Äußerst gerne und mit viel Freude las ich vor kurzem dieses Schmuckstück der Eidgenössischen Literatur.
In Gotthelfs Novelle wird mit wundervollem Sprachgeschick, einer dennoch deutlich-drastischen Sprache, wie sie im 19. Jh. seinesgleichen vergeblich sucht (ausser vielleicht bei E.A. Poe) und malerischen Bildern der klassische Kampf zwischen Gut und Böse gefochten.
Natürlich muss man das Buch im Kontext der Zeit sehen, Gotthelf war nunmal reformierter Pfarrer und gottesfürchtig.
Ein emanzipiertes Frauenbild kann man dabei nicht erwarten, aufklärerisches Gedankengut oder Religionskritik ebenfalls nur in geringen Maßen. Wer sich da z.B. an Aussagen stört wie "(..)aber sein Wille lag gebunden in seiner Weiber Willen, und dieses Gebundensein ist allerdings eine schwere Schuld für jeden Mann, und schwerer Verantwortung entrinnt er nicht, weil er anders ist als Gott ihn will.", der muss das mit literarischem Abstand sehen und nicht aus der heutigen Perspektive. Allein dass Gottesfürchtigkeit und der Glaube die Probleme dieser menschlichen Welt nicht zu "lösen" vermögen, weiß natürlich jeder moderne Mensch.
Ein Genuß bleibt dieses Werk dennoch. Wer die altertümliche Ausdrucksweise schätzt und durchaus ein derbes-schauriges Gruselmärchen aus jener Zeit sucht, dem ist Die Schwarze Spinne (am besten in einer Ausgabe mit Randnotizen und Kommentaren) wärmstens zu empfehlen!