Ein Buch mit traditionellen Kinderliedern hatten wir schon, trotzdem habe ich dieses nach dem Durchblättern spontan noch zusätzlich gekauft. Der eine Grund waren die sehr gelungenen Aquarellbilder zu den Liedern, der andere, dass ich einige Titel entdeckt hatte, die in unserem bisherigen Buch nicht drin waren und an die ich mich aus eigenen Kinderzeiten erinnere.
Jetzt haben wir das Buch seit zwei Wochen in allabendlicher Benutzung, und die Begeisterung hat sich teilweise abgekühlt. Nicht etwa für die Bilder, denn die sind wirklich wunderschön, machen den Kindern Freude und bieten oft noch mit feinem Humor einen zusätzlichen Blick auf die Lieder. Anders ist es mit den abgedruckten Texten, denn die sind sehr oft bearbeitet: modernisiert, verharmlost, kindgerecht gemacht. Da wollte es die Herausgeberin dem Nachwuchs wohl einfacher machen, aber damit hat sie schwer daneben gehauen: Viele Lieder haben jetzt andere Worte als
1. in meiner Erinnerung
2. in unserem anderen (nicht modernisierten) Liederbuch
3. dem, was andere Kinder und der Kindergarten kennen
Effekt: Ich bin beim Singen aus dem Buch ständig am Korrigieren, und wenn ich es mal übersehe, korrigieren mich die Kinder. Das ist keine sehr entspannte Angelegenheit.
An der Liedauswahl gibt es nichts zu meckern. Neben unseren Favoriten aus dem anderen Buch (wie Winter ade, Im Märzen der Bauer, Der Kuckuck und der Esel, Ein Mann der sich Kolumbus nannt, Aus grauer Städte Mauern und diversen Weihnachtsliedern) haben es meinen Söhnen (2 und 4 Jahre) besonders "Ein Jäger längs dem Weiher ging" (Lauf, Jäger, Lauf) und "Wenn die bunten Fahnen wehen" angetan.
Etwas seltsam ist, dass der Text der ersten Strophe nicht nur bei den Noten steht, sondern immer nochmal mit den anderen Strophen abgedruckt ist. Besonders sinnlos erscheint das bei Liedern mit nur einer Strophe: Es steht einfach das Lied zweimal da, mal mit und mal ohne Musik.
Insgesamt ein großes Lob für die Illustratorin, aber die Herausgeberin muss noch üben.