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Die tausend Tage der Anna Michailowna [Gebundene Ausgabe]

Helen Dunmore , Edda Petri
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

2003
Wie schreiben 1941. Leningrad wird von den deutschen Truppen belagert, und der endlose russische Winter rückt unaufhaltsam näher. Man weiß aus der Geschichte, dass Tausende verhungern oder erfrieren werden, bevor der nächste Frühling kommt, doch Helen Dunmore ist keine Autorin, die uns mit der der Moral von Zahlen kommt. Sie wirft den Leser in das Leben der 23jährigen Anna Michailowna Levin, einer begabten Malerin, die gerne auf die Kunstakademie gegangen wäre, wäre nicht ihre Mutter bei der Geburt des inzwischen 5jährigen Koljas gestorben. Für Anna ist der 18 Jahre jüngere Bruder mehr ihr Kind, ein zartes Kind, um dessen Überleben sie nun, in den Zeiten der Belagerung, besonders fürchtet. Auch Annas Vater, der kränkelnde Schriftsteller Michail Iljitsch, der sich mit dem Regime überworfen hat und Schreibverbot bekam, lebt bei Anna, die die alleinige Sorge für den Unterhalt der Familie trägt. Dafür geht sie in einem Kindergarten arbeiten, versucht Gemüse zu pflanzen, stellt sich stundenlang an, um Lebensmittel zu bekommen, die immer knapper werden, verweigert einer Nachbarin die Axt, die sie selbst braucht, um bei Eisestemperaturen Holz zu hacken. Es ist fast ein Wunder, als die ehemalige Geliebte des Vaters, die Schauspielerin Marina, eines Tages auftaucht und Köstlichkeiten wie Honig, Marmelade und Schmalz mitbringt Als Leningrad sich vor der Blockade zur Verteidigung bereitmacht und alle aufgerufen sind zu helfen, wird Annas Vater verletzt. Anna lernt den Arzt Andrei kennen, und ein zarte Liebesgeschichte enstpinnt sich zwischen den beiden jungen Menschen vor dem Hintergrund unendlich schwerer Wochen und Monate, in denen man sich jeden Tag die Frage stellt, wie man überleben kann mit einer Scheibe Brot, in der der Hunger so groß wird, dass man Leder und Tapeten auskocht, um Suppe daraus zu machen, und der Winter so kalt, dass man erst die Möbel verbrennt und dann die Bücher. Während der Schriftsteller Michael und die Schauspielerin Marina sterben, werden Anna, Adrei und Kolja den nächsten Frühling erleben, der Hoffnung verspricht. In einem Roman, in dem jede Szene so eindringlich und genau beschrieben ist, dass die Worte dem Leser schmerzhaft unter die Haut gehen, macht Helen Dunmore einen riesigen Schritt in Richtung Weltliteratur. Und Anna ist eine wahre Heldin unserer Zeit zärtlich in der Liebe, leidenschaftlich in der Kunst und unbeugsam in ihrem Willen zu überleben.


Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 414 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe; Auflage: 1 (2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3785721277
  • ISBN-13: 978-3785721278
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 12,6 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 939.561 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Helen Dunmore, aufgewachsen in Yorkshire, lehrte in Finnland Englisch, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Sie hat zahlreiche belletristische Romane und Kinder- und Jugendbücher verfasst, die vielfach ausgezeichnet wurden.

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Kundenrezensionen

3.8 von 5 Sternen
3.8 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warnung! Nichts für Zartbeseitete 9. Januar 2004
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe gerade mit grosser Erschütterung das Buch der HELEN DUNMORE DIE TAUSEND TAGE DER ANNA MICHAILOWNA gelesen. Ein Buch, dass ich "zarteren Gemütern" nicht empfehlen kann, das mir aber wahrscheinlich unvergesslich in Erinnerung bleiben wird. Wer von uns wusste eigentlich, dass 1941 in Leningrad beinahe eine Million Menschen an den Folgen einer Hungersnot gestorben sind? Ich muss gestehen, ich wusste es nicht. Wahrscheinlich ist uns diese Tatsache aber auch bewusst vorenthalten worden, zum Einen weil unsere Eltern und Grosselten während der Zeit selbst um die eigene Haut zukämpften hatten und deshalb auch nur wenig Mitgefühl für das Leiden Anderer aufbringen konnten und dann weil Deutschland an dem Unglück auch nicht unbeteiligt war. Wobei der eigentliche Hunger (wenn auch nicht in diesem schrecklichen Ausmass) begann ja in Deutschland erst 1944 nach dem Krieg und das auch vorrangig in Grossstädten. Ich habe da immer noch sehr plastisch die Schilderungen meiner Mutter vom"Hamstern" in Erinnerung, Schmuck gegen Kaffee, Kaffee gegen Speck, Speck gegen Eier usw.

In diesem Buch nun wird aber der nackte Überlebungskampf geschildert am Beispiel der 23 jährigen Anna, die versucht ihren 5 jährigen Bruder und ihren kranken Vater mit allen Mitteln am Leben zu erhalten. Da werden Haustiere verspeist, Tapetenkleister mit Schuhsohlen zur Suppe verarbeitet, da wird ein wertvolles Medaillon gegen 200 g Brot getauscht, da wird geplündert, da tritt das Böse, aber auch das Gute im Menschen offen zutage, da werden Familienerbstücke oder wertvolle Bücher verheizt, um nicht zu erfrieren.... Ein Buch, bei dem einem wahrlich das Essen im Halse stecken bleibt! Dazu aber noch seltsam tröstend, eine zarte Liebesgeschichte zwischen Anna und dem Arzt Andrej. Wer sich dieses authentische, wunderbar klar geschriebene und glaubwürdige Buch "zumuten" mag, dem sei es sehr ans Herz gelegt!

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein erschütternder Roman 30. Dezember 2003
Format:Gebundene Ausgabe
Wer weiß schon etwas über die fast dreijährige Belagerung Leningrads durch die deutschen Truppen im 2. Weltkrieg, weil lt. Führerbefehl die weitere Existenz der 4-Millionen-Stadt nicht von Interesse war? Ich wußte es nicht, obwohl ich mich für nicht allzu ungebildet halte. Über die Blockade von Berlin und die Rettungsaktion der Alliierten, bekannt unter der Bezeichnung Luftbrücke, sind wir wohl noch immer bestens unterrichtet! Die Zahl der Menschen, die der Blockade Leningrads durch die Deutschen zum Opfer fielen, ist nicht genau bekannt, es waren wohl mehr als eine Million. Es ist ein Roman, der einfach unter die Haut geht. Ich war erschüttert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein "anderes" Kriegsbuch 30. September 2005
Von Christine
Format:Taschenbuch
Ein Kriegsbuch der ganz anderen Art. Das Buch kommt gänzlich ohne Kampfszenen an der Front, ohne blutrünstige oder deftige Kriegsschilderungen aus und trotzdem verbreitet es eine Erschütterung, eine Betroffenheit, wie ich es kaum aus einem anderen Buch kenne. Helen Dunmore ist eine ganz wunderbare Erzählerin. Der Krieg mitsamt seinen Auswirkungen ist allgegenwärtig, dennoch wird nur der Alltag der Menschen geschildert. Der blanke Kampf ums Überleben, die Brotration, die zumindest für den nächsten Tag das Überleben sichert, das Stück Holz, das wieder ein paar Stunden Wärme gibt, ebenso das wachsende Misstrauen der Menschen untereinander und die Manipulation durch das Regime werden so authentisch und erschütternd beschrieben, dass es einem die Sprache verschlägt.
Betonen möchte ich nochmals die wunderbare Sprache; kein Drücken auf die Tränendrüse, keine Sentimentalitäten, selbst die sich anbahnende Liebesbeziehung zwischen Anna und Andrej ist frei von jeglichem Kitsch.
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