"Ich kann es nicht, denn er ist mein Bruder."
(Sigibert, König von Austrasien)
Im Jahre 566 heiratet der merowingische König Sigibert von Reims, Brunichild, die Tochter des Westgotenkönigs Athanagild. Diese Hochzeit und die Attraktivität der Braut wecken bei seinem Bruder Chilperich, dem König von Neustrien, Begehrlichkeiten nach einer Gattin von ebenso hoher Geburt und Schönheit. Obwohl er bereits mit der Fränkin Audovera verheiratet ist und darüber hinaus auch Beziehungen zu zahlreichen Nebenfrauen pflegt, entsendet er seine Brautwerber, die in Toledo um die Hand Gailswinthas anhalten, die er ein Jahr später dann auch erhält. Trotz seines Gelöbnisses zu künftiger Monogamie gelingt es Chilperich nicht, von seinen bisherigen Gewohnheiten abzulassen. Bereits ein halbes Jahr nach seiner Hochzeit erliegt der Neustrier den Verführungskünsten und Intrigen seiner Geliebten, der "Unfreien" Fredegunde, und ist seiner westgotischen Ehefrau überdrüssig. Als Gailswintha in ihre iberische Heimat zurückzukehren will, nimmt ein mörderisches Familiendrama seinen Anfang....
Das vom Deutschen Taschenbuch Verlag gewählte Buchcover erweckt mit der Abbildung des aus dem Jahre 1911 stammenden Gemälde "The Riders of the Sidhe" zunächst den Eindruck, dass es sich um einen Fantasyroman handelt. Der Blick auf die Buchrückseite lässt jedoch erkennen, dass es sich um einen historischen Romans handelt. Der Buchtitel stellt zwar eine undifferenzierte Charakterisierung der beiden Protagonisten hinsichtlich ihrer Motive und in Bezug auf Ursache und Wirkung dar, wird jedoch im Roman relativiert...
Robert Gordians bereits 1998 publizierter Roman "Die schrecklichen Königinnen" ist gewissermaßen die Fortsetzung von "Der Wolfskönig"(2005) und "Die Heilige und der Teufel" (2006), den ersten beiden Teilen seiner Merowinger-Chronik. Nach der Geschichte Chlodwigs und seiner Söhne, steht im dritten Band die Enkelgeneration des Gründers des fränkischen Reiches im Mittelpunkt. Neben den historischen Überlieferungen bietet der Roman auch Hinweise in Richtung Nibelungensage, von der vielfach angenommen wird, dass die Vorbilder für Drachentöter Siegfried, Kriemhild, ihre Brüder usw. der Familiengeschichte der Merowinger entstammen. Originell ist auch ein Hinweis auf "Rosamunde, die Königin der Langobarden" (Seite 206), denn unter gleichlautendem Titel wurde im Jahre 1998 ein zweiteiliger Roman Robert Gordians veröffentlicht.
Mit seiner Vielzahl von historischen Personen und Details sind "Die Schrecklichen Königinnen" der beste, dramatischste und auch spannendste Part der Romanreihe, deren Teile auch einzeln und unabhängig von einander gelesen werden können. Der im frühen Mittelalter spielende Roman ist eine Rarität, die nicht nur das Prädikat "historisch", sondern auch eine baldige Neuauflage (dann hoffentlich mit Landkarte und Stammbaum der Merowinger!) verdient. Mit 4 '1/2 Amazonsternen zu bewerten, lässt er zudem auf einen weiteren Fortsetzungsband hoffen.