Es gibt Erzählungen, die sind handwerklich gut gemacht. Eine kleine Geschichte wird da mit den erlernten Praktiken der guten Leipziger-Instutus-Schule zu einer schönen, runden technisch sauberen Erzählung. Schön. Aber leider harmlos. "Sauber" trifft es da schon gut. Wie schön ist es doch, dann auf die Erzählungen von Finn Ole Heinrich zu stoßen. Herrlich atmosphärisch, nie anbiedernd, nie belehrend und trotzdem so tief. Aus harmlos wirkenden Sätzen, die so unaufgeregt daherkommen, als würde da jemand übers Wetter philosophieren, entwickeln sich plötzlich unglaublich spannende Geschichten, die in ihrer Tiefenwirkung so ziemlich alles schlagen, was es derzeit auf irgendwelchen Ingeborg-Bachmann-Feten zu beglotzen gibt. Man beginnt zu lesen und legt die Erzählungen nicht mehr weg. Bei den kurzen Stücken beeindruchen vor allem die gewählten Bilder und bei den längeren Texte ist es wohl die Gesamtkomposition - das Gefühl mittendrin zu stecken. Das ist ganz großer Erzählsport! Ich bin beeindruckt.