Louis Begley, selbst Jude und Jurist wie Kafka, hat hier ein gut verständliches, kompaktes und niveauvolles Buch über Kafka vorgelegt. Es wird zwar der speziellen Kafka-Leserschaft, die sich schon durch diverse Sekundärliteratur zum Thema gewühlt hat, wenig Neues bieten. Aber als Einstieg in eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Kafka ist es sehr geeignet, gerade auch für Nicht-Germanisten.
Das Buch ist in 5 Abschnitte gegliedert. I bis IV enthalten überwiegend die Biographie der Person Kafka sowie die Entstehungsgeschichten seiner bekanntesten Werke (Strafkolonie, Urteil, Verwandlung, die 3 Romanfragmente) Abschnitt V widmet sich ihnen intensiver inhaltlich. Das Buch enthält außerdem Bildmaterial zu allen für Kafka wichtigen Personen.
Besonders positiv fällt mir auf, wie viel echter Kafka-Text in dem Buch erscheint. Tagebucheinträge, Briefe und Werksauzszüge sind nicht nur mit einzelnen Satzzitaten, sondern ausführlichen Passagen wiedergegeben. So wird neben der Sprache auch der Zusammenhang in Kafkas Denken plastischer.
Die Betrachtung der Kafka-Werke in Abschitt V beinhalten kaum theoretische Interpretationsansätze, sondern orientieren sich eng an Sprache und Handlungsabläufen. Interessant fand ich besonders die Vergleiche zwischen dem Process und dem Schloss. Er arbeitet auch gut heraus, was uns eigentlich daran so fasziniert und das alles in einer recht anschaulichen Sprache.