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Die totale Erinnerung. Kim Jong Ils Nordkorea
 
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Die totale Erinnerung. Kim Jong Ils Nordkorea [Gebundene Ausgabe]

Christian Kracht , Eva Munz , Lukas Nikol
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 136 Seiten
  • Verlag: Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins; Auflage: 1 (27. August 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3807710205
  • ISBN-13: 978-3807710204
  • Größe und/oder Gewicht: 28,4 x 19,2 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 448.251 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

kulturnews.de

Christian Kracht ist ein Provokateur. Und so liest man auch den Bildband „Die totale Erinnerung", den Kracht gemeinsam mit den Fotografen Eva Munz und Lukas Nikol veröffentlicht hat, erst einmal als Provokation. Fotos von einer Reise nach Nordkorea, Bilder eines schönen, friedlichen, in sich ruhenden Landes, ohne Hunger, ohne Gewalt. Dazu nicht etwa Kritik, nur Zitate aus dem Buch „Über die Filmkunst" von Diktator Kim Jong Il. Da liegt es nahe, die Autoren als Wirrköpfe zu sehen, die begeistert von ganz rechts (Krachts Romane stehen grundsätzlich unter Faschismusverdacht) nach ganz links jagen. Doch tatsächlich sind die affirmativen Bilder in „Die totale Erinnerung" weit kritischer, als es jede direkte Kritik sein könnte: Kracht, Munz und Nikol zeigen ein Land als Filmkulisse, als reine Inszenierung, friedlich und unecht. fis

Kurzbeschreibung

Fotos aus einem Land, von dem es keine Fotos gibt.

Mit einem Text von Christian Kracht.

Die paar tausend Ausländer, die jährlich nach Nordkorea reisen, bekommen nur das zu sehen, was sie sehen sollen: Fast alles wird eigens eingerichtet. Statisten repräsentieren das Volk. Man sieht Konsumgüter, die es nicht zu kaufen gibt. Selbst der Besuch eines U-Bahnhofs wird inszeniert. Der Publizist Christian Kracht: "Dem nichtkoreanischen Gast wird beim Besuch des U-Bahnhofs in Pjöngjang eine "Scheinfahrt" gezeigt, deren Perfektion erst durch kleine Fehler offenbar wird; etwa die verkehrt herum gelesene Zeitung eines Soldaten, die etwas zu lange andauernde Beschäftigung eines Passanten mit seinen Schuhbändern oder die befremdlich wirkende, große Anzahl von Frauen in koreanischer Nationaltracht." Nahezu nichts, was ausländische Besucher zu sehen bekommen, ist wahr. Zyniker (oder Weise) meinen sogar, die Atomwaffenlabors Nordkoreas seien nichts anders als Fakes für die Teleobjektive der US-Spionagesatelliten. Kim Jong Ils Volksrepublik ist - für den Außenstehenden - ein virtuelles Land, einen Simulation, eine Mischung aus Doom und Toy Story.

Eva Munz, Lukas Nikol und Christian Kracht sind nach Nordkorea gereist, um Bilder von einem Land zu machen, von dem es keine (echten) Bilder gibt. Auf 108 Farbtafeln geben sie einen Einblick in die gigantische Theaterkulisse Nordkorea. Die Fotos sind kommentiert mit Zitaten aus .Kim Jong Ils Standardwerk "Über die Filmkunst". Der Bildband heisst "Die totale Erinnerung" - Kim Jong Ils Nordkorea. Die Bildreportage der riesigsten Filmkulisse der Welt, der einzigen mit Nuklearwaffen - oder auch nicht. Kracht, Munz & Nikol "Die totale Erinnerung". 108 Farbbilder. 136 Seiten. Fester Einband. R&B.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kimilsungia und Kimjongilia 5. November 2006
Von uk
Kracht, Munz und Nikol führen uns mit dem vorliegenden Bildband in eine Welt von der wir scheinbar nichts wissen, die zum Schein existiert, Minute für Minute geplant für uns, den Besucher.

Die unangestrengt wirkenden Farbaufnahmen zeigen, das entnehmen wir nicht zuletzt Krachts einleitendem Text, Nordkorea als permanente Inszenierung: eine für den ausländischen Gast erdachte Choreographie aus Ideologie und sozialistischem Idealbild, durchdrungen von einer unbedingten, doch ohne Zweifel auch echten Liebe des Menschen zu seiner Heimat und dem Glauben an sein Land.

Begleitet von Zitaten aus dem umfangreichen Schaffen des lieben Führers Kim Jong Il schauen wir auf ein Pjöngjang das sich im besten Licht präsentieren möchte, auf sauber gefegte Plätze, auf Prachtbauten in absurden Dimensionen, auf fröhliche Menschen die gutgelaunt Blumen vor einer Statue des großen Führers niederlegen. Wir sehen verträumte Flusslandschaften, hinter den Hügeln das Mayday-Stadion, die spektakuläre Präzision der Mass Games.

Erst auf den zweiten Blick nehmen wir die völlige Abwesenheit gelernter Zeichen einer Großstadt zur Kenntnis: hier gibt es keine Werbeflächen die uns neueste Produkte empfehlen, keine Neonreklame bei Nacht, nicht die gewohnt hektische Betriebsamkeit auf den Plätzen, und auch die Straßen und Boulevards sind abgesehen von uniformierten Beamtinnen, die auf Kreuzungen den imaginären Verkehr regeln, verdächtig leer. Abseits der von Staats wegen geplanten touristischen Routen erahnen wir das Ende der Illusion, der wunderbare Traum vom sozialistischen Glück kehrt sich in die betongraue sozialistische Realität.

Dieses handliche, gut gemachte Buch ist auf dem deutschsprachigen Buchmarkt bis dato thematisch eine Einmaligkeit. Die ultrarealistische Bildsprache der Fotografien von Munz und Nikol, unaufgeregt und beinahe wie im Vorübergehen aufgenommen, in Ergänzung mit Krachts Text ein Glücksfall. Allein aus diesem Grund schon meine unbedingte Kaufempfehlung!
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14 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich war noch nie in Nordkorea. Ich war sogar noch nie in Asien. Das macht aber ja nichts, weil Christian Kracht und seine Freunde ueberall hin fahren fuer mich, und wenn es nur wegen der Stempel im Pass ist.

Eva Munz und Lukas Nikol haben in diesem fein anzufassenden Band (Querformat, laesst sich hervorragend an den kurzen Seiten in einer Hand tragen, zum Beispiel beim Marsch durch andere Filmkulissen wie London) Bildeindruecke aus Nordkorea versammelt, und der komplizierteste Ironiker der deutschen Gegenwartsliteratur Christian Kracht hat eine noch schoeneren Text dazu geschrieben. Es werden zur Enttaeuschung aller Feuilletonmitarbeiter wenig Markenartikel erwaehnt und auch der Dandyismusverdacht greift diesesmal etwas kurz.

Stattdessen finden sich Photographien, die aus der Zeit gefallen scheinen, denn sie tragen eine Patina wie wir sie aus Guido Knopps grossartigen ZDF-Historienfilmen ueber die deutschen Versuche am Totalitarimus kennen.

Die Juche-Philosophie, eine nordkoreanische Spezialitaet, kann jeder Einzelne versuchen in den vielen Farbtafeln wieder zu finden, und es empfiehlt sich ein Oszillieren zwischen Krachts einleitenden Worten und den Farbphotographien von Munz und Nikol. Die Zitate aus Kim Jong Ils Standardwerk zur Filmkunst sind zwischen oder gar in die Photographien montiert, und ein Schelm oder ein Feuilletonist wer Boeses dabei denkt: Ganz offensichtlich hat naemlich Kim Jong Il alles verstanden, er ist, frei nach Emmanuel Carrere einer der wenigen, der den Mann am Tresen gesehen hat, welcher das Bierglas einschenkt (und wir alle leben im Sonnensystem, das lediglich eine Luftblase im Bier darstellt). Vielleicht aber auch haben stattdessen Kracht, Munz, und Nikol endlich fuer uns aus dem Bierglas geschaut und uns mit anruehrend schoenen Bildern und Worten gezeigt, das nicht alles immer so ist es wie es scheint. Lieber Doktor El Baradei, kaufen Sie sich dieses Buch und geben Sie es nie wieder her.

Wenn ich nun gleich heim spaziere und mich auf zahlreichen CCTV-Kameras verewige, denke ich an Nordkorea, die groesste Filmkulisse der Welt, und dies alles dank dieses schoenen Buchs. Dass es nur beim Versand Zweitausendeins (2001) zu erwerben ist, wuerde Stanley Kubrick, Arthur C Clarke, und nicht zuletzt den Filmfreund Kim Jong Il sicher sehr freuen.
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