Jörg Magenau muss die taz lieben. Sonst wäre er nicht fähig, ein solches Buch über eine Zeitung zu schreiben, in dem er viele interessante Details aufdeckt, ohne detailverliebt zu sein. Ich habe mir die Hörbuch-Ausgabe besorgt, war zunächst skeptisch: Die Geschichte der taz - da wird bestimmt viel trockene Politik besprochen. Aber da irrte ich gewaltig. Politische und andere Themen, über die die taz bis heute berichtet, werden erwähnt - vor allem die heißen politischen Zeiten aus den Anfangsjahren. Und doch geht es hier in erster Linie um die Zeitung selbst: Da wird von einem Leserbrief erzählt, der auf der Titelseite landete. Von den zahlreichen Nullnummern, bis die taz endlich regulär erschien. Zunächst wurden die Redakteure nie pünktlich fertig. Von der Standortverlegung von Frankfurt nach Berlin und sogar von der taz-Kantine. Aufschlussreich ist auch die Passage über die zwangsläufige Kommerzialisierung, denn ganz ohne Einnahmen für Werbeseiten konnte auch die taz nicht existieren, obwohl sie es zunächst vermied, allzu viel Werbung ins Blatt zu lassen. Ich muss gestehen, dass ich die taz nur zweimal in meinem bisherigen Leben gelesen habe, aber Ruf und Gestaltung sind mir dennoch vertraut, seit ich als Teenager im Zimmer meines studierten Vetters einen großen Stapel alter taz-Ausgaben vorfand. Schon damals spürte ich, dass diese Zeitung eine ist, die sich von anderen abhob. Und das tut die taz bis heute. Auf wohltuende Weise.