Oje, oje, was hab ich da nur gekauft. Ein scheinbares Feuerwerk an Informationen. Doch so richtig hilfreich für den Alltag ist dieses Buch nicht. Aber erst einmal zum Inhalt (wer es nicht so genau wissen will, kann auch direkt nach unten zu MEIN FAZIT gehen):
Vorsicht Gift - Die Alarmglocken schrillen: Hier wird von der asiatischen Bedrohung gesprochen, von profitgierigen chinesischen Produzenten, dem neuen Schadstoffregister.
Danach geht es darum, wie unser Körper auf Umweltgifte reagiert. Von weißen Blutkörperchen und anderen Methoden der Immunabwehr. Man erfährt wo im Körper Gifte gespeichert werden und wie sich Toxine auswirken.
Die nächsten 4 Seiten handeln von den Xenobiotics, den heimlichen Krankmachern, und wie sich diese im Körper verhalten. Zu den Xenobiotics zählen zum Beispiel natürliche Substanzen, die sich in exzessiven Konzentrationen metabolisch umstrukturieren (z.B. Nitrate zu Nitriten/Nitrosaminen). Des Weiteren werden giftige Pilze, z.B. Schimmelpilze zu den Xenobiotics gezählt. Oder Stoffe, die Luft und Wasser verschmutzen. Vor allem aber Medikamente, Agrargifte, Zusatzstoffe in Lebensmitteln, etc.
Wer ist betroffen? Jung oder Alt, Stadt oder Land? Oder gar alle gleichermaßen?
Es folgt auf über siebzig Seiten das große Geschäft mit Gift- und Schadstoffen: Düfte, Geschmack und Aussehen. Man erfährt, dass in der nordchinesischen Provinz Hebei die Kassen klingeln, weil dort die Einkäufer großer Lebensmittelketten bevorzugt künstliche Duft- und Geschmacksstoffe einkaufen, und dass Natur heute keine Rolle mehr spielt. Immerhin gibt es hier auch interessante Informationen: zum Beispiel wie Geruchsrezeptoren arbeiten, oder in welche Klassen Aromastoffe eingeteilt sind: Natürliche Aromastoffe, Naturidentische Aromastoffe, etc. Danach geht es weiter mit Salz, Zucker, Glutamat, Farbstoffen, Fake Food und Nano sowie Zusatzstoffen, Konservierungsstoffen. Zuletzt spricht der Autor auch noch den Pflanzenschutz an und thematisiert die Auswirkungen von Schädlingsbekämpfungsmitteln, Schadstoffe im Tierfutter sowie die Interessen der Industrie.
Die nächsten elf Seiten widmen sich dem Wasser. Von der Bedeutung als Trinkwasser über die Toxine, die sich im Erdreich und Wasser befinden, bis zum sauren Regen. Keine Tipps, worüber man sich z.B. erkundigen sollte, keine Nennung von besonderen Risiken, ab wann man das Trinkwasser z.B. nicht mehr für die Babynahrung vewenden sollte. Nur allgemeine Informationen, die einem im Alltag nicht wirklich weiterhelfen.
Die Luft: Stickstoffoxide, Feinstaub und Co. Und der Schlussabsatz dieses Kapitels beginnt mit den 'überaus hilfreichen' Worten: "Nahezu alles, was wir essen, berühren oder einatmen, ist chemisch belastet. Daher rührt das Gebot, noch mehr auf die Gesundheit zu achten, vor allem die Hauptrisiken zu meiden: Übergewicht, Bluthochdruck und durch Ernährungs- und Bewegungsdefizite verursachte Syndrome. ..." Aha! Was hat diese Feststellung nun mit der Luft zu tun? Aber immerhin geht es mit etwas Interessantem weiter:
Das Geschäft mit der Schönheit: Die Kosmetik. Man erfährt, dass Chemie-Toxine in Seifen, Lidschatten und Co. stecken. Leider zunächst ohne genaue Angabe welche Chemie-Toxine dies nun genau sind. Gerade das wäre aber eine hilfreich gewesen, und nicht die Information, dass eine in Shenzhen (China) für sechs Euro hergestellt Marken-Sonnenbrille hierzulande für bis zu 280 Euro verkauft wird. Sie ahnen es schon, es geht gewissen Unternehmen an den Kragen. Der Autor scheut sich nämlich nicht Namen zu nennen. Immerhin, weiter hinten werden dann doch noch ein paar der giftigen Zutaten genauer benannt. Leider etwas unübersichtlich und unvollständig. Meine Bitte: eine VOLLSTÄNDIGE, KLAR STRUKTURIERTE Tabelle, die das aufgreift, was im Kleingedruckten auf den Verpackungen steht, beschreibt und die Risiken analysiert. Wenn ich z.B. die Verpackung meines
Dusch- & Badegels nehme, dann stehen da Dinge wie Xanthan, Hamamelishydrolat, u.a. Eigentlich hatte ich gehofft, dass ich hier in diesem Buch weiterführende Informationen zu diesen Inhaltsstoffen finde. Ähnlich wie in Hans-Ulrich Grimms
Ernährungsfalle, wo die Zusatzstoffe in den Lebensmitteln akribisch aufgelistet sind.
Des Weiteren werden in Sachen 'Schönheit' noch Gifte in der Kleidung angesprochen, Kontaktekzeme (Nickel, etc.), Neurodermitis, die durch Umweltgifte entsteht, Haarprodukte, Zahnprodukte, und mehr.
Der Schlussteil beginnt mit Reinigungsmitteln und endet mit den Gefahren für Kinder. Es werden hier z.B. verschiedene Waschmittel vorgestellt. Leider habe ich jedoch gerade die umweltfreundlichen, kompostierbaren
Waschnüsse nicht gefunden. Statt dessen bezeichnet Klaus Oberbeil Baukastenwaschmittel als vernünftige, umweltschonende Kombination. Aha!
Wer Studien oder Quellenangaben sucht, sucht vergeblich. Statt dessen findet der Leser am Ende mehrere Adressen, z.B. von Verbraucherschutzverbänden, die Telefonnummern für den Giftnotruf, und ähnliches. Immerhin ist ein Stichwortregister vorhanden.
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Ach ja, und die Alternativen zur Giftmischerei:
Auf den letzten ZEHN (!) Seiten erhält der Leser
- Oberflächliche Informationen zum Einkauf
- Sowie ein paar ähnlich oberflächliche Ideen für Naturkosmetik. Besser macht es
Die Hausapotheke: Bewährte Naturheilmittel zur Selbstbehandlung.
Klaus Oberbeil schreibt zum Beispiel, man möge das Zutatenverzeichnis studieren, und verweist auf nachfolgende "Infos". Ich frage mich nur, welche "Infos" er meint. Die selektive Auflistung von Zutaten, die Unverträglichkeitsreaktionen auslösen können? Da stehen dann zum Beispiel Milch, Senf, Sesamsamen ... Aha! Da kenne ich bessere Informationsquellen, zumindest für den Einkauf von Lebensmitteln. Zum einen wäre Hans-Ulrich Grimms
Ernährungsfalle zu nennen. Zum anderen die
64 Grundregeln ESSEN von Michael Pollan.
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Mein Fazit:
Ein Buch, das mir nicht wirklich geholfen hat. Das liegt zum einen daran, dass der Autor zwei Dinge vermischt. Er will Informationen vermitteln und prügelt gleichzeitig auf der Industrie ein, bevorzugt auf chinesischen Lieferanten oder Großkonzernen. Dabei ist das Feuerwerk an Schreckensmeldungen meistens oberflächlich dargestellt. Und manche Hiebe auf die Industrie sind schlichtweg unangemessen. Beispiel: Gibt es denn nur in der chinesischen Provinz Hebei Aroma-Mischer? Oder sind diese nicht doch auch in anderen Ländern präsent?
Wer darauf hofft, hier übersichtlich und klar Informationen zu finden, die bei der Analyse des Kleingedruckten auf Verpackungen weiterhelfen, der hofft vergeblich. Was steckt hinter den Inhaltsstoffen? Was sind die Risiken? Was ist ungefährlich? Zwar werden teilweise im Text Informationen hierzu gestreut, diese sind jedoch unübersichtlich und unvollständig. Also nicht hilfreich.
Hinzu kommt, dass die Alternativen, wie man es besser machen kann, zu kurz und knapp dargestellt werden. Hier hatte ich ausführliche Hilfestellungen erwartet, da der Buchtitel unter anderem verspricht: "Wie wir uns davor schützen können." Aber der Autor kennt ja noch nicht einmal Waschnüsse...
Kurz und gut:
Möge dieses Buch für Sie hilfreicher sein, wenn Sie es kaufen.
Für mich war es ein Fehlkauf.