... und etwaige Fehleinschätzungen dieses Buches.
Grundlegend, um mit ein paar Worten auf einen Vorgängerrezensenten zu antworten:
- Der Autor ist kein Historiker und betont dies eingangs auch. (S. 20)
- In der Einleitung weist der Autor zudem daraufhin, dass er "die Geschichte im Sinne von Erzählung [wiedergibt], denn dieses Buch ist kein Schulbuch und keine wissenschaftliche Abhandlung. Es ist eher das, was ich [der Autor] Ihnen in einem Café erzählen würde, wenn Sie mich fragen würden, was es denn mit dieser parallelen Weltgeschichte auf sich hat." (S. 19).
- Auch auf die Quellen geht der Autor auf Seite 20 ein und schreibt, dass er sich über die Problematik der "Glaubwürdigkeit muslimischer Quellen für Akademiker" sehr wohl bewusst ist, aber die Geschichte so erzählen will, wie sie aus muslimischer Sicht und Vorstellung gesehen wird. Jedoch bedeutet das alles nicht, dass ein Autor, der sich auf muslimische Quellen bezieht zum Erfinder wird oder faktisch Falsches verbreitet, nur weil er sich nicht auf die in Europa anerkannten Quellen beschränkt!
Wirklich "fahrlässig, wenn nicht gar manipulativ" (nur, um die Wortwahl eines Rezensenten zu gebrauchen) ist es m.E. - in anbetracht dieser Klarstellungen auf den ersten Seiten - Bücher zu rezensieren und potenziell Interessierte davor zu warnen oder gar abzuschrecken, wenn man offensichtlich nicht einmal das Vorwort gelesen hat.
Zum Buch selbst:
Meine Entscheidung, zu diesem Buch zu greifen und es lesen lag darin begründet, dass ich einen Blick "von der anderen Seite" haben wollte. "Wir" lernen und kennen Geschichte - logischerweise - von dem Standpunkt der Europäer. Auch "wir" erleben diese Geschichte aktiv, nicht nur aus Lehrbüchern voller Fakten. Fakten kann man sich in unzähligen Publikationen zur Gemüte führen, aber wo bleibt da das persönliche, menschliche? Gerade der Islam, dem "wir" täglich begegnen -nicht in der Theorie, sondern in der Praxis! -, der "uns" aber dennoch so fremd scheint, verdient ein Buch, das "uns" helfen könnte, "die andere Seite" zu verstehen.
Genau das habe ich hiermit auch gefunden, ein informatives Buch, das selbst nie den Anspruch erhebt, in wissenschaftliche und akademische Titel eingereiht zu werden, aber dennoch einen interessanten Über- und Einblick gewährleistet und zudem noch amüsant und unterhaltsam - eben erzählerisch - geschrieben ist.
Jedem, der sich - wie ich selbst auch - in einem Zwiespalt zwischen "ich würde mich so gerne über geschichtliche Themen informieren" und "ich verliere schnell das Interesse, wenn mir der Text zu langatmig ist obwohl das Thema an sich interessant ist" befindet, kann ich dieses Buch durchaus empfehlen.