Neue Zürcher Zeitung
Fatou Keïtas erster Roman
Von vielen Romanen über Frauenschicksale aus den letzten zwanzig, dreissig Jahren unterscheidet sich «Die stolze Rebellin» von Fatou Keïta dadurch, dass sie keine leidende Verliererin zeigt. Die Autorin aus Côte d'Ivoire, die vor ihrem Roman zwei erfolgreiche Kinderbücher publiziert hat, lässt ihre Protagonistin Malimouna schon früh den schwierigen Existenzbedingungen afrikanischer Frauen entkommen: Durch glückliche Umstände entgeht sie der Klitorisbeschneidung; der erzwungenen Heirat mit einem alten Mann entzieht sie sich mit einer mutigen Flucht aus ihrem Dorf.
Ein wechselvolles Leben, das zunehmend von einem feministisch-sozialen Engagement geprägt wird, bringt sie nach Abidjan, nach Paris und wieder zurück nach Afrika. Wechselvoll sind auch die Liebeserfahrungen, die mit einer Enttäuschung über die afrikanischen Männer endet.
Zwangsverheiratung, Polygamie, Gewalt und Abhängigkeit sowie unerträgliche Arbeitsbelastung sind die klassischen Motive jener Literatur von afrikanischen Autorinnen und Autoren, die sich seit langem der weiblichen Existenzbedingungen angenommen haben. Dass Fatou Keïta die Beschneidung der Frau thematisiert, ist eher neu. Hier leistet sie gewiss eine wichtige Arbeit, die überdies frei ist von sensationslüsternem Voyeurismus. Allerdings befriedigt die Auseinandersetzung mit dem Problem nicht restlos. Die Autorin lässt Malimouna die europäische Qualifikation der Beschneidung und ihrer Akteure als «brutal» zurückweisen, in ihrer Diskussion des Themas geht sie aber nicht wirklich über dieses Argument hinaus. Es fehlt etwa eine Herleitung der Beschneidungspraxis aus den entsprechenden kulturellen Bedingungen.
Auch Fatou Keïtas Schreibweise überzeugt nur teilweise. Sie arbeitet zwar mit zeitlichen Aussparungen; sie konstruiert eine komplexere Erzählsituation, indem sie Malimounas Lebensgeschichte als Erinnerung in einer Extremsituation erzählt. Doch dieses Erzählen bleibt gradlinig und realistisch. Es fehlt ihm jene Radikalität, die der Erzählsituation und dem Thema angemessen wäre.
Heinz Hug
Perlentaucher.de
Anstatt wie gewöhnlich eine "leidende Verliererin" zu zeigen, lobt Rezensent Heinz Hug, unterscheidet sich die von der Elfenbeinküste stammende Autorin durch die Zeichnung einer afrikanischen Frau, der ein frühes Entkommen aus ihren "schwierigen Existenzbedingungen" wie "Zwangsheirat, Polygamie, Gewalt und Abhängigkeit" gelingt. Hug hebt hervor, dass hier eine wechselvolle Geschichte erzählt wird und auch die ehrliche und sachliche Auseinandersetzung mit der weiblichen Beschneidung gefällt ihm. Nur die Sprache der Protagonistin und die Anlage der Erzählsituation würden der Radikalität des Themas nicht gerecht.
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