Ich bin rein zufällig über dieses unter dem Pseudonym Fibelkorn veröffentlichte Buch gestolpert und habe mich vom Klappentext zunächst einmal spontan angesprochen und geschmeichelt gefühlt. Dort ist nämlich unter anderem die Rede von den vielen Autodidakten, die mit teilweise beachtlichem Erfolg über Jahre hinweg brauchbare Sachen programmieren, dabei aber immer einen etwas verschämten Bogen um das vermeintliche Erwachsenenspielzeug C++ machen. Bei mir ist es nicht anders gewesen; ich habe das Thema zwar immer wieder mal angepiekst, mich aber jedesmal von zuviel Respekt gegenüber Pointern und dergleichen einschüchtern lassen. (Und zum Glück gibt es ja Sprachen wie Java oder gar PHP, da muß man das alles ja gar nicht wissen. Oder?) Der Autor behauptet, den Lesern in lockerem Erzählstil verpackt echtes Grundverständnis (damit ist nicht "Hello Word" gemeint) für die Programmierung zu vermitteln und nebenbei auch noch die Sprache C++ einschließlich aller wichtigen Prinzipien beizubringen. Kurzentschlossen eingepackt, bereue ich den Kauf nicht im geringsten.
Auf den ersten zehn, fünfzehn Seiten dachte ich, hui, bei allem Humor, hoffentlich kriegt er die Kurve zum Thema. Es stellte sich aber bald heraus, daß es tatsächlich zunächst um grundlegendes Verständnis geht, das mit der Sprache kommt irgendwann von selbst. Mancher zunächst leicht wirr erscheinende Einwurf taucht später als Aha-Effekt wieder auf. Aufgehängt ist das ganze Buch als Story um den Oberpatriarchaten eines mächtigen Bürohochhauses. Dieser wird eines Tages auf die Notwendigkeit guter Programmierkenntnisse gestoßen und läßt daraufhin von seinem grobschlächtigen Leibwächter einen langhaarigen "Programmierergott" zur Schulung überreden. Das Buch ist kapitelweise angelegt als recht amüsanter Dialog zwischen dem ungeduldigen und zunächst verständnislosen Firmenboss und dem coolen Lehrer. An jedem Kapitelende findet sich eine stichpunktartige Zusammenfassung, immer angereichert um einige passende neue Informationen, die aufgrund des Vorangegangenen unmittelbar einleuchten.
Ich muß aber auch zugeben, daß ich eine leichte Schwäche für das Groteske habe, das erleichtert sicherlich die Lektüre. Denn dort wird gerne mal vom Autor in der Rolle des Programmierergottes mit dem Finger geschnipst, und mit Paff und Blitz tauchen merkwürdige kleine Männchen auf, die ohne einen Schnaps schon mal gar keine Auskunft geben, ganz zu schweigen von den Tagträumen des Schülers. Außerdem wird bei Gelegenheit noch (dezent) geraucht und gestrippt, was nicht nur ungewöhnlich ist für einen Programmierkurs, sondern überhaupt erstaunlich in unseren merkwürdigen Zeiten. Schaden ist allerdings kaum zu befürchten, Kinder gehören offenkundig und glücklicherweise nicht zur Zielgruppe. Ich fand das Buch jedenfall sehr lehrreich und amüsant.
Der einzige Grund, warum es meiner Meinung nach nur vier Sterne verdient, ist die relativ hohe Zahl der Tippfehler, Buchstabendreher und Wortleichen, die dem Lektorat durchgegangen sind. So etwas läßt einen bei der Lektüre stolpern und bei mir als Leser generell das Vertrauen etwas sinken; zum anderen finden sich leider in den ansonsten sehr anschaulichen Beispielillustrationen kleine Unstimmigkeiten (z.B. teilweise falsche Groß-/Kleinschreibung von Buchstaben bei Bezug auf ASCII-Werte). Das ist umso erstaunlicher, als offenbar eine frühere Version des Werkes unter dem Titel "Das große ABC" (von Martin Burckhardt) im Jahr 2003 in Umlauf war. In diesem Sinne sind dem Buch weitere, durchgesehene Auflagen zu wünschen.