De Santis erzählt die Geschichte des Architekten Silvio Balestri, der einen zweiten Turm von Babel erbauen will. Dabei spielt die Bedeutung der Idee an sich eine größere Rolle als die (letztendlich nicht ausgeführte) praktische Umsetzung. Nicht von ungefähr spielt die Geschichte im New York der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, als der Bau von immer gigantischeren Wolkenkratzern das Staunen der Welt hervorrief.
Auch wenn dies vielleicht De Santis' bisher schwächstes Buch ist - es ist dennoch wieder sehr lesenswert. Wie gewohnt, gelingt es ihm, Grenzen zwischen geistigen und materiellen Welten menschlichen Daseins aufzuheben und die Übergänge in ein diffuses Licht zu tauchen, aus dem sich jeder selbst "heraustasten" muß. Freilich läßt De Santis keinen Zweifel daran, daß die geistige Welt die einzig wahre ist. Balestri stirbt, nachdem sein Projekt real gescheitert ist, aber er spricht in seinen letzten Aufzeichnungen von "normalen Menschen", die "wussten, dass, wenn sie sterben würden, jemand anders ihren Traum weiterträumen würde, jemand nebenan oder am anderen Ende der Welt". So überträgt De Santis den Gedanken des Aussergewöhnlichen auf das Alltägliche und schafft Kongruenz und hebt erneut alle Grenzen auf. Und läßt glauben,dass auch fürderhin alles denk- und machbar sein könnte...
Literarisch läßt De Santis wieder alle Register spielen: Skurrile Gedankengebäude führen quasi auf Himmelsleitern ins Unendliche und enden doch unversehens vor imaginären Feuertüren, hinter denen alles oder nichts möglich sein könnte. Daß De Santis einen Roman über den Begriff Architektur schreiben würde, schien so nur eine Frage der Zeit zu sein.