Es ist mir fast peinlich einen Roman für den der Autor mit dem Pullitzer Preis ausgezeichnet wurde als Geheimtipp anzupreisen. Allerdings zeigt sich nicht nur an der mangelnden Menge an Rezensionen hier bei Amazon, dass Chabons Meisterwerk leider langsam in Vergessenheit gerät. Dies ist eine Schande.
Das Buch ist im Wesentlichen ein mit unzähligen Details erstelltes Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft von der Zeit der späten dreißiger Jahre bis Anfang der fünfziger. Im Mittelpunkt der Geschichte steht dabei die Entwicklung der damals noch jungen Comicbuch Industrie. Erzählt wird diese Geschichte aus der Perspektive zweier einzigartiger Menschen. Da wäre zum einen der jüdische Flüchtling Joe Kavalier. In seiner Jugend als Magier ausgebildet versucht er verzweifelt einen Weg zu finden seiner Familie zur Flucht aus dem von den Nazis besetzten Prag zu helfen und bindet seine Wut und Frustration in seine Arbeit als Künstler. Sein Partner ist sein Cousin Samuel Clay. In seiner Jugend von seinem Vater verlassen und mit einer Gehbehinderung und einer ambivalenten Sexualität ausgestattet flieht auch er in seine künstlerischen Schöpfungskraft, um der Realität zu entkommen. Die Wege der beiden kreuzen sich zu Ende der dreißiger Jahren. Gemeinsam werden Sie in den nächsten fünfzehn Jahren viel erreichen und gleichzeitig viel verlieren.
Chabon beschränkt sich allerdings nicht auf die hervorragend gelungene Inszenierung dieser beiden Menschen, sondern hat seine Geschichte mit unzähligen Details der angesprochenen Zeit ausgestattet. Wir lesen von Orson Wells, von den deutschen Amerikanern, von der gesellschaftlichen Ächtung von Homosexualität und vom Prager Golem, um nur einiges zu nennen. Geschickt vermeidet Chabon dabei in kitschige Momente zu verfallen, auch wenn die Grundgeschichte in vielerlei Hinsicht mit das traurigste ist, was ich in meiner Laufbahn als Leser gelesen habe. Das Buch enthält allerdings auch viel Humor und vermischt die Grenzen zwischen realen Leben und Comics an einigen Punkten, wenn sich beispielsweise ein amerikanischer Nazi als Superschurke inszeniert und Kavalier und Clay verfolgt.
Eine Vorwarnung sei allerdings getroffen: Die Geschichte ist keine leichte Kost. Wir erleben einige beachtliche Zeitsprünge, unzählige Perspektivenwechsel und sehen letztendlich nur einen kleinen Ausschnitt des Lebens von Joe Kavalier und Samuel Clay. Das Buch ist zugleich auch moralisch keine leichte Kost. Während in der Comicwelt die guten Amerikaner gegen böse Nazis kämpfen, sieht sich der jüdische Flüchtling Kavalier in der Realität zu oft mit moralisch höchst zweifelhaften Entscheidungen konfrontiert und ist gegen Ende vielleicht am Ende eines langen harten Weges, aber alles andere als der strahlende Held. Insgesamt kann ich die Geschichte nur wärmstens empfehlen.