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50 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die athmosphärisch dichteste Aufarbeitung der Krabat-Sage, 10. August 2001
Jurij Brezan schafft es auf diesen wenigen Seiten die alte schlesische Saga von Krabat -der, von dem man sagt, dass einst ein Stein vom Himmel fiel und darin war Krabat - einmal wird ein Stein zum Himmel fahren und darin wird Krabat sein- in einer empörend dichten Art aufzuarbeiten. Wer das (sehr gute) Kinderbuch von Otfried Preußler gelesen und gemocht hat, wird sich hiernach kaum halten können. Der Kampf mit dem Müller, der sich wortwörtlich durch alle Zeiten erstreckt, wie auch der Rest dieses Buches haben -obschon Prosa- weit mehr lyrische Kraft, als die meisten der zeitgenössischen Gedichte. Geeignet auch für Schüler, die den klassischen Krabat gelesen haben und vergleichen können, welche Macht Worte haben- Großartig.
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die schwarze Mühle - psychologischer Mehrebenenroman, 18. Oktober 2008
Ich habe das Buch "Die schwarze Mühle" vor vielen Jahren das erste Mal gelesen, als der "Krabat" von Preußler noch gar nicht existierte oder mir nicht bekannt war. Das Buch hat mich tief bewegt und aufgewühlt. Nach Jahren ist mir Brzans Erzählung wieder in die Hände gefallen und ich war wieder wieder verzaubert.
Die Geschichte hat einen mythischen Rahmen, der die Universalität der Figur des Krabat betont. Sie beginnt so, als ob eine alte verklärte Legende erzählt wird. Dann jedoch tritt der einfache Mensch Krabat hervor und wir begleiten ihn durch sein Lebensabenteuer, die Verstrickung in die Welt der schwarzen Mühle, das spätere Besinnen und Ringen um persönliche und kollektive Befreiung. Der Doppelcharakter zwischen Mythos einerseits und der leidvollen persönlichen Geschichte des Menschen Krabat anderseits zieht sich durch die Erzählung. Brzan spielt mit beiden, sie vermengen und vermischen sich im Kampf des Krabat gegen den Müller. Darin zeigt sich die Universalität des Lebensthemas des Krabat, das immer wieder im Leben der Menschen und damit in den verschiedenen historischen Zeiten vorkommt. Das Buch hat mehrere Ebenen, bzw. Lesarten. Es ist darin, wie auch innerhalb der Handlung selbst vielschichtig. Tiefere psychologische Bedeutungsebenen bleiben beim ersten Lesen dem formulierenden Geist verschlossen, sie werden geahnt und erspürt, weil sie innerlich berühren. Sie berühren, weil letzlich jeder von uns ein Krabat ist, der sich schon einmal in einer schwarzen Mühle verirrt hat und von einem schwarzen Müller versucht wurde und wird und weil letztlich jeder von uns sich danach sehnt, in die Heimat des eigenen Herzens zurück zu finden.
Es geht um die Frage, was letztlich im Leben persönliche Bedeutung hat. Es geht auch um das Jugendthema der Identität und darum, sich dafür an die Institution zu verkaufen. Der Müller bietet genau dies an: Dienst in einer schwarzen Mühle, in der die Mehlsäcke leer sich und Nichts gemahlen wird. Der Inhalt der Arbeit ist letzlich substanzlos. Das Schuften ist vollkommen sinnlos, es dient seinem eigenen Machterhalt. Was gesammelt wird ist der Goldstaub der Mühe: der Schweiss bei dieser sinnlosen Arbeit. Ich muss sofort an die bürokratischen Mühlen denken, in denen wir leben, in denen sinnloses Papier gemahlen wird, an unsere betrieblichen Hierarchien, in denen die Wände Ohren haben. Die Stasi, der Computervirus des Herrn Ministers Schäuble, die Zuträger des eigenen Chefs, ... Ebenso muss ich an die Armee denken, in der jungen deutschen Männern Identität verkauft wird, die sich irgendwann als leerer Mehlsack erweist. Da trifft sich der mythische Charakter mit unserer Lebenswelt. Hier lernen wir, die schwarze Magie und die schwarze Mühle in unserem Leben zu erkennen. In der Geschichte wird die Frage nach der Heimat aufgeworfen, das Herdfeuer des Mütterlichen bekommt für den heimatlosen Krabat Bedeutung, nachdem er erkannte, dass das Angebot der Mühle ihn niemals wird ankommen lassen. Die Heimat kann nicht durch die äußere Identität der Mühle gefunden werden. Die Orden des falsche Selbst laden zur Partizipation an der Mühle ein. Aber die Säcke bleiben leer. Die Perspektive der schwarzen Mühle besteht nur darin, von ihr auf die eine oder andere Art gefressen zu werden. Entweder gebrochen als erzwungene narzisstische Nahrung für die anderen Gefangenen des Systems der Mühle oder indem man selbst zu ihrem Müller wird.
Es ist die Beschreibung der Entwicklung eines Menschen. Ein psychologischer Häutungsprozess hinaus aus der pupertäten Hilfskonstruktion der Institution und Ideologie. Ein Kampf gegen den Patriarchen, das negative Vaterbild. Eine Kampf und eine Suche nach der Heimat des Herzens.
Das Buch ist einerseits ein Märchen, es hat eine politische Ebene und mehrere psychologische, bzw. allgemein menschliche, wenn nicht archetypische Ebenen, die ich kurz angedeutet habe. Es kann in allen diesen Lesarten erfahren werden. Es nur in einer Lesart zu beschreiben, wird ihm nicht gerecht und bleibt weit hinter dem reichen Schatz zurück, der darin offen liegt. Deshalb gebe ich ihm gegenüber dem reinen Märchen von Preußler den Vorzug.
Dieses Buch ist sowohl für ältere Kinder, wie auch für Erwachsene geeignet. Es kann gerade bei Kindern ab 12 einen unbewussten "Samen" für das spätere Loslassen vom falschen Selbst und von Identifikationen in den "schwarzen Mühlen ihres Lebens" legen, weil es in einer archetypischen, wenn nicht hypnotherapeutischen Sprache von diesem Prozess erzählt.
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39 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Preussler versus Brezan, 2. Juli 2006
"Die schwarze Mühle" ist Jurij Brezans Version der sorbischen Krabat-Sage. Die Krabat-Version von Otfried Preußler habe ich schon als Kind gerne gelesen. Und ich gebe Preußler ganz klar den Vorzug vor Brezan: Der Unterschied zwischen den beiden Buechern erinnert mich an den Unterschied zwischen einem wunderbaren franzoesischen Film (Preußler) und dessen aufgeblasenem amerikanischen Remake (Brezan).
Preußlers Buch spielt sich im streng begrenzten Bereich der Muehle ab, mit einer ueberschaubaren Handlung und einer einfachen, klaren Sprache.
Brezans Buch beginnt zwar in der Muehle (erstes Drittel), entwickelt sich dann aber ueber Großschauplaetze zu einem Weltenkampf zwischen dem (inzwischen maechtigen) guten Magier Krabat und dem maechtigen boesen Mueller. Am Ende legt Krabat mit vielen Helfern den Muehlenbach trocken und toetet den Mueller im offenen Kampf.
Die obigen Zeilen klingen vielleicht zu hart: Brezans Buch ist durchaus lesenswert und durchaus reizvoll. Die Handlung ist viel reicher ausgebaut als in Preußlers Buch. Aber im direkten Vergleich ist mir die Schlichtheit und Klarheit Preußlers einfach lieber.
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