Seit Jahren bin ich Kunde bei Amazon und ich habe nie einen großen Sinn darin gesehen, hier (oder anderswo im Netz) meine höchstpersönliche Meinung zu einem Film kundzutun. Jetzt aber, zehn Minuten nach Erleben dieses wahrhaft abenteuerlichen Films, fühle ich mich berufen, die Welt vor diesem Machwerk zu warnen. Und dies als jemand, der die Kategorie "Machwerk" gar nicht mal per se ablehnt. Auch Trash kann ja schließlich sehr unterhaltsam sein, und ich möchte behaupten, dass ich in dieser Hinsicht weeeit weit strapazierfähiger bin als der durchschnittliche Kinobesucher oder Videothekenkunde.
Dieser Film aber ist wahrhaftig die unfassbar sinnentleerteste Regiearbeit, die mir jemals untergekommen ist. Getoppt wird dies allenfalls noch von 10.000 BC. Zurecht liegt die durchschnittliche Bewertung von knapp 4000 Zuschauern auf imdb bei rekordverdächtig schlechten 2,7 von 10 Punkten (auf die Sternevergabe bei Amazon herunter gerechnet ergibt dies also 1,35 von 5 - sprich einen und einen halben Stern. Und das bei 4000 Bewertungen). Nur völlig schmerzfreie Cineasten, die zudem keine Angst davor haben, mit dem Namen "Unendliche Geschichte" künftig eine pubertäre Kindliche Kaiserin zu verbinden, die vom Gratis-Shopping mit dem Auryn träumt, sollten sich dieses Musterbeispiel eines in jeder Hinsicht gescheiterten Hollywood-Blockbusters zu Gemüte führen.
Erbärmlichster(!) Slapstick, der sämtliche literarischen Figuren von Bastian über den neu designten Fuchur (bei einem chinesischen Festumzug: "Hey, heiße Drachen habt ihr hier") bis hin zu Herrn Koreander verunglimpft, versucht über den quasi nichtvorhandenen Plot hinwegzutäuschen, der in seinen wenigen, einen Zusammenhang erahnen lassenden Handlungssträngen auch noch von drastischen Logikfehlern durchsetzt ist. Allein die grobe Zusammenfassung der "Story" sollte jeden erschaudern lassen, der etwas auf die literarische Vorlage oder kreative Schaffenskraft an sich hält:
Das "Fiese" (!!!) ergreift die Macht über Phantásien. Hinein kommt es, weil eine Horde clownesker Schulpunks das Buch in Herrn Koreanders Schulbibliothek (!?) entdeckt, mitnimmt - und kräftig schüttelt. Bastian, der sich zu dieser Zeit nach Phantásien geflüchtet hatte, muss in die reale Welt zurückkehren, um den bösen Jungs das Buch wieder abzunehmen. Auch, weil diese aus gewissen Rachemotiven heraus planen, Bastians Geschichte mit Hilfe des Buches zu verändern (wie genau dies funktionieren soll, bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen). Leider nimmt er beim Beaming-Prozess in die reale Welt (das Auryn macht's möglich) einige Gestalten des imaginären Kontinents mit in die USA. Die allesamt unsäglichen und nervenaufreibenden Gestalten, allen voran das Baby von Steinbeisser ("Mussi essi, habi Hungi, will Kussi" - aaaaah!!), können sich dank Halloween - oder vielmehr "Karneval", wie es in der deutschen Tonfassung heißt - völlig ungeniert auf den Strassen bewegen bzw. im Falle Fuchurs durch die Gegend fliegen. Für den Verlauf der Geschichte bleiben die Phantásier ohnehin irrelevant. Nebenher muss sich Bastian auch noch mit dem Problem herumschlagen, die Tochter der neuen Freundin seines Vaters davon zu überzeugen, dass er kein Freak ist und eben nicht "uncool", "unstylish" und ähnliches, wofür sie ihn verachtet. Zum Glück hat sich dieses Problem passend zum Ende des Films irgendwie ganz von selbst erledigt, genauso wie die Rückeroberung des Buches, da dort - juchheee - im richtigen Moment geschrieben steht, dass Bastian Karate kann und seine Gegner außer Gefecht setzen wird.
Wie genau dann alles wieder seine Ordnung gefunden hat und die Gestalten aus Phantásien wieder an ihren angestammten Platz zurück kommen (um dort endlich auf Toilette zu gehen, womit sich der Running Gag auflöst, der dem Regisseur offenbar nach 2/3 der Fertigstellung des Films eingefallen ist), entzieht sich leider meiner Kenntnis. Meine Aufnahmefähigkeit war nach etwa 80 Minuten wohl nur noch stark eingeschränkt gegenwärtig.
Insgesamt hat mich das Setting stark an den (wesentlich witzigeren und unterhaltsameren) Trashfilm "Masters Of The Universe" erinnert. Auch der Film Rambo III, ein anderer dritter Teil, den der gelernte Kameramann Peter MacDonald als Regisseur zu verantworten hat, ist um einiges feinfühliger, einfallsreicher und sorgfältiger ausgearbeitet als diese Verschwendung von Geld, Lebenszeit und Material. Damit sollte nun wirklich alles gesagt sein.
Zumindest erwähnen möchte ich aber vielleicht doch noch kurz die im Film verwendete Musik: Wer sich nebst des klebrigsüßen Originalscores auf ein Wiedersehen bzw. -hören mit Prince Ital Joe, Roxette, Seal, Inner Circle (!) und Lucilectric (!!!) freut, der wird hier fündig werden. Empfehlen würde ich aber auch hier, nach alternativen Möglichkeiten zu schauen, sich an dieser Musik zu erfreuen.
Eine ganz ganz schlimme Sache, das hier...