Dieses Buch wollte ich schon lesen als im Internet das Gerücht kursierte, David Fincher (Sieben, Fight Club) würde den Roman verfilmen. Zu diesem Zeitpunkt war es jedoch vergriffen. Nun ist das Buch neu aufgelegt worden und ich konnte das versäumte endlich nachholen. Schnell stellte ich fest, das es auf jeden Fall ein Versäumnis darstellt diesen Roman nicht gelesen zu haben. Von Begin an entwickelt die Story einen unglaublichen Sog und man wird tief in den Strudel aus Gewalt, Korruption und Macht gesogen. Es fiel mir wirklich schwer, das Buch für längere Zeit aus der Hand zu legen. Und hatte man sich gerade eine Theorie zurechtgelegt um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, wurde sie mit den folgenden Seiten gleich wieder pulverisiert. In dem ungeheuer umfangreichen Netzwerk aus Personen und Verbindungen ist nichts so wie es scheint und in der Welt von James Ellroy hat scheinbar jeder eine Leiche im Keller. Ich habe wenige Romane mit derart vielen beschrieben Personen gelesen, und auch die Zahl der Handlungsstränge ist enorm. Keine Frage, wenige Schriftsteller verstehen es, so komplexe Kriminalfälle in Worte zu fassen. Dabei ist seine Sprache genau so hart, direkt und kompromisslos wie es seine Protagonisten sind. Humor taucht hier nur sporadisch auf und meistens als purer Zynismus.
Die Story geht einem ziemlich an die Nieren, und nur zu gut kann man sich vorstellen, welche riesigen Wellen dieser reale Fall damals verursacht haben mag. Nebenbei faszinieren das präzise Abbild der 50 Jahre und die Beschreibung L.A's als dunklen und alles verschlingenden Moloch. Möglich das diese Darstellung
zu einseitig und zu subjektiv wirkt, aber sie erschien mir passend, auf eine morbide Art. Der ideale Nährboden für jegliche Art von Verbrechen und letztendlich die Quelle für Ellroy's schriftstellerische Energie.
Die schwarze Dahlie ist der Auftaktroman des sogenannten L.A Quartetts, zu dem unter anderem auch Stadt der Teufel gehört, hierzulande besser bekannt als L.A Confidential. Einige Figuren die in diesem Roman auftauchten wird der Leser hier wiederfinden. Ein Punkt, der einige Passagen fast dokumentarisch wirken läßt. Im Nachwort schildert Ellroy seine Leidenschaft für diesen Fall und sein Bestreben, der beste Krimiautor der Gegenwart zu werden. Ich denke, mit diesem Roman, der für mich der bislang beste Ellroy ist, wird er diesem Anspruch mehr als nur eine kleines Stück näher gekommen sein. Auch wenn ich mich schon auf die Verfilmung freue; es dürfte schwer sein dieses Meisterwerk auf die Leinwand zu bringen, selbst für einen David Fincher. Ein Grund mehr das Buch jedem Krimiliebhaber ans Herz zu legen.