Wieder ein Roman, der im „historischen" Vigata Camilleri's spielt, diesmal im Jahre 1874. Das neu erbaute Opernhaus soll mit einer Oper eingeweiht werden, die der unbeliebte Präfekt der Provinz kraft seines Amtes „verordnet"haben soll. Die Vigateser spalten sich in zwei Lager: eine kleine Abordnung von Leuten, die aus den unterschiedlichsten, stets aber eigennützigen Gründen den Präfekten und seinen Wunsch unterstützt, sowie praktisch der Rest der Einwohner, der - zumeist aus ebenso eigennützigen Gründen - den Präfekten und damit die Oper ablehnt. Es kommt zu tumultartigen Szenen bei der Aufführung, im Vorfeld werden Intrigen gesponnen und „Gefallen" eingefordert, es wird Vetternwirtschaft betrieben, dass es eine wahre Pracht ist, und schließlich wird gar das Opernhaus einfach abgefackelt - richtig sizilianische Verhältnisse eben (oder wie man sich das Sizilianische eben hierzulande so vorstellt).
Haben die ersten beiden Drittel des Romans noch mehr von einem Gesellschaftsroman an sich, so steigern sich im letzten Drittel die Elemente des Kriminalromans. Hier tritt der sympathische Commissario Puglisi auf den Plan, der so viele vertraute Züge und Eigenschaften an sich hat, dass es sich bei ihm nur um einen direkten Vorfahren von Commissario Montalbano handeln kann. Auch Puglisi legt das Gesetz bei Bedarf einmal großzügig aus, wenn dadurch Unrecht an Unschuldigen (oder was er eben dafür hält) vermieden wird; und auch er hat loyale Untergebene, die seinen Rücken decken.
Aber der Kommissar steht nicht im Mittelpunkt des Romans, seine Ermittlungen im Falle des Opernhausbrandes sind nur von kurzer Dauer. Er ist einfach eine der vielen Personen, aus deren Perspektive die Geschehnisse um die Opernaufführung erzählt werden.
Der Roman besteht aus 24 Kapiteln, die in scheinbar loser Form kleine Geschichten erzählen, die jeweils von völlig anderen Personen handeln. Erst nachdem man einige Kapitel gelesen hat, werden die Zusammenhänge langsam erkenntlich. Das liegt auch mit daran, dass die Reihenfolge der Kapitel keineswegs die chronologische Abfolge der Ereignisse wiedergibt, wie Camilleri ganz am Schluss des Buches selber sagt („P.S. Zu dieser späten Stunde, ich meine, jetzt, wo wir beim Inhaltsverzeichnis angekommen sind, werden die Leser, die bis hierher durchgehalten haben, sicherlich gemerkt haben, dass die vom Autor vorgeschlagenen Reihenfolge der Kapitel nur ein Vorschlag ist: tatsächlich kann sich jeder Leser, wenn er will, seine eigene Sequenz zusammenstellen").
Wer sich die Mühe macht und tatsächlich bis zum Inhaltsverzeichnis am Ende des Buches durchhält, wird feststellen, dass jedes Kapitel mit einem Satz aus einem berühmten Werk der Literatur beginnt.
Fazit: Alles in allem ein höchst amüsanter und gelungener Roman, wiederum nichts, um „einfach so Runtergelesen zu werden" (aber gibt's von dieser Sorte Bücher nicht sowieso schon mehr als genug...), schon aufgrund der vielen vorkommenden Personen muss man sich ein bisschen konzentrieren. Dennoch: Prädikat "Äußerst empfehlenswert" - macht Lust auf viele weitere Camilleri Bücher!!!