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Die unbekannten Nachbarn. Minderheiten in Osteuropa
 
 
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Die unbekannten Nachbarn. Minderheiten in Osteuropa [Broschiert]

Ruth Leiserowitz (Hg.)
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Alle osteuropäischen Länder sind geprägt durch die Existenz zahlreicher Minderheiten. Ihr Leben, ihre Kultur und Geschichte haben diese über Jahrhunderte hinweg bereichert und auch miteinander verbunden. Gerade durch sie verwandelte sich Osteuropa einstmals in eine vielfarbige, kulturell reiche Landschaft mit funktionierenden Nachbarschaften. Doch diese einzigartige Pluralität wurde in der Mitte des letzten Jahrhunderts zerstört. Der Zweite Weltkrieg hat mit seinen Umsiedlungsaktionen und den nachfolgenden Grenzverschiebungen und Blockbildungen viele Landschaften politisch und kulturell zerrissen. Die sozialistische Staatsideologie überlagerte die jeweiligen Kulturtraditionen. Erst allmählich beginnt eine Rückbesinnung auf die spezifischen Lebensarten und deren Wiederbelebung.

Über den Autor

Dr. Ruth Leiserowitz (Hg.): Jahrgang 1958, Bibliotheks- und Verlagsangestellte, Übersetzerin, 1990 bis 1996 Studium der Geschichte und Polonistik in Berlin und Vilnius, 1996 bis 1999 wiss. Mitarbeiterin am Thomas-Mann-Kulturzentrum Nida / Litauen, 1997 Promotion, seit 1996 Lehrbeauftragte an der Universität Klaipeda, seit 2001 Forschungsprojekte an der HU Berlin und der FU Berlin, 2007 Habilitation. Zahlreiche Veröffentlichungen zur osteuropäischen Geschichte.

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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Buntes Europa, 21. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Die unbekannten Nachbarn. Minderheiten in Osteuropa (Broschiert)
Die unbekannten Nachbarn. Minderheiten in Osteuropa ist ein lesenswertes vielseitiges Buch. Anhand von Berichten über z.B. Polen in Litauen, Russen in Lettland, die Seto in Estland, Romas in der Slowakei, Juden in Rumänien und andere Familien bekommt man eine kleine Vorstellung davon, was es für diese Menschen bedeutet, als Minderheiten zu leben. Realistisch, so scheint mir, werden Vor-und Nachteile erwähnt und es spricht immer auch ein gewisser damiliärer Stolz und Selbtsbewusstsein daraus so zu leben, mit Ausnahme natürlich der verarmten Gruppen.
Selbst den Sorben in Deutschland ist eine Geschichte gewidmet und bekommt Informationen über unsere anderen Minderheiten. Was das Buch für den ambitionierten Leser (und sicher auch für die Fachfrau, den Fachmann) so interessant macht, sind die Fülle detailierter Angaben über die Geschichte der einzelnen Gruppen und ihre zahlenmässige Bedeutung. Das Buch ist eine schöne Anregung für denjenigen, der die große Bereicherung sämtlicher Einflüsse auf das europäische Miteinander-Leben zu würdigen weiß, auch wenn er, wie der Verfasser selbst , keinen multinationalen Hintergrund hat. Als Lesehinweis mag noch gelten, sich selbst nicht zu überfordern, sondern nur einzelne Abschnitte zu lesen und vielmehr selbst auf die Spur dieser Menschen im Ausland zu gehen! Dafür benötigt man dann doch aber noch andere Quellen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Viele Wege führen nach Europa, 3. Januar 2009
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die unbekannten Nachbarn. Minderheiten in Osteuropa (Broschiert)
Dem Inhaltsverzeichnis und einer Übersichtskarte folgt mit "Ein Mosaik der Minderheiten in Ostmitteleuropa" ein einleitender Überblick der Herausgeberin Ruth Leiserowitz. Von den Folgen des Zweiten Weltkrieges mit Verschleppung, Vertreibung, Zwangsumsiedlung, Diskriminierung, Assimilierung usw. über die Zeit der Sowjetherrschaft und des "Kalten Krieges" spannt sie hierbei einen Bogen bis zu einer Europäischen Union der 27 Mitgliedstaaten. Eine kontinentale Region, in der man Dank des "Schengener Abkommens" seit dem 21. Dezember 2007 nahezu 2000 Kilometer von Deutschland bis in die estnisch-russische Grenzstadt Narva reisen kann, ohne sich auch nur einer Grenzkontrolle unterziehen zu müssen.

Nach Quellenhinweisen auf die zusammengestellten Übersichten zu den Minderheiten der jeweiligen Länder, bei dem u.a . auf die Euromosaik-Studie der Europäischen Gemeinschaft hingewiesen wird, beginnt das erste von insgesamt elf Länderkapiteln. Jedes Kapitel bietet eine 10-15seitige "Reportage vor Ort", bei der Mitglieder einer bestimmten Minderheit von einer Journalistin oder einem Journalisten aufgesucht werden. Den subjektiv geprägten Betrachtungsweisen der Reportagen folgen jeweils objektive Fakten in den Rubriken "Allgemeines zum Land", "Geschichte im 20. Jahrhundert", "Minderheiten allgemein" und "Minderheiten im Besonderen".

Polen:
Mit einem Besuch bei der belarussischen Familie Pawlowska wird deutlich, dass sich ethnische Differenzen nicht nur in der Sprache, sondern auch in der religiösen Konfession und dem benutzen Alphabet spiegeln können. Die infolge des polnisch-sowjetischen Krieges von 1920/21 etwa 250 Kilometer nach Osten verschobene Grenze wurde durch das Potsdamer Abkommen, in dem das polnische Staatsgebiet nach Westen verschoben wurde, revidiert. Die Wojewodschaft Oppeln war im Jahre 2004 noch zu 70% von Personen bewohnt, die neben der polnischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen. Als Signal wurde das Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit in Gliwice (Gleiwitz!) eröffnet. Mit den Kaschuben gibt es eine westslawische Minderheit. Die Roma unterteilen sich in die vier Gruppen Polnische Roma, Karpaten- oder Bergroma, Kalderara (Kupferschmiede) und Lovara (Pferdehändler).

Litauen:
Im späten Mittelalter bildeten Polen und Litauen eine Union. Wenn es im Kommunismus um Geographie ging, dann um sie sowjetische. Das nach dem Ersten Weltkrieg von Polen als "Mittellitauen" verwaltete Gebiet um die Hauptstadt Wilna/Vilnius sollte nach Plan der Konservativen Litauer vollends lithuanisiert werden. Während nahezu alle Juden (Livtaks) von Vilnius, dem "Jerusalem des Nordens" dem Holocaust zum Opfer fielen, wurde die mosaische Religionsgemeinschaft der Karäer von den Nazis nicht verfolgt. Neben den sogenannten "Wolfskindern", ostpreußische Waisenkinder, die nach dem Zweiten Weltkrieg herumirrten wird (wie auch in Lettland und Estland) der noch Jahre andauernde Untergrundkampf gegen die sowjetische Besatzung erwähnt.

Lettland:
In der Hauptstadt Riga sprechen 52% der Bevölkerung Russisch, während Lettisch nur bei 42% verbreitet ist. Dies führt zu einer, nicht nur medialen, Parallelgesellschaft, deren Mitglieder einen Reisepass mit dem Zusatz "Alien" erhalten. Der einstige "Homo sovieticus", atheistisch, fortschrittlich und mobil einsetzbar, in einer Heimat, in der Nationen keine Rolle spielten, ist heutzutage nicht mehr gefragt. Die Privilegien der Russen und Kommunisten sind dahin. Mit einem Gesamtbevölkerungsanteil der Minderheiten von 41,42% hat Lettland, wie einige seiner Nachbarn die "Europäische Charta der Regional- und Minderheitssprachen" bisher nicht unterzeichnet.

Estland:
Der Besuch bei einer setokesischen Familie beschreibt "Ein Leben zwischen Estland und Russland". Gleichwohl die ostseefinnischen, russisch-orthodoxen Seto nicht offiziell als Minderheit anerkennt sind, fördert der estnische Staat ihre kulturellen Veranstaltungen und Traditionen. Wie in den anderen einstigen baltischen Republiken gibt es auch hier zahlreiche "Versprengte" aus anderen ehemaligen Sowjetrepubliken.

Deutschland:
Mit der Familie Handrick werden die Sorben in der Lausitz besucht. In der Gegend mit zweisprachigen Ortsschildern leben heute noch 60.000 Mitglieder der westslawischen, vorwiegend katholischen Bevölkerung, die 2005 die "Serbska Ludowa Strona" (Wendische Volkspartei) gegründet haben. Nebn den Sinti und Roma werden auch Dänen und Friesen als Minderheiten vorgestellt.

Tschechien:
In "Leben und Meinungen des letzten deutschen Holzfällers im Riesengebirge" werden k.u.k. Monarchie, die aggressive Ideologie der Heleinschen "Sudentendeutschen Partei" und der frei ausgeübte Rachedurst nach Kriegsende betrachtet. Der 94jährige Friedrich Kneifel sieht sich als Böhme, war jedoch weder mit dem "Anschluss des Sudentenlandes", noch mit der Schaffung des "Reichsprotektorates" einverstanden. Die fünftgrößte Minderheitengruppe im heutigen Tschechien bilden die Vietnamesen!

Slowakei:
"Pätorak gehört zum Schlimmsten", der Besuch einer Roma-Siedlung ist tatsächlich die schockierendste Reportage des ganzen Buches. Auch im Winter leicht bekleidete, barfuss laufende, hungernde Kinder in menschenunwürdigen Wohnverhältnissen sind die Schattenseiten eines Landes, das zum 1. Januar 2009 den Euro einführte. Ohne Beschäftigung, Medikamente, Bildungschancen pp. ist diese Volksgruppe ein Opfer des Geldwuchers.

Slowenien:
"Die Seeräuber aus den Bergen" zeigen mit einem Besuch bei der Familie Zurcak ein gutes Beispiel für ein slowenisch-kroatisches Miteinander. Neben den anerkannten Minderheiten der Ungarn, Roma und Italiener werden die "neuen Minderheiten" als Erbe des einstigen Jugoslawien unter der Bezeichnung "Migranten" nur am Rande berücksichtigt. Um die Stadt Gottsched leben heute noch wenige Nachfahren von Kärntnern und Tirolern, die sich dort im 14. Jahrhundert ansiedelten.

Ungarn:
Mit dem Besuch der ungardeutschen Familie Hammer in der "Schwäbischen Türkei" gibt es einen Ausflug in "Freherige Zeiten". Mit dem Vertrag von Trianon (1920) wurde das einstige Staatsgebiet auf ein Drittel reduziert. Das einst territorial-revanchistische Ungarn sollte mit der Öffnung seiner Grenzen wesentlich zum Zusammenbruch der Sowjetunion und des Ostblocks beitragen.

Rumänien:
Das Jüdische Leben in Brasov (Kronstadt) wird als "Das Lächeln, das vom Untergang bedroht ist" beschrieben. Der Terror der "Eisernen Garde", die Deportation der jüdischen Gemeinde nach Transnistrien und der Einsatz der Königin Elena werden beschrieben. Auch die rumänischen Roma wurden, als Nomaden diskriminiert, in die Todeslager nach Transnistrien deportiert und ermordet. Heute treffen sich die Mitglieder der jüdischen Reformgemeinde wieder in ihrer Synagoge in der Poarta-Schei-Strasse. Besonders positiv ist auch, dass sich bereits im Hinblick auf den EU-Beitritt das angespannten Verhältnis zwischen den Ethnien wieder verbessert hat.

Bulgarien:
Mit "Die erzwungenen Namen" nimmt die Zwangsbulgarisierung einen wesentlichen Teil der Reportage ein. Hauptbetroffene waren die moslemischen Pomaken und die Roma. Während Mitglieder der türkischen Minderheit bereits früher wellenweise vertrieben worden waren, sollten andere Minderheiten dem Ideal der Kommunistischen Internationale folgend, zwangsassimiliert werden. Neben den erzwungenen Namensänderungen wurde moslemischen Geistlichen die Ausübung ihres Amtes untersagt und das Tragen von Pluderhosen verboten. Nach dem Ende des kommunistischen Regimes im November 1989 kehrten 155.000 von den einstmals 370.000 in die Türkei Abgeschobenen nach Bulgarien zurück.

In einem Anhang gibt es eine Übersicht über alle Haupt- und weiteren Minderheiten der besuchten Ländern. Darauf folgt ein Literaturverzeichnis ausgewählter deutschsprachiger Publikationen. Die empfohlene Literatur ist in ihren einzelnen Abschnitten jeweils alphabetisch sortiert. Abschließend werden neben der Herausgeberin Ruth Leiserowitz, die einzelnen Autorinnen und Autoren der elf Reiseberichte kurz vorgestellt.

"Die Unbekannten Nachbarn" ist ein informatives Sach- und spannendes Lesebuch, das sowohl für (vorbereitende Reise)Studien zu Hause, als auch als Lektüre vor Ort empfohlen werden kann. Die zu lesenden Abschnitte kann man sich selber aussuchen. 5 Amazonsterne.
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