Die Geschichte von Henry N. Brown hat mich von Anfang bis Ende gefesselt. Ich bin in diesem wunderbaren Buch versunken wie in einem bequemen Sessel und habe begleitet von der Stimme des Teddybären Henry eine Wanderung durch über achtzig Jahre Zeitgeschichte gemacht.
Henry wird in Bath, England, von einer einsamen jungen Frau hergestellt, die im ersten Weltkrieg ihren Mann verloren hat. Als sie dem Teddy das zweite Auge annäht, erblickt Henry das Licht der Welt.
Henry kann nichts tun, außer zu denken und zu sehen, zu hören und zu riechen. Er ist der Welt ausgeliefert und gerade das macht ihn zu einem so besonderen Erzähler. Er kann sich über alles wundern und alles in Frage stellen, was ihm geschieht, denn es kann ihn ja sowieso niemand hören.
Doch wie es das Bärenschicksal will, bleibt Henry nicht lange bei Alice, er tritt seine Lebensreise an, die ihn nach London führt, wo er in einem Verlegerhaushalt nebenbei Virginia Woolf und anderen literarischen Größen begegnet, er kommt nach Frankreich, wo er den Einmarsch der deutschen Truppen erlebt, nach Norwegen - in zweifelhafter Mission als Okkupant - , nach Frankreich, wo er die Liebe seines Lebens trifft, nach Italien, wo er in Florenz die Aufräumarbeiten nach einer Flutkatastrophe überwacht, in die Schweiz, wo er lernt, das Neutralität ein Fluch sein kann, nach Ungarn, wo Freiheit noch klein geschrieben wird und schließlich nach Wien. Ich will nicht zu viel verraten, denn diese Reise ergibt sich, wie ein Fluss sich seinen Weg bahnt, natürlich, zufällig, selbsterverständlich. Man muss nicht mehr tun, als sich einfach mittreiben zu lassen.
Mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, ich habe zu keiner Zeit an dem Bären gezweifelt, wohl aber manches mal die Menschen in Frage gestellt.
Henry N. Brown hat sich einen Platz in meinem Herzen gesichert, ich muss mich nicht schämen, dass das bewegendste Buch, das ich in diesem Herbst gelesen habe, die Lebensgeschichte eines Teddys ist.
Leuten, die gerne schmökern, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Bald ist ja schon wieder Weihnachten, wie uns die Lebkuchen in den Supermärkten verraten. Warum nicht auch schon mal ein Weihnachtsgeschenk kaufen? Ich weiß, welches Buch ich verschenke!!!