeutschen Gesellschaft sucht. Der Vater ist zwar aus dem Krieg zurückgekehrt, doch glaubt die jüngste Tochter, die vierzehnjährige Mimi(aus deren Sicht vieles erzählt wird), daß er doch irgendwie getötet wurde-wie alle Soldaten irgendwie tot aus dem Krieg kamen. Mimi hat zwei ältere Schwestern, um deren Leben das Ihre kreist. Die schöne, offenherzige Deina und die tiefgründige kühle Astrid lieben sich, halten gegen die alles beherrschende, neugierige Mutter zusammen- bis zu dem verhängnisvollen Wochenende, an welchem Deina erfahren muß, daß Astrid ihr den Mann weggenommen hat. Ganz klar wird aus der Geschichte nicht, weshalb dies Deinas Leben zerstört -zumal auch andere Männer im Gespräch sind-, jedoch wird der Bruch mit der Familie, besonders mit Astrid, ein lebenslanger. Mimi versucht zu vermitteln, erkennt jedoch ihre Ohnmacht. Eine Art Epilog, in welchem ein Freund der Familie, mittlerweile Großvater, Mimi einen Brief schickt, versucht das Drama der Geschichte der beiden Schwestern zu erklären. Man weiß nicht so recht, welche oder wessen Geschichte Sibylle Mulot eigentlich schreiben wollte: die von Mimi? Ihrer Mutter? Ihrer Schwestern? Oder einfach nur ein Sittengemälde der frühen Sechziger? Letzteres ist ihr sehr gut gelungen. Selbst 1950 in Reutlingen geboren, hat sie die Stimmung dieser Jahre subtil eingefangen. Wer mag, kann sich mit Mulots „Unschuldigen Jahren" in diese Zeit zurückversetzen.