Einen Krimi würde ich dieses Buch nicht nennen, dafür ist es nicht spannend genug, und ich hätte gerne gleich gewusst, dass sich die ersten beiden Seiten auf eine Vorgeschichte beziehen, die über 100 Jahre vor der eigentlichen Erzählung spielt. Beeindruckend ist die Darstellung der klaustrophobischen Atmosphäre - der Mensch ist gefangen in Konventionen, seinem Milieu, seiner Familie, seiner Kleinstadt, in der für Außenseiter kein Platz ist. Der eine Außenseiter - der 18jährige Efisio Marini, der "Held" unserer Geschichte, der die Verbrechen aufklärt, wird fort aufs Festland gehen, der andere, Serafino Ampurias, den der Autor an einer Stelle als "Inbegriff des Bösen im Menschen" bezeichnet (wobei es ihm, meiner Meinung nach, nicht glaubhaft gelingt, Ampurias als solchen darzustellen) wird vom Vater des Mannes ermordert, den er selbst ermorden ließ. Es geht um Schuld und - im archaischen, tödlichen Sinn - Sühne und die Schwierigkeiten des Intellektuellen - Efisio - Gehör und Akzeptanz bei den Indifferenten zu finden. Aus Habgier kommt es zu einer wahren Kette von Morden, aber am Ende stehen alle - außer vielleicht Efisio, der um eine Erfahrung reicher ist - mit leeren Händen da, der Schatz ist und bleibt verschwunden. Es scheint sich bei dieser Erzählung um den Anfang einer ganzen Serie von Efisio-Geschichten zu handeln, und vermutlich ist es sinnvoll, dieses Buch vor den anderen bereits auf Deutsch vorliegenden zu lesen.