Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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62 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
LARP, eine mysteriöse Privatschule und ein sympathischer Ermittler!, 17. Oktober 2007
Krimi-Leser werden in der Regel mit den Jahren anspruchsvoller. Egal ob mit oder ohne Lokalkolorit, mit viel oder wenig Blut oder ob mit Ermittlern, die eigentlich wichtiger sind als die geschilderten Verbrechen -- Einen Kriminalroman zu finden, der nicht nur glänzend unterhält, sondern auch eine Geschichte erzählt, an die man sich noch ein Weilchen erinnert, wird mit zunehmender Leseerfahrung nicht gerade leichter.
Die Autorin Elisabeth Herrmann ist seit Gisa Klönne für mich die beste Entdeckung in der deutschen Krimi-Landschaft.
Ihr Buch "Die 7. Stunde" ist nach "Das Kindermädchen" der zweite Roman um den glücklosen Anwalt Joachim Vernau, der mit seiner (platonischen) langjährigen Freundin Marie-Luise in Berlin eine Kanzlei führt. Da diese kurz vor der Insolvenz steht, kommt das Angebot einer alten Schulfreundin Marie-Luises zur rechten Zeit. Vernau soll an einer elitären Privatschule eine Rechts-AG leiten.
Doch bereits in der ersten Unterrichtsstunde bemerkt er, das seine Schüler etwas vor ihm verbergen wollen. Schnell kommt er dahinter, das eine Mitschülerin sich das Leben nahm und alle mehr darüber wissen, als sie preisgeben wollen.
Auch die Schulleitung mauert. Doch Vernau bekommt heraus, dass der Tod der Schülerin etwas mit Rollenspielen zu tun hat, die eine weitaus größere Macht auf die Gruppe haben, als er denkt.
Aber sind die LARP-Spiele wirklich der Grund für die subtilen Drohungen, die sich auch Vernau ausgesetzt sieht? Oder ist der Schlüssel doch eher woanders zu suchen?
Die Welt der Fantasy-Rollenspieler einmal in einem Kriminalroman zu thematisieren, ist schon alleine bemerkenswert. Denn auf viele junge Menschen üben diese Spiele einen großen Reiz aus und die meisten Eltern wissen einfach viel zu wenig darüber.
Elisabeth Herrmann hat sehr gründlich recherchiert und geht mit Sachverstand und fair mit diesem Thema um.
Noch wichtiger ist aber, dass sie nicht nur eine spannende und ungewöhnliche Geschichte erzählt, sondern wie lebendig ihre Figuren bei der Lektüre werden. Joachim Vernau und seine besonnene Art muss ein reales Vorbild haben, ich glaube, sonst wäre es kaum möglich, ihn dem Leser so nahe kommen zu lassen...
Das gilt auch für die unterschiedlichen Charaktere der Rechts-AG und die sehr undurchsichtige Konrektorin der Herbert-Breitenbach-Schule.
Alles in allem gilt es hier einen Kriminalroman zu loben, der sehr ausgewogen Spannung und Gesellschaftskritik ohne Holzhammer transportiert. Ein echtes Lesevergnügen!
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir!, 13. November 2007
Ein Schulkrimi - wie langweilig, dachte ich. Bringt es ein solcher Ort nicht immer mit sich, dass das Personal ein wenig übersichtlich ist, um es mal mit Loriot auszudrücken? Und zusätzlich ist dies der zweite Band einer Serie um den Rechtsanwalt Vernau. Ein zweiter Band - heißt das nicht immer dass etwas aufgegossen worden ist?
Nein, so ist es nicht. Dieser Kriminalroman ist sauber gearbeitet, sehr gut recherchiert und findet zu einer eigenen Sprache, die dem Thema durchaus angemessen ist.
Worum geht es im Einzelnen?
Der Anwalt Vernau soll Schülern im Rahmen einer AG die Juristerei nahebringen. Er merkt allerdings bald, dass die Schüler nicht in allem ganz offen sind. Vernau findet heraus, dass sich eine Mitschülerin kürzlich umgebracht hat. Vorangegangen sind diverse Experimente der Schüler mit Rollenspielen, deren fiktionaler Gehalt so fiktional dann doch nicht mehr war. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Mit großem psychologischen Einfühlungsvermögen lässt die Autorin ihre Leser einen Blick in die Welt der Jugendlichen werfen. Eine Welt mit vielen Gefahren, wie man bald feststellen darf.
Wer Interesse an einem eher unspektakulären Kriminalroman mit einer ungewöhnlichen Thematik hat, ist hier sicher richtig.
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58 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein ganz schön gescheiter, spanneder Krimi und zugleich ein bitter notwendiges Anti-Lehrerhasserbuch., 4. Dezember 2007
So eine beeindruckende Entdeckung kann man also im deutschen Kriminalroman-Genre machen, ich bin begeistert. Hier ermittelt kein Kommissar, noch sonst ein Polizist, sondern ein Rechtsanwalt, der - für seine katastrophale finanzielle Lage ist das allerdings ein Lichtblick! - in einer extrem elitär anmutenden privaten Schule einen "Teen Court" unterrichten soll. Das heißt die Schüler bringen Rechtsverstöße die im Schulbetrieb oder im Umgang miteinander passieren in dieser Unterrichtsstunde "zu Gericht". Es ist die siebte Stunde, in der dieser Unterricht stattfindet. Der unterrichtende Lehrer, vielmehr Rechtsanwalt, heißt Joachim Vernau und ist zumindest mir als Leserin auf Anhieb sympathisch. Das trifft bei seinen paar Schülern nicht so zu, denn die sind ihm gegenüber verschlossen und verhalten sich äußerst komisch. Den Grund dafür bekommt der Anwalt nur sehr allmählich heraus.
Die Handlung von "Die 7. Stunde" gerät - ich als Leser empfand das sehr angenehm - sehr gemächlich ins Rollen. Nur für das letzte Drittel des Buches habe ich dann doch eine Nachtschicht eingelegt; ich konnte es nicht mehr aus der Hand geben.
Zurück zur Handlung. Die Schüler spielen offenbar ein Rollenspiel, das mindestens eine Person - wer das ist, ist die große geheimnisvolle Frage in diesem Kriminalroman - ernster nimmt, als alle anderen. Wer ist die Person? Was sind ihre Motive und warum - um Gottes Willen! - erzählen die Beteiligten nichts darüber?
Eine bemerkenswerte Milieustudie über den Schulbetrieb unserer Zeit, mit informativen Einsprengseln über "LARP" (Rollenspiele), von denen ich bisher mal wieder so richtig gar keine Ahnung hatte. Die Autorin betreibt keine polarisierende Schwarzweißmalerei was die Klischee-Strapaze, Hauptschüler = doof bzw. Privatschüler = supergescheit angeht, und sie bringt das Privatleben des Rechtsanwalts und seiner Mischpoche auf unaufdringlich angenehme Weise in die Handlung ein; zuweilen sogar so, dass ich ein Tränchen zerquetschen musste.
Butterweich ist der Krimi trotzdem nicht. Wenn Sie neugierig sind und bis zum Ende durchhalten, kommen Sie vielleicht, so wie ich - mit teils angehaltenem Atem! - zu dem Schluss: Hammerhart!
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