Als ich neulich abends nach Hause fuhr, hörte ich in den Nachrichten vom Tod des kleinen Pascal in Südwestdeutschland,
der im Zusammenhang mit der Entdeckung einer Kinderschänderbande aufgeklärt wurde. Mittelsmann war die Wirtin einer kleinen Kneipe.
Am Abend vorher hatte ich "Die schwarzen Wasser von San Marco"
fertig gelesen und mir wurde schlagartig bewußt, wie hoch brisant
dieses Thema - leider - auch heute noch ist.
Richard Dübell ist es dabei in beeindruckender Weise gelungen, dieses aktuelle Thema in Form eines historischen Romans vor
dem schillernden Hintergrund der Stadt Venedig Ende des 15. Jahrhunderts darzustellen.
Das Buch ist absolut faszinierend und seine Spannung steigert sich von Kapitel zu Kapitel, wozu meiner Meinung nach das wirklich nur dezent eingesetzte Stilmittel, den Handlungsfaden
am Ende eines Kapitels abzubrechen und auf der nächsten Seite
wieder aufzunehmen, durchaus seinen Teil beiträgt.
Richard Dübell gelingt es zudem, eine sehr komplexe und dichte
Atmosphäre herzustellen. Dies liegt sicherlich im wesentlichen auch daran, daß das Geschehen innerhalb von nur knapp fünf
Tagen vonstatten geht, so daß weder die Akteure, noch der Leser so richtig zum Verschnaufen kommen.
Apropos Akteure: Der Landshuter Kaufmann Peter Bernward löst hier
schon seinen dritten Fall und der Erfolg von Dübells Romanen hat
meines Erachtens sehr viel mit seinem "Star-Protagonisten" zu tun. Peter Bernward wird eben nicht als strahlender Held dargestellt, der ohne Fehl und Tadel seine Fälle löst.
Er ist ein Mensch wie Du und ich, der seine Schwächen und Fehler
hat, der noch immer mit den schweren Schicksalsschlägen aus seiner Vergangenheit zu kämpfen hat und dabei fast sein persönliches Glück in der Zukunft aufs Spiel setzt, der auch von
Selbstzweifeln nicht verschont wird und der seine Angst zeigt.
Und genau das macht ihn nicht nur sympathisch, sondern auch
glaubwürdig - darüberhinaus ist er aber natürlich auch ein sehr,
sehr intelligenter Mensch, sonst wäre er nicht so erfolgreich.
Insgesamt ist dieses Buch genau das richtige für Leser, die
gut und glaubwürdig recherchierte historische Kriminalromane mögen und eines, das man angesichts der aktuellen Brisanz nicht
so einfach nach dem Lesen weglegt, es wirkt weiter.
Ich freue mich jedenfalls schon auf das - hoffentlich - nächste
Abenteuer mit Peter Bernward und seiner Familie!