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Buch Jahresbestseller 2011
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Weder brisant noch skandalös, sondern traurig,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die sexuellen Bekenntnisse des Victor X (Taschenbuch)
Angeblich ist der Inhalt des Buches ein Brief an den britischen Sexualforscher Havelock Ellis und war die Anregung für Vladimir Nabokovs Humbert Humbert ("Lolita"). Zumindest Letzteres zu glauben, fällt mir schwer. Zu Ersterem meint Amazon oder der vom Verlag übernommene Klappentext: "Der Inhalt ist so brisant, dass er zunächst im Anhang einer französischen Fachzeitschrift verschwindet." Naja, Brisantes findet sich aus heutiger Sicht definitiv nicht in den 107 Seiten.
Tatsächlich handelt es sich um eine rückblickende Betrachtung der Sexualität Heranwachsender im vorrevolutionären Russland und Italien um die vorletzte Jahrundertwende, deren Wahrheitsgehalt heute nicht mehr verifiziert werden kann. Wirkt die Darstellung des Lebens des Autors in Russland noch durchaus glaubwürdig, wirken die dargestellten italienischen Verhältnisse (jeder Ladenbesitzer in Neapel ein Kinderzuhälter) doch stark überzeichnet, was wahrscheinlich an der selbst diagnostizierten Sexsucht des Autors liegen mag, die jede seiner Beobachtungen sexualisiert. Dazu kommen seine extremen Schuldgefühle für jede Art der Masturbation, die bis vor einem halbem Jahrhundert noch Rückenmarksschwund hervorgerufen haben soll, und vor der der Autor eine extreme Angst hat, selbst wenn sie von anderen an ihm vorgenommen wird, was ihn wohl sexuell chronisch unentspannt durch die Welt gehen ließ. Obwohl im Buch die Sexualität von Kindern und Jugendlichen thematisiert und teils detailliert dargestellt wird, handelt es sich weder um sog. "Kinderpornografie" noch überhaupt um erotische Literatur, da die Darstellungsweise kühl analytisch, völlig emotionslos und schuldbeladen erfolgt. Dass der Autor jede sexuelle Handlung in Latein benennt, wäre zur Versachlichung des Dargestellten nicht erforderlich gewesen, zeigt aber, wie emotionslos-klinisch er seine sexuellen Erfahrungen einordnet. Da hier aber nur die Übersetzung vorliegt, liegt das möglicherweise auch nur an der Übersetzung in die deutschen Sprache, in der für viele Dinge zwischen Gosse und klinischer Benamung einfach keine gesellschaftskonformen Begriffe existieren - man denke nur an Squirting, Queening, Sharting und dutzende andere umgangssprachliche englische Wörter, die keine gesellschaftsfähige deutsche Entsprechung haben. Unterm Strich liegt uns hier ein überteuertes Paperback vor, das weder Literatur ist, noch Einblick in frühere Sittenverhältnisse erlaubt, da die Authentizität des Textes ungesichert ist. Immerhin lässt es sich flüssig lesen und hat mir einige meiner frühreifen Erlebnisse der Sommerferien auf dem Dorf wieder ins Gedächtnis gerufen. Es nicht gelesen zu haben, wäre jedoch mit Sicherheit kein Verlust gewesen. Die Kurve meiner sexuellen Erfahrungen wie meines Empfindens steigerte sich weit gleichmäßiger als die Autors, der m.E. unglaubwürdigerweise von der Asexualitität innerhalb eines Jahres direkt zur Hypersexualität mutierte, was möglicherweise an seinen Erinnerungslücken beim Schreiben des lange Zurückliegenden liegen mag. Das Buch ist die Beschreibung einer Gesellschaft, die mangels der heute allseits verfügbaren Ablenkungen (für schlichte Gemüter eigenes Leben ersetzende "Reality-Shows" z.B.) laut Autor fast ausschließlich Sex zur Unterhaltung genießt, und in der ein intelligenter Mensch (der Autor) nicht nachzuvollziehende Schuldgefühle für seine sexuellen Neigungen empfindet (was für seine Neigungen als Erwachsener zu präadoleszenten Mädchen in seiner Italien-Zeit auch sehr berechtigt sein mag, nicht jedoch für seine Kindheitsbeschreibungen aus der russischen Provinz) und für sein verpfuschtes Leben seine sexuellen Gefühle verantwortlich macht, mit denen umzugehen, die zu kanalisieren und einzuordnen er nie gelernt hat, weil das zu seiner Zeit ein Tabuthema war. Aber das ist natürlich nur mein subjektiver Eindruck nach dem Lesen des Textes, ohne mich mit den Gesellschaftsverhältnissen der beschriebenen Zeit und Orte in jener Zeit intensiver befasst zu haben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Nabokov läßt grüßen ...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die sexuellen Bekenntnisse des Victor X (Taschenbuch)
Stilistisch und inhaltlich in jedem Fall ein lesenswertes Buch, nicht zuletzt wegen der Beleuchtung des historischen Kontextes und der Lebensweisheiten, die unaufdringlich in den nach alter Schule verfassten Text eingebettet sind.
Wer geschichtlich etwas interessiert ist, bzw. seinem Geschlechtsleben adult genug gegenüber steht, wird sich über die im Großteil des Werkes offenbarten "Bekenntnisse" eines Heranwachsenden nicht wirklich mokieren können. Furchtbar hingegen der letzte Teil des Buches, wenn der Autor über seinen Abstieg zum Päderasten und Voyeur erzählt, mitleidheischend seine Schuld an eine höhere Macht überträgt, analog der üblichen plumpen Art von Schuldwegweisung, die psychotische Kinderschänder an den Tag legen. Ein tragisches Werk, das Einsicht in die Psyche eines Kranken bietet, sicherlich für manchen Geschmack etwas zu detailgenau in seinen Verfehlungen. Das einzig wirklich Skandalhafte an dem Buch orte ich jedoch nicht zwischen den Buchdeckeln, denn allein der Werbetext auf der Rückseite erscheint mir äußerst unglücklich formuliert. Dort heißt es nämlich, dass "lustbetonte kindliche Sexualität heute in den Industrienationen von vielen Menschen erfolglos geleugnet wird", was in dieser Zusammensetzung schon fast eine Katastrophe darstellt. Die kindliche Sexualität ansich wird nämlich mitnichten wissenschaftlich oder sonstwie geleugnet, in jedem biologisch oder soziologisch angehauchten Entwicklungsbuch werden die verschiedenen Phasen (etwa die "anale" oder die "orale") deutlich angesprochen; niemand spricht Kindern die genetische Anlage zur Sexualität ab. Was hier jedoch tragisch unangenehm aufblitzt, ist der Gedanke, dass über das kindliche "Doktorspielen", bzw. das Interesse von Teenagern untereinander hinaus der Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern durch den Inhalt dieses Buches eine wie auch immer geartete Berechtigung erwachse, was auf das Entschiedenste abzulehnen ist! Kinder und Erwachsene - und dazu muss man kein Psychologe sein, um diese Erkenntnis zu verinnerlichen - können in dieser Hinsicht niemals gleichberechtigt sein: Dem Kind fehlt es an innerer Reife und Einsicht, dem Erwachsenen jeglicher Respekt vor einem Schutzbefohlenen, so dieser Gedanke auch nur angedacht wird. Ich gehe aber davon aus, dass genannte Stelle auf dem Buchrücken nur die Gefahr der Missinterpretation in sich birgt, und keinesfalls jenes Potenzial beinhaltet, das sich einem hier unvermutet aufdrängen könnte. Wer auf der Suche nach Quellen zum Roman "Lolita" des russischen Autors Vladimir Nabokov ist, erhält hier durchaus weitreichende Einsichten in das geduldete Gebaren von Minderjährigen untereinander - und auch von Erwachsenen zu diesen, analog zum gegenwärtigen Thailand - im Russland der Zeit um 1900, etwa im Gegensatz zu Italien, wie der reisende Autor festhält; ein bedenkliches, aber höchst authentisch wirkendes Sittengemälde höllenähnlicher Zustände. Gesetzesschutz für Minderjährige? Dazumals völlige Fehlanzeige. Kein Skandalbuch - im Kontext jener sittenarmen Zeit -, aber in gewissen Kreisen ist die Gefahr groß, hier bedeutend mehr zu entdecken, als selbst zwischen den Zeilen zu lesen ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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