Geschichten, die sich mit der Unterdrückung von Frauen beschäftigen, sind niemals wirklich mainstreamtauglich geworden. So mancher Produzent sieht dafür kein Publikum. Um so mutiger von Tom Tykwer sich gleich mit seinem Debütfilm in eine Tradition zu stellen, die in Deutschland schon mit 'Effi Briest' im 19. Jahrhundert vorhanden war und im Film von Rainer Werner Fassbinder in den 70er Jahren mit Werken wie 'Martha' fortgesetzt wurde. 'Die tödliche Maria' ist ein eindringliches Portät einer von ihrem Vater und ihrem Ehemann völlig beherrschten Frau, die sich allerdings nicht damit zufrieden geben will, nur das Opfer zu sein, und beschließt Rache zu nehmen. Dabei fokussiert der Film ganz auf die Perspektive seiner psychisch geschädigten Hauptfigur und lässt den Zuschauer ihre Verzweiflung und Wut hautnah miterleben. Dank kreativer Kameraführung und treibender Musik ergibt sich so ein kritischer und verstörender Film
Marias Mutter starb bei ihrer Geburt und sie wurde daher von ihrem Vater alleine großgezogen. Dieser jedoch erzog seine Tochter zu seiner persönlichen Dienerin und bestrafte sie schwer, für jeden Versuch des Ausbruchs aus der gemeinsamen Wohnung. Nun ist Marias Vater krank und pflegebedürftig und sie selber mit einem Mann verheiratet, der sie auch nur als Sklavin sieht. Doch als sie einen sympathischen Mann aus der Nachbarschaft kennen lernt, der ihr als erster eine Wertschätzung als Person entgegenbringt, beginnt Maria ihr gesamtes bisheriges Leben zu hinterfragen. In Flashbacks werden die erniedrigenden Situationen ihres Lebens gezeigt, die sie schließich zu einer Art Gefangenen in der Wohnung des Vaters gemacht haben. Wütend geworden, beschließt sie gegen ihre Unterdrücker zu rebellieren'
Während Tom Tykwers Story zwar prinzipiell gut durchdacht und schlüssig ist, tappt sie doch stellenweise ein bisschen zu sehr in bekannte Klischees. Der ultrastrenge Vater, der von Josef Bierbichler sehr teuflisch gespielt wird, vermag zwar zu erschrecken, bleibt aber ein wenig eindimensional, genau so wie Marias Mann. Im Gesamtkontext spielt das aber keine so große Rolle, da der Film seine ganze Anstrengung darauf verwendet, das gestörte Innenleben Marias zu zeigen. Dazu werden immer wieder Aufnahmen der beengenden Wohnung und der immer gleichen Arbeiten, zu denen Maria Tag für Tag verdammt ist, gezeigt, die auch durch die Untermalung mit düsterer Musik etwas enorm beängstigendes haben. So ergibt sich das Bild einer wehrlosen Frau, der durch den übermächtigen Vater jeglicher eigener Wille ausgetrieben wurde. Der Film nimmt sich sehr viel Zeit für die genaue Charakterisierung seiner Hauptfigur durch Rückblenden und lässt Marias Rebellion gegen ihre Männer erst im letzten Drittel beginnen. Das verlangt zwar stellenweise dem Zuschauer ein wenig Geduld ab, ist aber eine sehr effektive Methode, um den Film wirklichen Gehalt zu geben und vom bloßen Horror abzugrenzen, der nur stellenweise richtig durchschlägt.
'Die tödliche Maria' überzeugt daher in erster Linie als radikales Psychogramm, das von den vielen kleinen kreativen Einfällen des Regisseurs und Autors lebt. Marias Sammelleidenschaft und ihre seltsame Beziehung zu einem Holzmännchen aus ihrer Kindheit geben der Hauptfigur interessante Konturen. Die Idee sie am Ende gegen ihre Peiniger vorgehen zu lassen, passt gut in die 90er Jahre, die mit Figuren wie Thelma und Louise einige wehrhafte Frauen auf der Leinwand präsentierte. Tykwers Maria ist jedoch in ihrer übermäßigen Introvertiertheit eine ganz eigene Figur.
Tom Tykwer ist also jedenfalls ein überzeugender und intelligenter Debütfilm gelungen, der wohl viel dazu beigetragen hat, dass seine Karriere bald darauf ganz steil nach oben ging.