Ann Benson ist mit ihrem ersten Roman "Die siebte Geißel" genauso ein Glanzstück gelungen wie auch Donna Woolfolk Cross es mit der "Päpstin" geschafft hat. Es fesselt den Leser von Anfang an und man merkt kaum, wie dick das Buch eigentlich ist. Das Buch spielt an verschiedenen Schauplätzen, was es sehr abwechslungsreich gestaltet, so dass es nie langweilig wird.
14. Jahrhundert: Man erlebt mit, wie der junge jüdische Arzt Alejandro Canches von Spanien nach Avignon reist, dort vom Leibarzt des Papstes einen Schnellkurs in "Pestabwehr" erhält, um dann vom Papst nach England geschickt zu werden, um die Bewohner des englischen Königshauses vor der alles dahinraffenden Pest zu beschützen.
Sprung ins 21. Jahrhundert: Die Forscherin Janie Crowe entdeckt auf einem Feld bei Ausgrabungen ein Stück Stoff und erfährt erst sehr viel später, welch gefährlichen Fund sie dort gemacht hat. Ganz London ist plötzlich von der mittelalterlichen Pest bedroht!
Auf wunderbare Weise wird dem Leser nach und nach der Zusammenhang zwischen beiden Welten und Zeiten bewusst. Beim Lesen ist man von den Erlebnissen beider Hauptfiguren so eingenommen, dass es einen fast ärgert, dass gerade jetzt, wo es spannend wird, wieder ein Zeitsprung stattfindet.
Ann Benson schafft es auf wunderbare Weise, die moderne Neuzeit mit all seinen Weiterentwicklungen und Einrichtungen mit der mittelalterlichen Lebensweise zu verknüpfen. Im einen Moment fühlt man sich ins tiefste Mitteltalter zurückversetzt, im anderen Moment fühlt man sich nahezu erschlagen von der hochentwickelten Technik des 21. Jahrhunderts. Brave new World lässt grüßen! Durch diese krassen Gegensätze ist "Die siebte Geißel" nicht nur ein Buch für Liebhaber von mittelalterlichen Romanen, sondern auch durchaus was für Science-Fiction-Freaks.
Ich bin schon sehr gespannt auf ihr Nachfolgewerk "Die brennende Gasse".