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Während viele Evolutionspsychologen den Geist als Schweizer Taschenmesser, und die kognitive Wissenschaft ihn eher als Computer betrachten, vergleicht ihn Miller mit einem Unterhaltungssystem, das dazu dient, andere Hirne zu stimulieren. Es ist ein Schwindel erregend ehrgeiziges Projekt, das an Studien wie Richard Dawkins' Das egoistische Gen anknüpft und das ohne die Genialität und Despektierlichkeit, die ihm Miller verleiht, schrecklich vage daherkäme. Durchdrungen von zeitgenössischen Populismen, verbindet das Buch Theorien über unkontrollierte Auslese, Eignungs-Indikatoren und sensorische Bevorzugung mit Erklärungen darüber, warum Männer mehr Trinkgeld geben als Frauen, und wie weibliche Auswahl den Penis geformt hat (im wahrsten Sinne des Wortes). Es geht sogar so weit, die Klugheit von Mary Poppins zu rühmen. Miller lässt seine Ideen derart hervorsprudeln, dass er Gefahr läuft, dass sie für leeres Gerede gehalten werden.
Die Tatsache, dass große Persönlichkeiten genauso sexuell anziehend wirken wie übergroße Brüste oder Bizepse mag in der Tat beruhigen. Aber die Chemie der Sexualität aufzudecken kann eine seltsam unerotische Angelegenheit sein -- vergleichbar mit der Analyse von Humor. Aber als Balzvorführung von Millers intellektuellem Gefieder ist Die sexuelle Evolution beachtlich. Wenn sein wahlloser Sammeltrieb auch gelegentlich nur Talmi ans Tageslicht fördert, so bietet er doch einen zugänglichen und interessanten Einblick in den modernen Darwinismus. Wer am meisten Sexappeal hat, überlebt. --David Vincent -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Der menschliche Geist und sein materielles Substrat, das Gehirn, stellen eines der faszinierendsten Objekte wissenschaftlicher Forschung dar. Wie konnte sich ein so komplexes und energetisch kostspieliges Organ in der Evolution herausbilden? Kann die rapide Vergrößerung des Gehirns in der fossilen Hominidenreihe tatsächlich durch die natürliche Selektion erklärt werden, obwohl sie anscheinend erst lange nach der Erreichung moderner Gehirngröße zur Entwicklung von beispielsweise besserem Werkzeug führte? Und welchen Überlebensvorteil bieten die spezifisch menschlichen Eigenschaften, die unsere Gehirne so gut beherrschen: Humor, Musik und Kunst, ja das Bewusstsein überhaupt?
Geoffrey Miller sieht einen Lösungsansatz in einem lange vernachlässigten Faktor der Evolution, der sexuellen Selektion. Obwohl Darwin der geschlechtlichen Zuchtwahl einen vergleichbaren Einfluss wie der Umweltselektion einräumte, wurde sie in den Ausarbeitungen der Evolutionstheorie weitgehend übergangen (die Gründe dafür werden in einem historischen Abriss kurz dargelegt). Wie Miller zeigt, kann jedoch die gezielte weibliche Bevorzugung von männlichen Individuen mit größerer geistiger Leistungsfähigkeit die rapide Gehirnentwicklung erklären. Ein möglicher Grund für diese Bevorzugung ist, dass ein großes Gehirn ähnlich wie der prächtige Schwanz eines Pfauenhahns zuerst einmal ein Handicap für seinen Träger darstellt es ist wesentlich schwerer, damit zu überleben. Andererseits zeigt aber genau das Überleben der Träger an, dass es um ihre genetische Fitness ausgezeichnet bestellt sein muss. Ein Hominidenweibchen, dass gute Fremdgene für den eigenen Nachwuchs beziehen will, sollte also Anzeiger für ein großes Gehirn bevorzugen und solche könnten zum Beispiel Kreativität, Humor oder Phantasie sein.
Ausgehend von dieser Grundidee betrachtet Miller eine Fülle menschlicher Verhaltensweisen und diskutiert daran äußerst unterhaltsam, welche evolutionären Ursprünge altruistisches Verhalten, Münzfälschung, Sprache oder der Besitz von Geländewagen hat. Wenn auch einige der Erklärungen etwas konstruiert erscheinen, bietet das Buch doch ein Feuerwerk an Anregungen und Denkanstößen und ist darüber hinaus auch noch humor- und phantasievoll geschrieben. Wer sich näher über die Partnerwerbung im Pleistozän und deren evolutionäre Folgen informieren will, ist bei Miller bestens aufgehoben.
Rezensent: Dr. Harald Luksch -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:
- Darwins Wunder
- Geistige Fitness
- Schmückendes Genie
- Verführungskünste
- Kreatives Werben
Für die erew BIBLIO-KOM Dr. Karl-J. Kluge
Einziges Manko: Miller schreibt immer wieder, dass bestimmte Thesen so sein könnten, wie er sie darstellt, im späteren Verlauf des Buches benutzt er diese Thesen dann aber als Argumentationsgrundlage. Alles könnte so sein, aber eben auch anders.
Trotzdem eine sehr spannende Literatur, die zum Nachdenken anregt.
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