Sam Springer ist geflüchtet vor seinem Schreibtischjob als Buchhalter: Er hat einen Roman geschrieben mit dem aussagekräftigen Titel "Kein Bett zu hoch" und kann sich knapp 1 Jahr von seinen Prämien über Wasser halten. Doch dann ist er mit Miete und Raten in Rückstand, während ihn seine Frau nur noch nervt und er noch keine einzige neue Zeile zu Papier gebracht hat. Eine wahnwitzige Idee führt den Atheisten zu einem Kloster, das geschlossen werden soll, und da Abt Dover als letzte Amtshandlung verzweifelt einen Reverend für eine schwarze Gemeinde sucht, schickt er Sam, versehen mit dem neuen Vornamen Deuteronomius, nach Jax in Florida. Hier soll er genug Zeit zum Schreiben finden, denn nur 2 Predigten die Woche können ja nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen.
Willeford beweist sich wieder einmal als Meister des grotesken Pulp. In wunderbar eingänglicher Sprache schildert er eine unglaubliche Woche im Leben eines Mannes, der vor sich selbst und aller Verantwortung für sein Leben fliehen will, letztlich jedoch dank seiner Lethargie von Katastrophe zur nächsten steuert. Denn natürlich findet er in der Gemeinde in Jax keine Ruhe zur Schriftstellerei, sondern avanciert in Windeseile zu einer Symbolfigur der Gleichberechtigungsbewegung und entdeckt in der Frau des Gemeinratsvorsitzenden seine neue große Liebe.
Natürlich schreien die Komplikationen nach unkonventionellen Lösungen. Springer will seinen eigenen Profit aus der Affäre ziehen und so lässt Autor Willeford ihm mehrfach die Wahl zwischen Gut und Böse. Keine Frage, für welche Variante sich sein Held entscheidet. Überzeugendes Motiv in diesem Roman ist jedoch die Rolle der Kommunikation, und zwar die verbale wie auch die non-verbale Kommunikation. Das Auftreten des Deuteronomius Springer in seinem schwarzen Priestergewand und die Show, die er vor dem Altar veranstaltet, sowie sein frommes Gesäusel von der Liebe Gottes, an die er am allerwenigsten glaubt, offenbaren über den gesamten Roman die Anfälligkeit der Gesellschaft für Täuschung, Betrug und Leichtgläubigkeit. Dass Willeford gerade diese Leichtgläubigkeit in eine fromme Religionsgemeinschaft injiziert, ist wiederum als Geniestreich eines Meisters zu sehen. Ein großartig unterhaltender Roman.