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Produktinformation
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Diese und manch andere Frage haben auch die vor Jahren bereits erschienenen Erinnerungen nicht beantwortet, die Speer mit Hilfe des von seinem Verleger, Wolf Jobst Siedler, als "vernehmenden Lektor" angeheurten Joachim Fest angefertigt hatte. Manche Fragen zur Person Speers sind mit letzter Gewissheit vermutlich tatsächlich auch unbeantwortbar. Aber "Ungereimtheiten", schreibt Fest an einer Stelle, "waren schließlich Speers Wesen". Diese Ungereimtheiten, dadurch aber auch Fragen, die über die Person Speer weit hinaus weisen, macht Fest mit diesem Buch sichtbar, in dem er bislang publizistisch nicht verwertete Aufzeichnungen aus seinem Zettelkasten ausbreitet, die er jeweils unmittelbar nach den zahlreichen "Arbeitssitzungen" mit Siedler und Speer angefertigt hat.
Zu den kaum beantwortbaren Fragen zu dessen Persönlichkeit, die während der Lektüre ständig präsent sind, gehört die, "wie ein Mann mit seinem sozialen und familiären Hintergrund sowie mit den moralischen Maßstäben, nach denen er erzogen war, einer derart bösartigen, sich ihrer Barbarei brüstenden Herrschaft so bedingungslos verfallen konnte". Die nicht selten offen herausgestellte Verachtung für andere Mitglieder des Regimes vermehre die Irritation des Beobachters hierüber noch, notiert Fest. Und: Es werfe sich die "Frage aller Fragen" auf: "wie die Vorkehrungen beschaffen sein müssten, die eine Art Sicherung gegen solchen Verlust aller Maßstäbe gewährleisten könnten -- und vielleicht noch besorgniserregender, ob es solche Vorkehrungen überhaupt gibt". Daran zu zweifeln gibt der lesenswerte Band in der Tat Anlass. -- Andreas Vierecke -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Albert Speer, Hitlers Chefarchitekt und Rüstungsminister, zählt bis heute wegen seiner gebrochenen Persönlichkeit zu den umstrittensten Figuren des Dritten Reichs und bleibt die rätselhafteste Persönlichkeit der NS-Führungsmannschaft. Jochim Fest war in den vielen Gesprächen die er mit Speer führte von den Merkwürdigkeiten in Speers Wesen beeindruckt. Höchst selten ließ er sich umstimmen.
Joachim Fest plante damals, beauftragt von einem großen amerikanischen Verlag, eine Hitler Biographie zu schreiben. Da rief ihn Wolf Jobst Siedler, Leiter des Ullstein Verlages an und sagte, Speer sei entlassen und habe die Rechte an seinem geplanten Buch „Erinnerungen" an ihn gegeben. In der Haft in Spandau hatte Speer ein Manuskript von über 2000 Seiten verfasst. Fest sollte Speer bei der Abfassung des Buches, als „vernehmender Lektor" begleiten. Er sollte das Manuskript auf korrektes Deutsch, auf durchhängende Längen überprüfen und er sollte dem Memoirenschreiber sagen, wo das Publikum Auskunft verlangte und wo Speer nicht schweigend drüber weggehen konnte.
Joachim Fest berichtet in seinem Werk „Die unbeantworteten Fragen" von seinen vielen Begegnungen mit Speer, und zeitweise auch mit Siedler, die zwischen 1966 und 1981an den unterschiedlichsten Orten, wie Kampen, Heidelberg, Munkmarsch, Meran usw. stattgefunden haben. Diese Gespräche wurden wörtlich oder dem Inhalt her in diesem Buch festgehalten.
Fest schildert Speer als kultiviert, angenehm im Umgang, auskunftswillig. Vielleicht hatte die über zwanzig Jahre dauernde Haft ihn im Innersten gebrochen und gleichsam denaturiert.
Speer war immer und überall „Everybody's Darling", bei allen Menschen mit denen er es zu tun bekam, außer seinen Eltern. Doch dieser Vorzug, überall beliebt zu sein, kann auch ein Verhängnis sein, dazu ist Speer geradezu ein Beispiel. Fest hatte anfangs Mühe mit dem Gedanken fertig zu werden, dass dieser Speer der engste Freund Hitlers war, eine ausgesprochene Vertrauensstellung inne hatte, wie kein anderer. Zwischen Speer und Hitler bestand, nach Fest seiner Überzeugung, ein homoerotisches Verhältnis und Hitler hatte für Speer größere Emotionen als für Eva Braun.
Speer hatte viele Erinnerungen aus seinem Kopf ausgeblendet und musste von Fest erst wieder darauf gebracht werden. Trotz vieler Zureden, weigerte sich Speer hartnäckig, bestimmte Vorkommnisse in seinem Lebensbericht aufzunehmen. Seine gänzlich unbeeindruckte Reaktion auf die Progromnacht und seine Weigerung, diese Eindrücke in seine „Erinnerungen" einzufügen, führte bis an den Bruchpunkt der Zusammenarbeit.
Speer war anpassungsbereit und anpassungswillig. Als Schüler von Tessenow der Siedlungshäuschen baute, kam er in den Dunstkreis Hitlers, der pompös bauen wollte, „Germania", und Speer passt sich sofort an. Speer hatte einerseits einen hohen Organisations- und Relativitätssinn und gleichzeitig diesen kompletten Realitätsverlust, den man im zwanzigsten Jahrhundert bei vielen Menschen in Extremsituationen findet.
Speer hat auch beim Tribunal in Nürnberg als einziger fast über bereitwillig eingestanden, aber eigentlich hat er nie begriffen, was Schuld eigentlich ist. Schuld ist eigentlich nicht vorstellbar, ohne Verankerung in einer religiösen Beziehung. Und Speer hatte keinen Sinn für Metaphysik. Er hat das Schuldbekenntnis abgegeben, weil es alle von ihm erwartet haben. Er war eigentlich wegen seiner Widersprüche die Schlüsselfigur, von dem was sich nach 1933 in Deutschland ereignete. Speer war ein Meister der Verdrängung und so gesehen der Steelvertreter einer ganzen Generation. Er war mit anderen Worten, der Repräsentant der Überläufer und erklärt wieso ordentliche Bürger in Scharen zu den Nazis überliefen. Speer hat genug gewusst, um zu wissen, dass er einem verbrecherischen Regime diente.
Auch nach der Lektüre dieses Buches, bleibt die Frage nicht klar und unmissverständlich beantwortet, wie ein Mann mit diesem sozialen und familiären Hintergrund, so wie den moralischen Maßstäben seiner Erziehung, einer derart bösartigen, sich ihrer Barbareien brüstenden Herrschaft so besinnungslos verfallen konnte. Sein Leben war ein Rätsel und in den Widersprüchen hat er sich schließlich selber verstrickt. Er wurde sich selber zum größten Rätsel, litt unter großer Einsamkeit und hatte schließlich das „Glück des Vergessenwerdens".
Ich bin hingerissen von diesem Buch. Es ist unglaublich gut recherchiert und hinterfragt, mit einer Meisterschaft die diesem begnadeten Autor eigen ist. Wir haben Bücher, die beginnen einfach vorne und enden hinten. Dieses Buch kann man hier und dort aufschlagen und lesen, das geht. Es hat viele Ebenen auf denen man es betrachten kann und es arbeite ausgesprochen atmosphärisch.
Fest kommt am Ende zu der Erkenntnis:" Speer hat uns allen mit der treuherzigsten Miene von der Welt eine Nase gedreht. Und als „Vorzugskind des Schicksals", als das er sich lebenslang betrachtet hat, passt, dass er kurz vor der Enthüllung die Bühne verließ oder richtiger: von der Bühne genommen wurde. Auch das Schicksal betrachtete ihn als eine Art „darling"."
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