Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Buch, spannend und sensibel erzählt, mit einer poetischen Sprache, die den Leser gefangen nimmt, 14. Mai 2009
Dies ist die wunderbare und anmutig erzählte Geschichte von Lillian Leyb, einer Jüdin, die zusammen mit ihren Eltern, ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in der Ukraine lebt. Dort, wie auch im Rest Europas in dieser Zeit sind sie nicht sicher und dauernd von Pogromen bedroht. Eines Tages, wir schreiben das Jahr 1920, muss sie mit ansehen, wie ihre Eltern und ihr Mann bei einem solchen Pogrom ermordet werden. Ihre kleine Tochter ist nicht aufzufinden, und da man annehmen muss, dass se ebenfalls den antisemitischen Judenhassern zum Opfer gefallen ist, lässt Lillian ihren Heimatort zurück und macht sich mit anderen auf die lange Reise nach New York.
Sie will es schaffen, obwohl ihr die Trauer vor allem um ihre kleine Tochter Sophie das Herz zerreißt. Ein unbändiger Wille verhilft ihr nicht nur zu einem Zimmer und einer Arbeit als Näherin, sondern bald hat sie, die junge, schöne und begehrenswerte Frau, auch zwei Liebhaber mit einigem Geld.
Einer davon ist der Jude Meyer Burstein, ein Theatermann, der für sich und Lillian eine kleine Wohnung in der Second Avenue in der Nähe des Theaters mietet. Doch auch Meyers Vater Reuben hat Geschmack gefunden an den körperlichen Reizen von Lillian und so wechseln sich Sohn und Vater ab, ohne dass der eine von dem anderen wüsste.
Lillian arrangiert sich, sie profitiert von dieser Lösung. Amy Bloom schildert anschaulich das Leben der jüdischen Bevölkerung von New York der 20 er Jahre. Eines Tages bekommt Lillian unverhofften Besuch von ihrer Verwandten Raisele, die auch den Weg von Sibirien ins Gelobtre Land gefunden hat. Die Nachricht, die sie Lillian bringt, wirft diese regelrecht zu Boden:
"Alles, was Raisele erzählt hatte, stimmte. Die Pinskys fanden die weinende Sophie auf der Treppe zum Hühnerstall; sie legten eine Bettdecke auf den Boden der Schubkarre und bedeckten Sophie mit Lumpen, damit sie keinerlei Interesse weckte ... Mariam hatte sich tatsächlich geirrt, Sie dachte wirklich, sie habe die Haarbänder der kleinen Sophie im Pripjat treiben sehen ...Die Pinskys gelangten tatsächlich nach Tichonkaja, ins zionistische Paradies ..."
Umbenannt in Boribidschan wurde die Stadt Hauptstadt eines "Jüdischen Autonomen Gebietes", das jedoch genauso von Feinden umgeben war wie die Siedlungsgebiete der Juden in der Ukraine, wo sie vorher lebten.
Lillian hat keine Ruhe mehr und bricht auf zu einer "unglaublichen Reise", die sie über Chicago und Fargo nach Seattle und Vancouver führt, später quer durch Alaska bis nach Sibirien. Sie erlebt auf dieser abenteuerlichen Reise Ungeheuerliches und auch Schönes, trifft immer wieder auf Männer, die es gut mit ihr meinen und ihr auch helfen, doch es treibt sie immer weiter ihrer Tochter entgegen, die sie den Erzählungen Raiseles zufolge als Dichterin in Wladiwostok lebend wähnt.
Es ist ein Roman mit der Geschichte einer ungewöhnlichen Frau, die ungeheure Kräfte mobilisiert, um das wiederzufinden, was sie lange verloren glaubte. Ein Buch, spannend und sensibel erzählt, mit einer poetischen Sprache, die den Leser gefangen nimmt und ihn mitreißt in einer unvergesslichen Leseerfahrung.
Auf den nächsten Roman dieser großartigen Erzählerin darf man heute schon gespannt sein.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine tragische Geschichte über innere Leere und das Erwachen daraus, wunderschön poetisch erzählt!, 16. Februar 2008
Als ich "Die unglaubliche Reise der Lillian Leyb" von Amy Bloom zuschlug, hätte ich zunächst ohne Einschränkung der New York Times, die das im amerikanischen Original unter dem Titel Away" erschienene Buch als großartige Literatur einstuft, zugestimmt. Amy Bloom hüllt die Leser mit ihrer eigenartig nüchternen und dennoch poetischen Sprache förmlich ein und so konnte ich mich kaum von ihrem Buch trennen, bevor ich es nicht zu Ende gelesen hatte.
Die junge Jüdin Lillian Leyb erlebt, wie ihre Eltern und ihr Mann bei einem Progrom ermordet werden. Ihre Tochter Sophie kann flüchten, nach Augenzeugenberichten gilt sie aber ebenfalls als tot. Lillian verlässt gebrochen ihre russische Heimat und gehört zu den vielen Immigranten, die 1920 New York erreichen. Aber auch dort ist ein Neuanfang mehr als schwierig. Ihr starker Überlebenswille, ihre Zähigkeit, aber auch durch Ausweglosigkeit geborener Frechheit verhelfen ihr zu einer Stelle als Näherin. Bald hat sie zwei vermögende Liebhaber und ihr gesellschaftlicher Aufstieg scheint abgesichert. Als eines Tages eine Verwandte vor Lillians Tür steht und behauptet, dass Lillians Tochter lebe und nach Sibirien gebracht worden sei, erwacht Lillian aus der Leere, in der sie erstarrt ist. Ein Ziel vor Augen und von Hoffnung getrieben, begibt sie sich auf eine Reise quer durch Nordamerika, um nach Sibirien zu gelangen und Sophie zu finden.
Amy Bloom erzählt Lillians tragikkomische Geschichte im Präsens in einer literarischen, poetischen Sprache, die von trockenem Humor durchsetzt ist. Perspektivenwechsel bewirken, dass neben Lillian auch andere wesentliche Personen wie z. B. ihre Liebhaber beleuchtet werden. Alle tragenden Figuren haben eins gemeinsam: sie sind auf tragische Weise in einer inneren Leere erstarrt, sind nicht mehr lebendig. Die Distanz, die Amy Bloom durch ihren Sprachstil aufbaut, intensiviert diesen Eindruck der Kälte und des Gefangenseins in einem todesartigen Zustand.
Obwohl mich Amy Blooms Roman sofort gefangen genommen hat und ich ihn mit großem Interesse und Vergnügen gelesen habe, bleiben aber auch einige Kritikpunkte. Einige Figuren sind, ohne dies als Stilmittel einzusetzen, sehr klischeehaft ausgestaltet. Die Erlebnisse, die Lillian Leyb auf ihrer Reise durch Amerika hat, ist eine Aneinanderreihung grausamen und brutalen Verhaltens in unteren Schichten, was in Summe gesehen nicht unbedingt glaubwürdig ist. Damit erfüllt Amy Bloom sicher nicht unbedingt, die Erwartungen und Ansprüche von Freunden zeitgenössischer Literatur. Trotz dieser Mängel hat mir jedoch Amy Blooms Roman sehr gut gefallen.
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20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Leben als jüdische Einwanderin in den zwanziger Jahren in New York, 3. März 2008
Amy Bloom Die unglaubliche Reise der Lillian Leyb
Hoffmann und Campe ISBN 3455400914
Abenteuerreich und vielschichtig ist die Geschichte über das Leben und die Reisen der Lillian Leyb.
Wir schreiben das Jahr 1920 und erleben sie als junge Frau in New York.
Sie ist gerade mit einem Einwandererschiff angekommen und schleppt sich buchstäblich mit letzter Kraft zur Adresse einer Cousine. Dort wird sie unter ärmlichsten Bedingungen in ein Schlafquartier eingewiesen, das sie sich mit noch anderen Ankömmlingen teilen muss.
Sie ist Jüdin und kommt aus Russland. Dort hat sie bei einem Pogrom ihre ganze Familie verloren, nur ihre kleine Tochter ist verschwunden.
Lillian beginnt in New York als Näherin bei einer jüdischen Theatergruppe. Mitglieder der Truppe, ein imposanter Vater und sein Sohn, Regisseur der eine und Schauspieler der andere, werden ihre Liebhaber. Beide sind recht sonderbare Gestalten. Lillian ist alles egal: es gilt nur, das Szenario des Untergangs hinter sich zu bringen.
Niemand kann Lillian aufhalten, als sie erfährt, dass ihre Tochter Sophie angeblich noch lebt,--in Sibirien!
Sie macht sich auf die Reise, um die Tochter zu finden.
Es geht aber in der Erzählung nicht vordergründig um die Suche nach der Tochter. Vielmehr scheint die Reise und Suche nach ihr den Plot zu geben für ein Leben, das von außergewöhnlichen Randbedingungen gekennzeichnet ist.
Die Geschichte spielt zwischen Neuankömmlingen in New York, zwischen Ganoven und Lebenskünstlern, Theaterleuten aus russisch jüdischen Einwandererzirkeln und allerhand verlorenen Gestalten.
Lillian taumelt zwischen Traum und Wirklichkeit dahin. Sie wirkt fast unbeteiligt und spielt ein Spiel mit, von dem nicht klar ist, wie es enden wird. Es geht immer nur ums nackte Überleben und dazu gehört Geld, wie immer man es sich beschafft.
Abenteuerlich, phantasievoll und fast betäubend wird über die Leiden der Lillian Leyb auf ihrem Weg zurück nach Russland berichtet.
Mit Chuzpe und Geschick setzt sie unbeirrt ihre Reise durch.
Auf ihrer Reise landet Lillian einmal im schwarzen Prostituiertenmilieu in Seattle mit unglaublichen Zuständen, dann wieder im Gefängnis auf dem Weg nach Kanada.
Ob sie ihr Ziel je erreichen wird?
Neben dem New Yorker jüdischen Viertel ist es die gefährliche Reise über den halben Kontinent nach Alaska und Sibirien, die mit vielen Abenteuern aufwartet. Charakterstudien und Lebenskunst sind die herausragenden Merkmale der Erzählung.
Milieustudien von seltener Vielfarbigkeit bieten bestechende Unterhaltung.
Die Geschichte ist gelegentlich in epischer Breite angelegt, liest sich aber gut und spannend.
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