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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Kleinod,
Rezension bezieht sich auf: Die souveräne Leserin (Gebundene Ausgabe)
Ich bin so begeistert von diesem herrlichen Büchlein. Fange ich mal mit dem Äußeren an: Der Umschlag ist purpurrot und seidig, das Bild darauf zeigt eine neugierige Queen. Und genau das ist sie in der Geschichte: Die Queen - ja, hier dreht es sich um Elisabeth II - entdeckt zufällig die Welt der Bücher. Sie, bei der vorher alles geplant und exakt organisiert ablief, bei der selbst die Gesprächsthemen mit Partygästen immer nach dem gleichen Muster verliefen, liest leidenschaftlich und bewegt sich dadurch nach und nach aus gewohnten Bahnen, spricht andere Themen an, stellt andere Pagen und läd andere Gäste ein und verbringt mal einen ganzen Tag (lesend) im Bett. Ihre Umgebung ist natürlich "not amused". Herrlich, wie der Herzog von Edinburgh charakterisiert wird, wie Gesten und Reaktionen der Queen von Bennett beschrieben werden. Ich kann beide förmlich vor meinem inneren Auge sehen. Beschrieben werden auch steife und karrierebewusste Hofbedienstete, der unscheinbare aber belesene Verbündete der Queen, Vertreter aus dem Volk, die etwas ganz bestimmtes von der ersten Frau im Staat erwarten und irritiert sind, wenn diese menschliche Züge hat und Autoren, die wunderbar schreiben können aber auch laut und ichbezogen auftreten. Die Queen lernt es, aus dem Auto heraus herrschaftlich zu winken und dabei unauffällig zu lesen. Ich habe dieses Buch auch praktisch nicht aus der Hand gelegt, bevor ich es von vorne bis hinten durchgelesen hatte und musste dazu auch "Multitaskingfähigkeiten" beweisen. Dieser Einsatz lohnte sich!
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96 von 108 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Ein Buch ist ein Sprengsatz, um die Fantasie freizusetzen...",
Rezension bezieht sich auf: Die souveräne Leserin (Gebundene Ausgabe)
...diesen Satz ruft die Queen empört aus, nachdem man ihre Lektüre, die sie auf dem Weg zur Parlamentseröffnung heimlich in der Kutsche las und zwischen den Polstern versteckte, versehentlich für eine Bombe hielt.
Dies ist nur einer von vielen ironisch-heiteren Höhepunkten in einer beißend-komischen Liebeserklärung an das Lesen. Alan Bennett hat sich "Die souveräne Leserin" ausgedacht und beglückt die Leser mit einer Hommage an das Buch. Die englische Königin, wie wir sie alle zu kennen glauben: Diszipliniert, freundlich und gewandt im SmallTalk über alle unverfänglichen Themen dieser Erde, versagt sie sich persönliche Vorlieben und Hobbies, um niemanden auszuschließen. Eines Nachmittags folgt sie ihren verwöhnten Hunden in einen bislang nur sehr selten besuchten Teil ihres Schlosses und entdeckt einen altersschwachen Bus, der als mobile Bibliothek ihre Bediensteten mit Lektüre versorgt. Mit der ihr zur zweiten Haut gewordenen Höflichkeit verlässt sie diesen Bus erst wieder, nachdem sie sich ein Buch ausgesucht hat. Dabei berät sie ein Küchenjunge, der sich bestens in der Literatur auskennt. Als die Queen eine Woche später das Buch zurückbringt, ist auch Norman wieder da und empfiehlt ihr weitere Lektüre. Elizabeth lässt sich auf das Abenteuer ein und findet Gefallen an den Texten, die Norman für sie aussucht und wird zu einer eifrigen und kritischen Leserin. Doch das bringt für den in Konventionen erstarrten Hof Komplikationen mit sich. Nicht nur, dass die Queen plötzlich nur noch mit einem Auge repräsentiert (das andere gebraucht sie für ihre Lektüre) und sich nachlässiger kleidet. Sie verwickelt nun auch alle Gesprächspartner in manchmal arg peinliche Gespräche über die Literatur und wünscht plötzlich Autoren zu treffen, mit denen sie dann doch nicht so viel anzufangen weiß. Und das ist nur der Anfang... "Die souveräne Leserin", erschienen in der wunderschönen "Salto"-Reihe des Wagenbach Verlages, ist eine echte Leseperle. Hier kommen Literaturliebhaber in den Genuss einer heiter-spritzigen Betrachtung über die Sprengkraft der Literatur und in ein Kabinettstückchen typisch englischen Humors. Ein Volltreffer! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Majestätischer Coup d'état,
Rezension bezieht sich auf: Die souveräne Leserin (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich sind diese unerträglichen königlichen Welsh Corgies dran schuld, dass sich die Queen mit dem französischen Staatspräsidenten beim Dinner über Jean Genet austauschen will. Diplomatische Bredouille de luxe... Da haben diese Mistviecher wieder mal was angerichtet.
Aber der Reihe nach: Eines Nachmittags sind diese königlichen Köter beim Gassigehen der Queen ausgebüxt und haben Her Majesty schnurstracks zum Bücherbus der Bezirksbibliothek von Westminster geführt. Majestät will selbstverständlich den Bibliothekar nicht in Verlegenheit bringen. Da es sich gehört, sich in einer Bibliothek ein Buch auszuleihen, will sie sich eins ausleihen. Aber welches? Bücherlesen ist schließlich ein Hobby. Hobbys wiederum sind persönliche Vorlieben, und eine persönliche Vorliebe schickt sich nicht für ein Staatsoberhaupt, denn derlei schließt Untertanen aus, die diese Vorliebe nicht teilen. Andererseits darf man einen Bibliothekar, auch er ein Untertan Ihrer Majestät, nicht düpieren. Rat ist teuer, und den erteilt nun ein zufällig anwesender Gehilfe der Palastküche mit einer Vorliebe für schwule Autoren... Und nun nimmt das Schicksal seinen Lauf, denn die Queen wird auf ihre alten Tage von der Leidenschaft des Lesens ergriffen. Und nicht nur das: Sie entdeckt auch noch die ganz eigenen Regeln, die im Herrschaftsbereich des Lesens gelten: Vor dem Buch sind alle Leser gleich. Ob Küchengehilfe oder gekröntes Haupt; dem gedruckten Wort sind alle unterworfen, die es ergriffen hat. Ganz nebenbei steigt die Queen ihrerseits auf in der Hierarchie der Leser, und zwar von der Unterschicht der Schmachtroman-Leser zu jener Hautvolée der Klassiker-Goutierer weiter zu jenen der Anmerkungen-Festhalter und Geschmackssicheren, und noch weiter hinauf... jeder Zoll eine Königin, wie nicht anders zu erwarten. Auch wenn sie ihre Weihnachtsansprache, wäre es nach ihr gegangen, heuer auf dem Sofa ausgestreckt und mit einem Schmöker in der Hand gehalten hätte, hätte das nicht der umtriebige Privatsekretär gerade noch verhindert. Ganz nebenbei hat dieses neue immaterielle Regime des Lesens natürlich höchst handfeste Auswirkungen aufs reale British Empire: Ein nicht eben vorzeigbarer Küchengehilfe steigt zum Missfallen des etablierten Hofstaats zum persönlichen literarischen Assistenten, auch Amanuensis genannt, der Queen auf, was wiederum eine regelrechte Lawine an Intrigen lostritt. Wo auch immer diese Lawine am Ende landen und was immer sie alles zum Vergnügen des Lesers mitreißen mag -- die Karriere des aufstiegsorientierten Privatsekretärs aus Neuseeland landet jedenfalls auf einem zeitgemäßen Schafott (dessen konkretes Aussehen soll nicht verraten werden), denn die Queen entdeckt zu Privatsekretärs Leidwesen ihre "Kernkompetenzen" auf andere Art, als von ihm vorgesehen. Ganz nebenbei eröffnen sich der Queen Einblicke ins Privatleben einzelner Mitglieder des Wachregiments; ihr wird klar, dass man Schriftstellern besser auf den Seiten ihrer Bücher begegnet als leibhaftig (hätte sie ja auch selber draufkommen können!); der arme Bibliothekar des Westminster-Bücherbusses wird ins weniger respektable Pimlico versetzt; der Amanuensis Norman kommt unversehens zum Literaturstudium an der Universität von East Anglia; Garderobe und Pünktlichkeit (immerhin die Höflichkeit der Könige) beginnen zu leiden, was allgemein falsch interpretiert und alarmiert mit "Sie wird alt" registriert wird... Ein tattriges lebendes Very-British-Fossil des Empire wird aus Hampton Court herbeigezerrt, kann aber auch nicht den status quo ante wiederherstellen, sorgt stattdessen jedoch immerhin für des Lesers heftiges Zwerchfell-Erschüttern. Überhaupt erfährt der Leser gewisse Details über die wahren Hintergründe des ein oder anderen angeblichen neckischen kleinen Fauxpas beim königlichen Bad in der Menge. Sind halt auch nur Menschen, und nicht nur vor dem Buch allesamt gleich. ... und wer weiß, welche "Kernkompetenzen" die Queen als Nächstes in Angriff nimmt, und welche eisernen Prinzipien sie zu diesem Zweck übern Haufen zu rennen gedenkt. Der von der "souveränen Leserin" längst hingerissene Leser darf sich jedenfalls auf ihren etwas anderen ultimativen Coup d'état am Ende gefasst machen. Und, ach so, ja, aber das wird sich der Leser eh gedacht haben: Die Handtasche der Queen ist nicht leer. Na, was hat sie da drin wohl verstaut? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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