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Die selbstbestimmte Geburt: Handbuch für werdende Eltern. Mit Erfahrungsberichten
 
 
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Die selbstbestimmte Geburt: Handbuch für werdende Eltern. Mit Erfahrungsberichten [Taschenbuch]

Ina May Gaskin
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Ina May Gaskin bestärkt Frauen darin, der faszinierenden Kraft ihres Körpers zu vertrauen, mit der sie ihr Kind möglichst ohne technische Eingriffe auf die Welt bringen können.«
»Das Buch enthält außerdem sehr berührende Erzählungen von Frauen, die eine selbstbestimmte Geburt erlebten und damit andere ermutigen, auf sich selbst zu vertrauen und ihren eigenen Weg zu gehen.« (Karlsruher Kind )

"Ina May Gaskin ist sicher für viele Hebammen ein Begriff. Die Autorin des Buches "Spirituelle Hebammen" gründete 1970 die Farm, eine Lebensgemeinschaft mit damals 250 weiteren jungen Menschen. Kurze Zeit später rief sie das Geburtszentrum ins Leben und lenkte weltweit das Interesse auf die natürliche Geburt. ... Mit ihrem neuen Buch macht Ina May Gaskin schwangeren Frauen Mut, den Fähigkeiten ihres Körpers voll und ganz zu vertrauen. Sie stärkt das Selbstvertrauen, indem sie auf leicht verständliche Weise die Gesetzmäßigkeiten der Wehen und er Geburt erklärt. ... Das Buch beginnt mit ausführlichen Geburtserzählungen von Frauen, die auf der Farm (entweder weil sie dort leben oder weil bewusst das Baby dort geboren werden sollte), geboren haben. Es sind alles selbstbestimmte Geburten, die sehr ermutigen und zeigen, wie wichtig eine vertrauensvolle Umgebung und eine liebevolle Begleitung ist.

... Durch den erzählerischen Stil ist das Buch gut zu lesen und der Laie kann gut folgen. Hilfreich ist dazu ein Glossar am Ende des Buches.

... Dieses Buch ist eine Wahre Fundgrube. Eine Pionierin der selbstbestimmten Geburt gibt hiermit werdenden Eltern viel Wissen, Mut und Selbstvertrauen mit auf den Weg. Auch für Hebammen ist es absolut lesenswert. Ich kann es wärmstens empfehlen!" (Magazin Hebammen-Forum, Andrea Margraf )

"Die in Amerika weithin bekannte Autorin hat als Hebamme entscheidenden Einfluss auf die dortige Geburtshilfe genommen und stellt mit diesem Werk schlüssig und wissenschaftlich fundiert einige Routinepraktiken an den Pranger. Ihre eigenen Geburtshausstatistiken beweisen, dass es unter gewissen Voraussetzungen auch anders als mit hohen Einleitungs-, Peridural- und Kaiserschnittraten geht.

... Die Erfahrungsberichte lesen sich sehr positiv: es wird nichts beschönigt, aber man spürt die immense Kraft und das Urvertrauen in die Fähigkeiten des weiblichen Körpers in jedem Bericht.

Der zweite Teil des Buches bespricht Kapitel wie "Der Zusammenhang zwischen Schmerz und Lust" oder "Das Gesetz der Schleißmuskeln" oder "Die vergessenen Kräfte der Vagina" und damit Themen, die in dieser Form nicht in anderen Büchern vorkommen, aber so entscheidend wichtig sind für die Geburt. ...

Ich empfehle es wärmstens für werdende Eltern auf der Suche nach Mutmachern in die eigenen Fähigkeiten, Hebammen auf der Suche nach ihrer Berufs(um)orientierung und allen, die nach einem anderen Weg in der Geburtshilfe suchen." (Hebamme ¿ Schweizerischer Hebammenverband, Bern, Heike Emery )

Kurzbeschreibung

Mit Selbstbewusstsein natürlich gebären

Das umfassende Handbuch zur Vorbereitung auf die selbstbestimmte Geburt, mit dem kompakten Wissen und der Erfahrung einer Pionierin: Ina May Gaskin bestärkt Frauen darin, der faszinierenden Kraft ihres Körpers zu vertrauen, mit der sie ihr Kind (möglichst ohne technische Eingriffe) auf die Welt bringen können.

Aus dem Inhalt: • Die mächtige Verbindung von Körper und Psyche • Was bei der Wehentätigkeit passiert • Der Zusammenhang von Schmerz und Lust • Das Schließmuskelgesetz • Gebärhaltungen • Geburtsrisiken • u.v.a.m.

Das Buch enthält außerdem sehr berührende Erzählungen von Frauen, die eine selbstbestimmte Geburt erlebten und damit andere ermutigen, auf sich selbst zu vertrauen
und ihren eigenen Weg zu gehen.

Klappentext

»Ina May Gaskin bestärkt Frauen darin, der faszinierenden Kraft ihres Körpers zu vertrauen, mit der sie ihr Kind möglichst ohne technische Eingriffe auf die Welt bringen können.« »Das Buch enthält außerdem sehr berührende Erzählungen von Frauen, die eine selbstbestimmte Geburt erlebten und damit andere ermutigen, auf sich selbst zu vertrauen und ihren eigenen Weg zu gehen.«
Karlsruher Kind

Über den Autor

geb. 1941, ist Hebamme und zählt zu den Pionierinnen für die natürliche Geburt; anerkannte Expertin auch in der Medizin, da sie selbst für schwierige Geburten praktikable Lösungsmöglichkeiten entwickelte. Ina May Gaskin lebt mit ihrer Familie in den USA innerhalb der Lebensgemeinschaft »Tennessee Farm« .Sie ist eine beeindruckende Persönlichkeit, viel gefragte Referentin bei internationalen Kongressen, gibt seit langem wesentliche Impulse für die europäische Geburtshilfe und ist regelmäßig zu Gast in Deutschland und Österreich.

Auszug aus Die selbstbestimmte Geburt von Ina May Gaskin. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die selbstbestimmte Geburt

Vorwort zur deutschen Ausgabe

Nach der Veröffentlichung des amerikanischen Originals dieses Buches im Jahr 2003 war ich sehr erfreut darüber, dass es vielen Leserinnen bei der Vorbereitung auf ihre Geburt geholfen hat. Viele Frauen schrieben mir, ihre Einstellung zum Gebären habe sich durch die Lektüre völlig verändert. Einige werdende Mütter (deren Geburtstermin erreicht war) berichteten, sie hätten unmittelbar, nachdem sie die Geburtsgeschichten in Teil I gelesen hatten, Wehen bekommen. Auch ein paar werdende Väter meinten, sie hätten den Geburtsvorgang, und wie er durch zahlreiche Faktoren beeinflusst wird (zum Beispiel durch die anwesenden Beobachter), viel besser verstanden.

Im Teil II des Buches finden auch aufgeschlossene Geburtsmediziner und Hebammen viele Informationen, die für sie interessant sein dürften. Dazu gehört die kaum anerkannte Gebärkompetenz der Frauen, die bei den meisten Völkern als selbstverständlich galt, solange der Großteil der Geburten noch nicht in der Klinik stattfand. Von GeburtshelferInnen aus verschiedenen Kliniken erfuhr ich, dass die Kaiserschnitt-Rate drastisch sank, nachdem einige Ratschläge aus meinem Buch umgesetzt worden waren – bei gleich hohem Sicherheitsstandard für Mütter und Babys.

Wenn Sie gerade schwanger sind und die Geburtsgeschichten in Teil I hilfreich finden, können Sie auf meiner Website weitere Erfahrungsberichte in deutscher Übersetzung nachlesen. Klicken Sie im Menü einfach auf »Geburtsgeschichten«.
Vielleicht sind Sie auch an einem ganz neuen Umgang mit den Wehen interessiert, den Cheyenne, die Lebensgefährtin meines Sohnes, während der Geburt ihres ersten Kindes im Jahr 2003 fand, kurz nachdem mein Buch erschienen war. Ihr Sohn wog 4700 Gramm. Deshalb war ich sehr überrascht, dass Cheyenne keine schmerzhaften Wehen zu haben schien und kein Schmerzmittel brauchte. Tatsächlich machte sie stattdessen während der ersten Wehenphase die meiste Zeit Bauchtanz. Ich fotografierte sie dabei. Unter dem Link »Articles« finden Sie Cheyennes Geburtsgeschichte »Cheyenne’s Amazing Labor« und meinen Kommentar dazu.

Ich hoffe sehr, dass mein Buch dazu beitragen kann, schwangeren Frauen ein neues Selbstbewusstsein für ihren Körper zu geben und ihr Vertrauen in seine Fähigkeiten zu stärken, und werdenden Vätern die Geheimnisse des weiblichen Körpers ein wenig näher zu bringen.

Ina May Gaskin, Sommer 2004

Die Geburt von Heaven Morgaine
Von Beth Colton

Mark und ich hatten gerade unser erstes Semester auf dem College begonnen, als ich feststellte, dass ich schwanger war. Nachdem ich zu Hause das Ergebnis meines Schwangerschaftstests abgelesen hatte, ging ich sofort zu meinem Frauenarzt. Ich hatte gemischte Gefühle. Ich war der Meinung, alles würde schon gutgehen, bis ich mit meinem Arzt gesprochen hatte. Wir waren schockiert, als wir erfuhren, was eine ganz normale, vaginale Entbindung in unserer örtlichen Klinik kostet. Ich versuchte dem Arzt zu erklären, dass wir beide noch studierten und weder jetzt noch in drei Monaten das Geld dafür hätten. Wir waren beide sicher, dass wir das Kind haben wollten, aber wir sahen keine Möglichkeit, wie wir uns die Entbindung leisten konnten.
Wir wussten nicht, was wir tun sollten, bis uns eine Freundin aus dem College von irgendeiner Farm erzählte, wo es ein Geburtshaus geben sollte. Ungefähr einen Monat später fuhren wir dorthin, um meine erste Vorsorgeuntersuchung machen zu lassen. Pamela unterhielt sich mit uns und meinte, ich würde eine natürliche Geburt haben. Ich hatte immer angenommen, bei einer Entbindung wären Medikamente erforderlich, und hatte nie in Erwägung gezogen, auf andere Weise zu gebären, weshalb ich etwas schockiert war, als ich hörte, sie würden keine Schmerzmittel verwenden. Pamela gab uns das Buch Spirituelle Hebammen mit und auf unserer fünfstündigen Heimfahrt nach Atlanta konnte ich es fast bis zu Ende lesen.

Ich war überrascht. Ich hatte nie geglaubt, dass die Geburt eines Kindes ein so wunderbares Erlebnis sein könnte. Einige der Geburtsgeschichten, die ich in dem Buch las, waren sehr bewegend. Ich war erleichtert, dass bestimmte Routinemaßnahmen von Kliniken auf der Farm nicht praktiziert wurden. Je mehr ich las, desto mehr erkannte ich, dass Medikamente überflüssig waren.
Als mein Geburtstermin näher rückte, beschlossen wir, die Weihnachtsferien bei Verwandten in Decatur, Alabama, zu verbringen, nur eineinhalb Stunden von der Farm entfernt. Als eines Morgens meine Wehen einsetzten, waren wir alle aufgeregt, außer Marks Bruder, der sich Sorgen machte. Es hatte seit drei Tagen ununterbrochen geregnet und die Straßen waren teilweise schon überschwemmt. Er deutete an, ich solle besser in die Klinik gehen. Ich hatte bereits gepackt und wartete auf unsere Abreise zur Farm, nicht auf die Fahrt in die Klinik. Ich hatte gelesen, dass viele Frauen ihre Wehen wieder zum Stillstand bringen können, deshalb hatte ich keine Bedenken, rechtzeitig auf der Farm einzutreffen.
Um zwei Uhr nachmittags waren wir zum Aufbruch bereit. Es regnete immer noch in Strömen, aber das Geräusch der Regentropfen auf dem Auto beruhigte mich und ich war froh über den Regen. Die Wehen wurden eindeutig stärker und ich stellte mir die verrücktesten Sachen vor. Bevor wir Alabama verließen, hatte ich noch ein Computerspiel gemacht. Jetzt imaginierte ich bei jeder Wehe dieses Spiel und suchte nach neuen Strategien, während ich in meinem Kopf die Hintergrundmusik des Spiels hörte. Es war ein sehr intensives Erlebnis und ich weiß nicht, ob es jemand nachvollziehen kann. Inzwischen bin ich wirklich davon überzeugt, dass man keine Schmerzmittel gegen den Wehenschmerz braucht, weil der Körper sich selbst helfen kann.
Wir kamen gegen vier Uhr nachmittags auf der Farm an und meine Wehen kamen im Abstand von ungefähr vier Minuten. Wir wurden ins Geburtshaus gebracht. Ina May untersuchte mich und während der Untersuchung öffnete sich mein Muttermund auf drei Zentimeter. Nach einer Weile schlug mir Ina May vor, ein warmes Bad zu nehmen. Das war die beste Idee, die ich seit Stunden gehört hatte. Ich werde diese Badewanne niemals in meinem Leben vergessen. Es war die größte, tollste Wanne, die ich je gesehen hatte. Ich konnte mich ganz darin ausstrecken und trotzdem stieß ich mit meinen Füßen noch nicht am Rand an. Ich blieb sehr lange im Wasser. Mark war großartig. Er leistete mir Gesellschaft und wusch meinen Rücken. Irgendwann tauchte ich einmal ganz unter. Nur mein Gesicht hielt ich über Wasser. Dann ließ ich vollständig los und kam ins Fließen. Ich fühlte mich völlig anders als sonst – wie eine Wolke, die am Himmel zieht.
Als wir wieder oben im Zimmer waren, untersuchte mich Ina May erneut. Jetzt war mein Muttermund siebeneinhalb Zentimeter geöffnet. Ina May schlug mir vor, mich in eine bequeme Haltung zu begeben. Mark war hinter mir und ich legte mich auf seinen Schoß. Wenn die Wehen sehr stark wurden, klammerte ich mich an seinen Beinen und Armen fest. Inzwischen gab ich dabei ziemlich bizarre Laute von mir.
Als der Muttermund fast vollständig geöffnet war, verließ mich der Mut. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass ich es schaffen würde. Ich sagte immer wieder: »Ich kann nicht mehr!« Ich geriet in Panik und hatte wirklich große Angst, aber Ina May sprach beruhigend auf mich ein und erklärte mir, das sei alles ganz normal, und je mehr ich meinte, ich könne nicht mehr, desto besser würde ich es schaffen.
Im Zimmer war es warm und das Licht war gedämpft. Heute weiß ich das erst richtig zu schätzen. In Kliniken blendet das Licht und es ist kalt. In diesem mentalen Zustand hätte ich die Heftigkeit der Wehen in einem Krankenhaus nicht ertragen können. Irgendwann machte ich keine kehligen, tiefen Laute beim Ausatmen mehr, sondern fing an, spitze, hohe Schreie auszustoßen. Ich konnte den Unterschied deutlich spüren. Die tiefen Laute lockerten mich und die Schreie waren, als würde jemand mit den Fingernägeln auf einer Tafel kratzen. Sie gingen an die Nerven und verspannten mich.
Es war wirklich toll, endlich pressen zu können. Ich fühlte mich sicher und geborgen. Das war genau die richtige Umgebung, in der ich mein Kind zur Welt bringen wollte. Es stimmt, wenn die Leute sagen, es ist so, als würde man eine Bowling-Kugel aus sich herauspressen – zwar nicht, was die Schmerzen dabei angeht, obwohl es auch sehr schmerzhaft ist. Mir war schon immer schleierhaft, wie man beim Pressen einhalten und nach Luft schnappen kann. Ich hatte immer gedacht, besonders wenn der Kopf des Babys schon draußen sei, könne man beim Pressen nicht auf halbem Weg Halt machen. Ich dachte: »Vergiss es! Ich ziehe das jetzt durch.« Aber es war gar nicht schwer, mit dem Pressen aufzuhören. Tatsächlich war es sogar notwendig. Ich musste mich zwischen den Presswehen ab und zu ausruhen, weil es so anstrengend war.
Ich erinnere mich, wie ich zu Ina May sagte: »Es tut jetzt furchtbar weh.« Und sie fragte: »Sticht es?« Ich bejahte. Sie erwiderte: »Das kommt daher, dass der Kopf des Babys draußen ist.« Mit ein paar weiteren Presswehen spürte ich, wie etwas aus mir herausglitt. Und das Nächste, woran ich mich erinnere, ist, dass ein Baby auf meinem Bauch lag und mich mit riesengroßen blauen Augen anblickte.
Als sie Mark sagten, es sei ein Mädchen, war ich nicht überrascht. Aus meiner mütterlichen Intuition heraus hatte ich dies schon seit Monaten gewusst. Fünf Minuten später erklärte mir Ina May, nun müsse noch die Plazenta ausgestoßen werden. Ich sagte ihr, ich könne einfach nicht mehr pressen, und sie meinte: »Ach, das ist ein Kinderspiel. Die Plazenta hat keine Knochen.«
Das fand ich lustig und sie hatte Recht. Ina May und ihre Assis- tentin wuschen mich und das Baby und räumten dann auf. Sie zeigten mir, wie ich mein Kind stillen konnte, vergewisserten sich noch einmal, dass alles in Ordnung war, und ließen Mark und mich mit unserem neugeborenen Kind allein.

*

Die nächste Geschichte erzählt von Tom und Suzi Mitchell, die auf die Farm kamen, weil Suzi nach einem Kaiserschnitt vaginal entbinden wollte.

Die Eigenschaften der Schließmuskeln

Schließmuskeln gehorchen keinen Regeln

In den meisten Krankenhäusern der industrialisierten Welt ist es üblich, die Gebärenden zum Pressen anzuhalten, sobald der Muttermund vollständig geöffnet ist. Diese Anordnungen werden oft gegeben, ohne zu bedenken, dass bei der Mutter der Wunsch zu pressen ganz von alleine auftaucht. Sie wird pressen, ohne dass ihr jemand zuruft, wann und wie sie pressen soll. Viele Frauen mögen zwar in der Lage sein, ihr Baby zu gebären, während sie jemand anschreit, aber es ist viel wahrscheinlicher, dass ihnen dies trotz und nicht wegen dieser störenden Einmischung gelingt.
Kein körperlicher Drang ist stärker als die Presswehen, die das Baby durch den Geburtskanal ausstoßen, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist. Ich muss hierbei an das Erlebnis von Dr. Christiane Northrup denken, als sie während der Wehen zum ersten Mal den Drang zu Pressen verspürte. Sie hatte gerade ihre Ausbildung zur ärztlichen Geburtshelferin beendet. Sie schwor, niemals mehr eine Gebärende aufzufordern, mit dem Pressen aufzuhören, wenn sie den Drang danach verspürt, wie sie es von einigen Professoren gelernt hatte.4 Wer noch nicht erlebt hat, wie es sich anfühlt, wenn man während des Gebärens angeschrien wird, kann besser verstehen, wie sehr das stört, wenn er sich vorstellt, dass er gerade Stuhlgang machen muss, während ein Fremder vor ihm steht und ihm laut zuruft, wie er es anstellen soll.

Schließmuskeln funktionieren am besten
in einer vertrauten und ungestörten Umgebung

Anfang der 60er-Jahre, als wir noch Studentinnen waren, konnte ich während einer einwöchigen Fahrt mit einer engen Freundin von Iowa nach Kalifornien miterleben, wie wahr dieser Satz ist. Aus Kostengründen campierten wir in den Nationalparks. Damals gab es dort noch keine modernen Toiletten, sondern »Plumpsklos«. Meine Freundin machte zum ersten Mal Urlaub auf dem Land. Sie ekelte sich vor jeder Toilette zwischen Iowa und Kalifornien derart, dass sie von Tag zu Tag mehr unter Verstopfung litt. Sie konnte nur Urin lassen, mehr nicht. Jeden Morgen berichtete sie mir über ihren Zustand. Egal, wie sauber die Toiletten an einer Tankstelle waren, sie konnte unterwegs nicht aufs Klo gehen. Als wir schließlich bei ihren Verwandten in Südkalifornien ankamen, ging sie schnurstracks ins Bad. Als sie ein paar Minuten später wieder zurückkam, lächelte sie erleichtert. Sie meinte, hier bei ihren Verwandten würde sie sich im Unterschied zu den öffentlichen Toiletten zu Hause fühlen. Dieser!
Umstand ermöglichte es ihrem Körper, wieder normal zu funktionieren. Als wir vor kurzem einmal an diese Reise zurückdachten, erzählte mir meine Freundin, dass sie gerade zwei Wochen in Tschechien gewesen sei. Dass sie die ganzen zwei Wochen lang keinen Stuhlgang hatte, sei wohl daran gelegen, dass sie dort keine Verwandten hatte. Manche Dinge verändern sich auch nach langer Zeit nicht.
Lisa Goldstein, eine Hebamme aus North Carolina, lehrt die werdenden Väter in ihren Geburtsvorbereitungskursen, die sie dort in einer ländlichen Gegend abhält, wie man die Öffnung der Schließmuskeln erfolgreich verhindern kann. Zuerst zeigt sie ihnen einen Fünfzig-Dollar-Schein. Dann stellt sie eine mittelgroße Edelstahlschüssel in die Mitte. Zehn oder fünfzehn Paare stehen im Kreis um die Schüssel herum. Lisa bietet nun demjenigen die fünfzig Dollar, der sich in die Mitte stellt und vor aller Augen in die Schüssel pinkelt. In all den Jahren, in denen sie diese Übung macht, musste sie den Geldschein noch kein einziges Mal hergeben.

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