Nach "Lolita lesen in Teheran" enttäuscht "Die schönsten Lügen meiner Mutter" in jeder Hinsicht. Nicht nur, dass die Autorin nichts neues mitzuteilen hat, auch die blumige Sprache, die Liebe zur Literatur, die "Lolita lesen in Teheran" durchzieht, sucht der Leser in "Die schönsten Lügen meiner Mutter" vergebens. Nafisis Sprache wirkt hier, ebenso wie ihre ständigen Verweise auf Literatur, holperig und aufgesetzt, die Überbetonung ihrer Zugehörigkeit zur Bildungselite arrogant. Gelang es ihr in "Lolita lesen in Teheran" wunderbar, Literatur, Lebensläufe und politische Verhältnisse miteinander zu verknüpfen, springt Nafisi in "Die schönsten Lügen meiner Mutter" thematisch hin und her, jedes Thema nur oberflächlich streifend, so dass der Leser sich mit zunehmender Ungeduld fragt, wohin die Autorin eigentlich möchte.
Anders als der Titel verspricht, gelingt es Nafisi auch nicht, ein wirkliches Bild von ihrer Mutter zu zeichnen, und ihre Idealisierung ihres offenkundig rückgratlosen Vaters, dessen vermeintliche Liebe zu Literatur nichts anderes als ein Verstecken hinter Zitaten ist, wirkt ermüdend.
Auch wenn Nafisi "Lolita lesen in Teheran" in ihrer Rolle als Literaturprofessorin verfasst hat und sie in "Die schönsten Lügen meiner Mutter" nun die, um Reflexion bemühte, gekränkte Tochter zu Wort kommen lässt, so wirkt doch insgesamt das vorliegende Buch wie eine schlechte erste Rohfassung ihres ersten Buches. Das Ärgerliche daran ist jedoch nicht allein, dass Nafisi mit dem vorliegenden Buch nicht das hält, was sie mit ihrem ersten Buch versprochen hat, bedauerlich ist vor allem, dass sie mit dem vorliegende Buch ihr erstes entwertet. Schade!